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Schräge Lieder, schöne Töne Erinnerungen und Denkausflüge zwischen Anne Kaffeekanne und Cowboy Jim von Vahle, Fredrik (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 28.10.2019
  • Verlag: Gütersloher Verlagshaus
eBook (ePUB)
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Schräge Lieder, schöne Töne

Seit mehr als 45 Jahren gehört er zu den bekanntesten Kinderliedermachern in Deutschland. Millionen Kinder sind mit seinen Liederhelden und -heldinnen "Anne Kaffekanne", dem "Hasen Augustin" oder dem "Cowboy Jim aus Texas" aufgewachsen. Aber der Li-la-Launebär war Fredrik Vahle nie. Geprägt vom Aufbruchsgeist der späten 60ger Jahre wollte der habilitierte Linguist nicht nur unterhalten, sondern hatte immer auch eine Botschaft. Ums Miteinander geht es in seinen Liedern, um Selbstwahrnehmung und Fürsorge, um den Mut zur Freiheit, aber auch ums Hinhören und die Stille. In diesem Buch blickt der sich immer wieder neu erfindende Poet auf sein wandlungsreiches Leben zurück. Keine Biografie hat er geschrieben, vielmehr nimmt er seine Leserinnen und Leser mit auf "Erinnerungsausflüge". Flanierende, nachdenkliche, ironische und komische Geschichten über das, was Fredrik Vahle wichtig geworden ist. Das heitere Buch eines freien Menschen mit der Experimentierfreude eines Kindes. Ein Buch voller Weisheit und Ermutigung! Fredrik (Fritz) Vahle wurde 1942 in Stendal (Altmark) geboren, lernte beim Großvater etwas Klavier spielen, war keine musikalische Sonderbegabung, aber immer vom Singen und von Musik begeistert. Beide Eltern waren Künstler und siedelten 1956 aus der damaligen DDR in die Bundesrepublik über. Nach dem Abitur studierte er Deutsch und Politik. Nach Abschluss des Studiums widmete er sich zunehmend dem Kinderlied und veröffentlichte zahlreiche Bücher und Kinderlieder-CDs. Noch heute begeistert er Kinder und Familien mit seinen Liedern. Daneben arbeitet er als Dozent an der Universität Gießen (Promotion in Soziolinguistik, Habilitation über Kindersprache und Kinderlied).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 28.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641250089
    Verlag: Gütersloher Verlagshaus
    Größe: 3864 kBytes
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Schräge Lieder, schöne Töne

Stalins Lieblingslied, Fritze Bollmann und Freie-Wildbahn-Verse

Geräusche, Klänge und Gesänge außerhalb der Familie ...

Aus dem Erdgeschoss unseres Hauses in der Nikolaistraße erklang häufig Geigenspiel. Da wohnte nämlich der erste Geiger des Stendaler Stadttheaters, der den schönen Namen Kratzer trug. Da waren die Meckertiraden von Oma Süß und die Schimpfkanonaden von Frau Kratzer, die manchmal alles übertönten und als großes Drama aufgeführt wurden, doch dann wieder friedlicher Stille Platz machten. Da waren die nicht enden wollenden Traktorengeräusche von der Landmaschinen- und Traktorwerkstatt Schreiber, die die Traktorenmotoren lange probelaufen ließ. Ein Geräusch, an das man sich auch gewöhnen konnte. Und dann wieder wurde so ein Flappern hörbar, wenn ein Auto die Nikolaistraße am Dom vorbei in die Innenstadt fuhr. Da war das Tschilpen der Spatzen, der Buch- und Grünfinken, der Amseln und Stare und schließlich die weithin hörbaren Rufe der Turmfalken vom nahen Stendaler Dom.

Einen singenden Hausgenossen hatte ich mir dann später in einer tagelangen Verfolgungsjagd in den Schrebergärten vor der Wohnung meiner Großeltern eingefangen. Es war ein Star mit einem verwundeten Flügel, den ich mit Mehlwürmern fütterte und der zu meiner großen Freude lange Gesänge anstimmte, sich dabei plusterte und schüttelte und sogar Percussions-Einlagen durch Schnabelklappern in seine Gesänge einflocht. Wenn mein Bruder mit dem Großvater vierhändig Klavier spielte, konnte es vorkommen, dass der Star sich auf den Kerzenhalter am Klavier setzte und stargenau die Melodie des jeweiligen Klavierstücks mittirilierte. Ich nannte den Star Tilo. Er war für mich ein Sinnbild dafür, wie man mit ganzer körperlicher Hingabe bis in die kleinste Feder hinein musizieren konnte. Tilo sang nicht so schön wie eine Schwarzdrossel oder gar eine Nachtigall, war aber an akustisch-musikalischer Vielfältigkeit kaum zu überbieten.

Eher grenzwertig waren dagegen die Grunz- und Quiekgesänge eines Wildschweinfrischlings, der mir beim Ziegenfutterholen über den Weg gelaufen war. Ich habe ihn gejagt und dann in meinen Ziegenfuttersack gesteckt. Ich brachte ihn mit nach Hause und ließ meine Eltern raten, was wohl in dem Sack sei. Sie vermuteten eine Katze, ein Hund, ein Igel. Ich legte den Sack auf den Boden. Das kleine Wildschwein kam aus dem Sack hervor, schaute uns verwundert an, schnupperte in der Luft herum, stakste dann zum Schuhregal, wo die Schuhe meines Vaters standen, schnupperte noch einmal daran, um sich zu vergewissern und - kackte hinein. Später unterhielt es sich dann mit den Hausschweinen. Das war für mich eine wunderbare Gelegenheit, die Schweinesprache zu studieren. Doch eines Tages lag es tot im Stall. Es hatte wohl die Kuhmilch, mit der ich es fütterte, nicht vertragen. Zum Trost schenkten mir meine Eltern eine Tafel West-Schokolade.

Starengesänge und Grunzlaute ... - Natürlich haben wir Kinder auch selbst gesungen, und hier komme ich zu dem, was Peter Rühmkorff in seiner Schrift "Über das Volksvermögen" die "Reime und Gesänge der freien Wildbahn" nennt. Zunächst wurde ich besungen, und zwar mit Worten, deren Sinn ich gar nicht verstand. Und zwar nur, weil ich "Fritz" heiße. In einem dieser Sprüche tauchte das mir damals völlig fremde Wort "Selleriesalat" auf. Nach und nach bekam ich mit, dass das was zum Essen war, mit dem ich aber keinerlei Erfahrung hatte. Und als ich es probieren konnte, schmeckte es mir nicht. Trotzdem musste ich mir immer wieder anhören, was psalmodierend zu mir herüberklang:

"Fritzchen freu dich,

morgen gibt's Selleriesalat!"

Ausführlicher und sogar in Liedform wurden mir immer wieder die Verse von "Fritze Bollmann" vorgesungen, der beim Angeln ins Wasser fällt und um Hilfe schreit. Stendal hat einen kleinen Fluss, die Uchte; eigentlich, wie mir ein alter Stendaler jüngst erzählte, der "Stadtgraben". Die eigentliche Uchte wurde auf der Höhe d

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