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Richard Strauss Musik der Moderne von Lütteken, Laurenz (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 26.03.2014
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Richard Strauss

Richard Strauss gilt als Fremdkörper in der Musik des 20. Jahrhunderts: Die einen subsumieren ihn unter dem Stichwort 'Spätromantik', die anderen erblicken in ihm einen Verräter an der Moderne oder auch einen durch sein Verhalten im Nationalsozialismus diskreditierten Opportunisten. Zugleich jedoch ist seine Musik in den letzten Jahren auf erstaunliche Weise in das Repertoire der Opernhäuser und Orchester zurückgekehrt - weit über 'Elektra' oder den 'Rosenkavalier' hinaus. Als Mensch blieb Strauss unnahbar. Mit Äußerungen zu seinem Werk und zu seinem Leben hielt er sich extrem zurück. Als einer der wenigen bedeutenden Komponisten verzichtete er zudem auf die Ausbildung von Schülern oder die Versammlung von 'Jüngern'. So existiert lediglich eine Fülle von Anekdoten über ihn. Laurenz Lütteken nähert sich dem großen Komponisten endlich einmal fernab der Klischees an und leistet dabei Pionierarbeit: Er zeigt Strauss als Verkörperung seiner Zeit, der Moderne, und eröffnet somit einen neuen Zugang zum Verständnis seines Werks und seines Lebens. Laurenz Lütteken, Ordinarius für Musikwissenschaft an der Universität Zürich, einer der führenden Musikwissenschaftler der Gegenwart. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Musik des 14. bis 20. Jahrhunderts.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 319
    Erscheinungsdatum: 26.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159605319
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 12281 kBytes
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Richard Strauss

Vorwort

Die Zugehörigkeit von Richard Strauss zur musikalischen (und nicht nur zur musikalischen) Moderne ist ab den 1950er Jahren immer entschiedener bezweifelt worden. Die Gründe dafür mögen vielfältig sein. Doch in der sich formierenden, erstmals von Paul Bekker so apostrophierten "neuen Musik" mit all ihren Proklamationen, Verlautbarungen und Verheißungen blieb Strauss ein erratischer Block auch deswegen, weil er sich ebenso entschieden wie anhaltend der damit verbundenen Neigung zur erklärenden Selbstdeutung verweigert hat. Die vermeintliche Fülle der von ihm überlieferten Texte täuscht darüber hinweg, dass es sich durchweg um notizenartige Marginalien und Gelegenheitskundgebungen handelt, mitnichten um systematische Selbstauslegungen, die er bei seinen Zeitgenossen so verachtet hat, und zu denen er sich nicht einmal in der wuchernden publizistischen Kontroverse um die Salome (1905) hat hinreißen lassen. Selbst ein Schlüsselwerk wie der Rosenkavalier (1911) blieb ohne jegliche begleitende Erläuterungen. Der einzige programmatische Text zu seinen Hintergründen ist nicht mehr als eine knappe essayistische Skizze, bezeichnenderweise verfasst von Hofmannsthal, der ihr den nur auf den ersten Blick paradoxen Titel des "Ungeschriebenen Nachworts" mitgegeben hat. Und der eine Fall, in dem sich beide Autoren zu Stellungnahmen unterschiedlichen Zuschnitts veranlasst sahen, im Kontext der Ägyptischen Helena (1928), lässt sich letztlich als genau begründbare Ausnahme begreifen.

Strauss, der ein leidenschaftlicher Leser war und der seine humanistische Bildung dennoch eher verborgen denn demonstrativ nach außen getragen hat, blieb als Persönlichkeit unnahbar, weil er sein Werk, das doch das Biographische zuweilen geradezu unverfroren zur Schau zu stellen schien, von deutenden Steuerungen freihielt. Selbst Hofmannsthal bekannte, den übergreifenden Zusammenhang im Œuvre des Komponisten erst nach einer langen mündlichen Darlegung begriffen zu haben – also in einem Gespräch, das privat blieb und bleiben sollte. Zur Verschriftlichung derartiger Gedanken sah sich Strauss jedenfalls nie veranlasst. Der einzige in einem emphatischen Sinne "weltanschauliche" Text, den er verfasste, blieb der Intimität des Privaten vorbehalten: Das Tagebuch der für ihn so prägenden Erholungsreise nach Griechenland und Ägypten in den Jahren 1892 und 1893 war den Zeitgenossen unbekannt und wurde erst sehr viel später durch Willi Schuh wenigstens in Teilen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Es ist diese Zurückhaltung umso erstaunlicher, als dem Lebenswerk – das immerhin die schwer zu ermessende Spanne von fast 80 Jahren kompositorischer Aktivität umfasst – eine in ihrer Konsequenz und Beharrlichkeit einschüchternde Systematik mitgegeben wurde. Dieses Werk entfaltet sich in der Dichotomie von Tondichtungen und Opern, die gerahmt wird von den "frühen" Beiträgen zu den traditionellen Instrumentalgattungen und einem ausdrücklich als solchem klassifizierten "Spätwerk". Und sie wird – nicht unwesentlich – begleitet von der zwar nicht stets gleich intensiven, aber doch anhaltenden Produktion von Liedern. Die "Ausbruchsversuche" aus diesem System sind selten, etwa in den Klavierwerken für Paul Wittgenstein oder in der Preisgabe bestimmter Grundsätze im Intermezzo (1924), sie stellen es wegen ihrer komplexen Bezüge zu ihm aber nicht in Frage, sondern untermauern seine Gültigkeit.

In einer erheblichen Anstrengung verkörperte Strauss willentlich, hierin Mahler vergleichbar, die unter dem Eindruck Wagners eigentlich zerbrochene Einheit

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