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Wer als Meister ward geboren... Briefe und Schriften. Wagner ganz privat von Wagner, Richard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 20.02.2013
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
eBook (ePUB)
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Wer als Meister ward geboren...

Richard Wagners Einfluss auf die europäische Kulturgeschichte ist unschätzbar, sein muskalisches Genie über jeden Zweifel erhaben. Und doch polarisiert Wagner als Denker wie als Künstler bis heute. Wer sich für den Menschen hinter dem unsterblichen Werk interessiert, kommt an der Lektüre der vorliegenden Auswahl seiner Briefe nicht vorbei. Wagner zeigt sich darin als leidenschaftlicher Liebhaber und sorgender Ehemann, Egomane und reflektierter Kritiker, als problematischer politischer Denker und einflussreicher Kunstphilosoph.

Richard Wagner wurde 1813 in Leipzig geboren. 1825 schreibt Wagner erste Gedichte und nimmt Klavierunterricht.. Von 1828 bis 1830 besucht Wagner das Gymnasium in Leipzig. Gleichzeitig erhält er Unterricht in Harmonielehre durch Christian Gottlieb Müller. Kleiner Kompositionen folgen. Sein Studium der Kompositionslehre nimmt er im Jahre 1831 auf. Seine ersten Opern entstehen zwischen 1834 und 1840. Im Jahr 1839 muss Wagner mit seiner Ehefrau Minna nach Paris fliehen. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird er 1843 zum sächsischen Hofkapellmeister ernannt. In den darauffolgenden Jahren komponiert Wagner seine bekanntesten Werke. 1872 siedelt er nach Bayreuth um, wo 1876 das Festspielhaus mit der Premiere des 'Rings der Nibelungen' eröffnet wird. Am 13. Februar 1883 stirbt Wagner in Venedig an einem Herzanfall.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 20.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843803366
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 942 kBytes
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Wer als Meister ward geboren...

Ich bin jetzt mit der Ausarbeitung der ersten Hälfte meines Aktes beschäftigt. Über die leidenden Stellen komme ich immer nur mit großem Zeitaufwand hinweg; ich kann da im guten Fall in einem Zuge nur sehr wenig fertigbringen. Die frischen, lebhaften, feurigen Partien gehen dann ungleich rascher vonstatten: So lebe ich auch bei der technischen Ausführung "leidvoll und freudvoll" alles mit durch und hänge ganz vom Gegenstande ab. Dieser letzte Akt ist nun ein wahres Wechselfieber: tiefstes, unerhörtestes Leiden und Schmachten und dann unmittelbar unerhörtester Jubel und Juchzen. Weiß Gott, so ernst hat's noch keiner mit der Sache genommen, und Semper hat recht. Das hat mich auch allerneuestens wieder gegen den Parzival gestimmt. Es ging mir kürzlich nämlich wieder auf, dass dies wieder eine grundböse Arbeit werden müsse. Genau betrachtet ist Anfortas der Mittelpunkt und Hauptgegenstand. Das ist denn nun aber keine üble Geschichte das. Denken Sie um des Himmels willen, was da los ist! Mir wurde das plötzlich schrecklich klar: Es ist mein Tristan des dritten Aktes mit einer undenklichen Steigerung. Die Speerwunde, und wohl noch eine andre, im Herzen, kennt der Arme in seinen fürchterlichen Schmerzen keine andre Sehnsucht, als die zu sterben; dies höchste Labsal zu gewinnen, verlangt es ihn immer wieder nach dem Anblick des Grals, ob der ihm wenigstens die Wunden schlösse, denn alles andre ist ja unvermögend, nichts, nichts vermag zu helfen: Aber der Gral gibt ihm immer nur das eine wieder, eben dass er nicht sterben kann; gerade sein Anblick vermehrt aber nur seine Qualen, indem er ihnen noch Unsterblichkeit gibt. Der Gral ist nun, nach meiner Auffassung, die Trinkschale des Abendmahles, in welcher Joseph von Arimathia das Blut des Heilands am Kreuze auffing. Welche furchtbare Bedeutung gewinnt nun hier das Verhältnis des Anfortas zu diesem Wunderkelch; er , mit derselben Wunde behaftet, die ihm der Speer eines Nebenbuhlers in einem leidenschaftlichen Liebesabenteuer geschlagen, er muss zu seiner einzigen Labung sich nach dem Segen des Blutes sehnen, das einst aus der gleichen Speerwunde des Heilands floss, als dieser, weltentsagend, welterlösend, weltleidend am Kreuze schmachtete! Blut um Blut, Wunde um Wunde - aber hier und dort, welche Kluft zwischen diesem Blute, dieser Wunde! Ganz hingerissen, ganz Anbetung, ganz Entzückung bei der wundervollen Nähe der Schale, die im sanften, wonnigen Glanze sich rötet, gießt sich neues Leben durch ihn aus - und der Tod kann ihm nicht nahen! Er lebt, lebt von Neuem, und furchtbarer als je brennt die unselige Wunde ihm auf, seine Wunde! Die Andacht wird ihm selbst zur Qual! Wo ist Ende, wo Erlösung? Leiden der Menschheit in alle Ewigkeit fort! Wollte er im Wahnsinn der Verzweiflung sich gänzlich vom Gral abwenden, sein Auge vor ihm schließen? Er möchte es, um sterben zu können. Aber - er selbst, er ward zum Hüter des Grales bestellt; und nicht eine blinde äußere Macht bestellte ihn dazu - nein! Weil er so würdig war, weil keiner wie er tief und innig das Wunder des Grales erkannt, wie noch jetzt seine ganze Seele endlich immer wieder nach dem Anblicke drängt, der ihn in Anbetung vernichtet, himmlisches Heil mit ewiger Verdammnis gewährt!

Und so etwas soll ich noch ausführen? Und gar noch Musik dazu machen? Bedanke mich schönstens! Das kann machen, wer Lust hat; ich werde mir's bestens vom Halse halten!

Es mag das jemand machen, der es so à la Wolfram 16 ausrührt; das tut dann wenig und klingt am Ende doch nach etwas, sogar recht hübsch. Aber ich nehme solche Dinge viel zu ernst. Sehen Sie doch, wie leicht sich's dagegen schon Meister Wolfram gemacht! Dass er von dem eigentlichen Inhalte rein gar nichts verstanden, macht nichts aus. Er hängt Begebnis an Begebnis, Abenteuer an Abenteuer, gibt mit dem Gralsmotiv kuriose und seltsame Vorgänge und Bilder, tappt herum und läss

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