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Schuberts Winterreise Lieder von Liebe und Schmerz von Bostridge, Ian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 29.09.2015
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Schuberts Winterreise

Schuberts Winterreise, vollendet in den letzten Monaten seines kurzen Lebens, ist eines der eindrucksvollsten und rätselhaftesten Meisterwerke der europäischen Kultur. Einst geschrieben für intime Gelegenheiten, füllt der Liederzyklus heute die größten Konzertsäle der Welt. Ian Bostridge, ein Interpret von Weltrang, erschließt in seinem faszinierenden Buch nicht nur Kontext und Wirkung der 24 Lieder. Es gelingt ihm auch, uns jene zeitlos magische Energie nahezubringen, die Schuberts Wanderer in einen Spiegel unserer eigenen Seele verwandelt. Ian Bostridge gehört zu den großen Liedsängern unserer Zeit. Er hat zahlreiche preisgekrönte Opern- und Liedaufnahmen eingespielt, darunter mehrfach auch die Winterreise, und gibt Liederabende in ganz Europa, den Vereinigten Staaten und Asien. Bostridge hat Geschichte an der Universität Oxford studiert, wo er auch als Professor für Musik lehrt. Er schreibt regelmäßig für The Times Literary Supplement und The Guardian.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 407
    Erscheinungsdatum: 29.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406682490
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Originaltitel: Schubert's Winter Journey. Anatomy of an Obsession
    Größe: 13995 kBytes
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Schuberts Winterreise

Einleitung

"Mit einem Herzen voll unendlicher Liebe für die, welche sie verschmähten, wanderte ich ... in ferne Gegend. Lieder sang ich nun lange, lange Jahre. Wollte ich Liebe singen, ward sie mir zum Schmerz. Und wollte ich wieder Schmerz nur singen, ward er mir zur Liebe."

Schubert, "Mein Traum", Manuskript, 3. Juli 1822



W interreise - ein Zyklus von 24 Liedern für Gesang und Klavier, den Franz Schubert gegen Ende seines kurzen Lebens komponierte. Er starb 1828 mit nur 31 Jahren in Wien.

Als Liedkomponist von unvergleichlicher Produktivität und Meister berückend schöner Melodien war Schubert bereits zu Lebzeiten berühmt, die Winterreise aber, so scheint es, sorgte bei seinen Freunden für Verwirrung. Einer seiner engsten Gefährten, Joseph von Spaun, erinnerte sich 30 Jahre später daran zurück, wie der Zyklus im Schubert-Kreis aufgenommen worden war:

Schubert wurde durch einige Zeit düster gestimmt und schien angegriffen. Auf meine Frage, was in ihm vorgehe, sagte er nur: "Nun, ihr werdet es bald hören und begreifen." Eines Tages sagte er zu mir: "Komme heute zu Schober, ich werde euch einen Zyklus schauerlicher Lieder vorsingen. Ich bin begierig zu sehen, was ihr dazu sagt. Sie haben mich mehr angegriffen, als dieses bei anderen Liedern der Fall war." Er sang uns nun mit bewegter Stimme die ganze Winterreise durch. Wir waren über die düstere Stimmung dieser Lieder ganz verblüfft, und Schober sagte, es habe ihm nur ein Lied, "Der Lindenbaum", gefallen. Schubert sagte hierauf nur: "Mir gefallen diese Lieder mehr als alle, und sie werden euch auch noch gefallen; ..."

Ein anderer enger Freund, mit dem Schubert einige Jahre zuvor ein Zimmer geteilt hatte, war Johann Mayrhofer, Regierungsbeamter und Poet (Schubert vertonte 47 seiner Gedichte). Für Mayrhofer war die Winterreise Ausdruck persönlicher Erschütterung:

Er war lange und schwer krank gewesen [Ende 1822 hatte er sich mit Syphilis infiziert], er hatte niederschlagende Erfahrungen gemacht, dem Leben war die Rosenfarbe abgestreift; für ihn war Winter eingetreten. Die Ironie des Dichters, wurzelnd in Trostlosigkeit, hatte ihm zugesagt; er drückte sie in schneidenden Tönen aus.

Auf noch dramatischere Weise vermischte Spaun in seinem Bericht über die Entstehung des Zyklus Persönliches und Künstlerisches. "Ich halte es für unzweifelhaft, dass die Aufregung, in der er seine schönsten Lieder dichtete, dass insbesondere seine Winterreise seinen frühen Tod mit veranlassten."

Diesen Schilderungen ist etwas zutiefst Mythologisierendes eigen, insbesondere jener von Spaun, die an Christus im Garten Gethsemane erinnert - die Düsternis, die Freunde, die das Wesentliche nicht erkennen, und der Schleier des Mysteriums, der erst nach dem Tod seines Urhebers gelüftet werden kann. Entgegen der hartnäckigen Legende des "armen Schubert" - verkannt, ungeliebt, erfolglos zu Lebzeiten - sollte nicht vergessen werden, dass er mit seiner Musik beträchtliche Summen verdiente, in den Salons der guten Gesellschaft (wenn nicht sogar des Adels) willkommen war und sowohl großen Beifall als auch seinen gerechten Anteil an scharfer Kritik erntete. Schubert war womöglich der erste große Komponist, der als freischaffender Künstler außerhalb der Sicherheit und Beschränkung einer kirchlichen Anstellung oder eines adligen Patronats tätig war, und trotz einer gewissen jugendlichen Leichtfertigkeit schlug er sich letztlich gut durch. Nur Rossinis Musik war in den Konzertprogrammen Wiens noch besser vertreten als seine eigene; die meisten der großen Interpreten seiner Zeit spielten Schuberts Stücke, und er erhielt üppige Honorare. Die Winterreise selbst blieb von der Presse nicht unbeachtet - hier ein zeitgenössischer Bericht der Theaterzeitung vom 29. März 1828:

Schuberts Geist ha

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