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Wenn sie auch schlecht singen, das macht nichts! Verdi von Wagner-Trenkwitz, Christoph (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.09.2013
  • Verlag: Residenz Verlag
eBook (ePUB)
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Wenn sie auch schlecht singen, das macht nichts!

Zum 200. Geburtstag des unsterblichen Opernkomponisten. Aida, Nabucco, Rigoletto, Don Carlos, La Traviata - Giuseppe Verdis große Opern sind von zeitloser Faszination. Ihre Heldinnen und Helden dienen als Spiegel der Realität - und sind doch Ausdruck einer Wahrheit, die Verdi neu erfinden wollte. Er nutzte wie kein anderer die Leidenschaft als Handlungsmuster und schuf eine Musik, deren Emotionalität das Publikum bis heute zu fesseln vermag. Christoph Wagner-Trenkwitz beleuchtet Verdis schöpferische Entwicklung als Komponist, Librettist, Bühnenbildner - und als Politiker. Weil Verdi Geschichte nicht nur als Meister der Töne schrieb, sondern auch als Meister der Worte verzauberte, sind hier zudem seine schönsten Zitate zusammengestellt und in ihrer Wirkung kommentiert.

Christoph Wagner-Trenkwitz geboren 1962 in Wien, Studium der Musikwissenschaft, Politikwissenschaft und Romanistik. Seit 2001 TV-Kommentator des Wiener Opernballs, seit 2003 Direktionsmitglied, seit 2009 Chefdramaturg der Volksoper Wien, aber auch als Moderator, Schauspieler, Kabarettist und Autor im 'Universum Musiktheater' tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 228
    Erscheinungsdatum: 02.09.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783701743469
    Verlag: Residenz Verlag
    Größe: 3063 kBytes
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Wenn sie auch schlecht singen, das macht nichts!

DER ROHDIAMANT

Über Ernani

Anlässlich der Wiederentdeckung von Italo Montemezzis L'amore dei tre re bei den Bregenzer Festspielen 1998 fragte ein Rezensent rhetorisch, wo es in der Opernliteratur einen vergleichbaren Fall gäbe, dass gleich drei Männer dieselbe Frau begehren. Zumindest ein Beispiel für eine "Vierecksgeschichte" lässt sich anführen: Giuseppe Verdis dramma lirico Ernani , uraufgeführt am 9. März 1844. Vielerlei Untersuchungsansätze erlaubt diese Konstellation: etwa den feministischen ("dient" die Frau doch als Projektionsebene für dreierlei maskuline Fantasien, ja als "Schlachtfeld" für deren Rivalitäten) oder den nationalhistorischen (ist nicht – bei Verdi wie bei Montemezzi – in jenem bemitleidenswerten weiblichen Wesen die eine Frau Italia zu sehen, um deren Besitz gestritten wird?). Wir wählen einen dritten analytischen Pfad, der weniger die Frau als die Beziehungen zwischen den drei Männern beleuchtet. Und diese lassen sich unter dem Schlagwort vom Generationenkonflikt subsumieren.
Drei Generationen – eine Liebe

In Montemezzis Bühnenwerk verkörpert der greise, erblindete Archibaldo die alte Generation; sein Sohn Manfredo nimmt den Platz des Sohnes in den besten Jahren (die für eine junge Frau eben oftmals nicht gut genug sind) ein, und Avito jenen des nachrückenden, rebellischen Enkels. Nicht anders verhält es sich in Verdis fast 70 Jahre älterer Oper. Don Ruy Gomez de Silva ist ein betagter spanischer Grande, Don Carlo der eine Generation jüngere spanische König und Ernani der jugendliche Heißsporn, Adeliger von Herkunft und Bandit aus gekränkter Ehre. Montemezzi wie Verdi halten sich getreulich an die hergebrachte Alterscharakteristik der Stimmlagen: Archibaldo und Silva sind Bässe, Manfredo und Carlo Baritone und Avito bzw. Ernani Tenöre. Letzteren gehört selbstverständlich die Liebe der Hauptdarstellerinnen Fiora und Elvira, die – ebenso selbstverständlich – mit Sopranen besetzt sind. (Die ursprüngliche Stimmenverteilung, die Silva als Bariton, Carlo als Tenor und den "bartlosen Jüngling" Ernani als Altistin vorsah, wurde verworfen, da Verdi nicht willens war, eine Hosenrolle zu schreiben; doch auch in diesem Konzept wären die Fach- und somit Altersrelationen unverändert gewesen.)

Der das Stück prägende Konflikt herrscht zwischen den Randgenerationen, sowohl in L'amore dei tre re als auch in Ernani , dem wir uns nach voranstehenden Vergleichen nun alleinig zuwenden wollen.
Der Sieg des Großvaters

Luigi Baldacci führt in seinem Artikel "I libretti di Verdi" 4 Verdis Vorliebe für die Darstellung von Generationenkonflikten als einen Grund für des Komponisten nationale Beliebtheit an: "Der Gegensatz zwischen Vätern und Söhnen, der alles andere als eine Einladung zur Rebellion ist, spiegelt aus einem realistischen Blickwinkel jene archaischen Strukturen wider, die der italienischen Gesellschaft innewohnen, für welche die Familie letztlich der wahre, einzige Kern des Zusammenlebens war." Ein Zusammenleben, so müssen wir ergänzen, in dem die Alten die Oberhand bewahrten. So fordert Silva Ernanis Leben als Opfer, und zwar mit einem musikalischen Effekt: Er stößt in das Jagdhorn, das ihm Ernani als Pfand für sein Leben gegeben hat, wenn das Happy End schon besiegelt scheint.

Worin liegen innere Kraft und Ausstrahlung dieser Bassgestalt begründet? Ein alter Mann erstrebt die Gunst seines jugendlichen Mündels &n

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