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Wo wir gerade von belegten Brötchen reden Die Komödie meines Lebens von Busse, Jochen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 30.11.2015
  • Verlag: Ullstein
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Wo wir gerade von belegten Brötchen reden

Grandseigneur des deutschen Kabaretts, Ikone der TV-Unterhaltung, Stammgast auf den Boulevardbühnen - Jochen Busses Weg führt quer durch die Humorlandschaft, gesäumt von großartigen Kollegen, verehrten Frauen und jeder Menge Zufälle. So abwechslungsreich wie seine Karriere, so vielgestaltig ist auch sein Leben, von dem er in diesem Buch erzählt. "Busse ist von jeher Humanist, Bonvivant - und vor allem erstaunt über das, was ihm in der Welt so alles begegnet." Frankfurter Rundschau

Jochen Busse, geboren am 28. Januar 1941 in Iserlohn, ist deutscher Schauspieler, Kabarettist und Drehbuchautor. Drei Jahre war er im Düsseldorfer Kom(m)ödchen aktiv, von 1976 bis 1991 gehörte er zum Ensemble und Autorenteam der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Ab Ende der 60er Jahre übernahm Busse auch Rollen in Film- und Fernsehproduktionen. U.a. war er Dreh- und Angelpunkt der Sketchreihe "Nur für Busse", 1994 spielte er mit in der Serie "3 Mann im Bett". Von 1996 bis 2005 moderierte er die von RTL gesendete Freitagabendshow "7 Tage, 7 Köpfe". Außerdem spielte er ab 1997 den Amtsrat Krause in der RTL-Serie "Das Amt" (über 70 Episoden). Im April 2006 wurde er Moderator der Comedy-Talkshow "Der heiße Brei" auf Sat.1. Seit 2007 tourte er mit Henning Venske und dem Programm "Legende trifft Urgestein" durch den deutschsprachigen Raum, nach 2009 tourten die beiden mit dem Bühnenprogramm "Inventur". Er wurde u.a. mit dem Bambi, dem Deutschen Kleinkunstpreis sowie zwei Mal mit dem Deutschen Comedypreis ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 30.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843711777
    Verlag: Ullstein
    Größe: 6600 kBytes
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Wo wir gerade von belegten Brötchen reden

Fümpf Fennich für ein Eis

Meine Kindheit war geprägt durch die Nachkriegszeit. In Deutschland lag noch alles in Schutt und Asche, wobei meine Stadt selbst kaum von Bomben getroffen worden war. Betroffen waren wir insofern, dass uns die Besatzungstruppen - erst die Amerikaner, dann die Engländer - insgesamt acht Mal umziehen ließen. Und wer den Schwund kennt, den allein schon ein Umzug erzeugt, weiß, wie viel wir am Ende noch besaßen ...

Ich war vier, fünf Jahre alt, fand alles ganz doll aufregend und bekam von einem Amerikaner eine Orange geschenkt, die damals noch Apfelsine hieß - und von mir dann auch mitsamt der Schale wie ein Apfel gegessen wurde.

Ich war ein glückliches Schlüsselkind, denn meine Eltern gingen immer wieder hamstern in den Dörfern des Sauerlandes. Manchmal wurde ich mitgenommen, um mit meinem verhungerten Aussehen die weibliche Landbevölkerung mildtätig zu stimmen. Verglichen mit den vielen damals in die Stadt strömenden Flüchtlingen aus Schlesien ging es uns jedoch gut - jedenfalls vom Ansehen her.

Als unterernährtes, noch nicht schulpflichtiges Kind wurde ich zum Aufpäppeln in ein Heim nach Bad Rothenfelde gegeben. Dort war ich dann vier Wochen krank - erst vor Heimweh, danach an meiner Hylusdrüse, was bewirkte, dass ich über viele Jahre anfällig blieb für Erkältungskrankheiten. Unser Kinderarzt prophezeite damals meinen Eltern: "Das wird der Junge sein Leben lang nicht wieder los." Jahrzehnte später meinte ein kompetenter Pneumologe in Köln: "Das kommt im Alter wieder." Beide sollten recht behalten. Aber wenn mich zu Lebzeiten weiter nichts plagt als ständig wiederkehrender Husten, soll es mir recht sein.

Nach der Währungsreform machten sich meine Eltern daran, ihre kleinbürgerliche Reputation und den dazugehörenden Besitzstand zu bewahren und zu mehren. Weil beide arbeiteten, schickten sie meinen Bruder und mich tagsüber in ein Kinderheim, das auch als Waisenhaus fungierte. Mein Bruder litt, ich hingegen war ja bereits vorgebildet. Meine Ganztagsbeschäftigung war Liebsein, und bald schon wurde ich von den Schwestern als Gegenleistung gut behandelt, was wahrhaftig nicht allen Kindern zuteilwurde. Genau genommen nur sehr wenigen.

Als meine Mutter schwer erkrankte, mussten mein Bruder und ich nunmehr auch im Heim schlafen. Wie viele solcher Institutionen war das städtische Kinderheim in einer hochherrschaftlichen Villa untergebracht, umgeben von einem gepflegten Park. Da bin ich später auch noch als Schuljunge manchmal hingegangen, einfach nur zum Spielen und auch, weil es dort immer ganz gut zu essen gab - nun ja, vielleicht nicht immer gut, aber dafür reichlich. Zu den Schwestern, Tante Ida und Tante Berta - in Bethel ausgebildete Diakonissinnen, die von den Amerikanern Sonderzuteilungen erhielten -, pflegten meine Eltern ein gutes Verhältnis. So kamen sie an ein bisschen Schokolade und Kekse, die ich zu Ostern 1947 in meiner vom Vater eigenhändig gebastelten Schultüte fand.

Richtig gut erinnern an ein "normales" Leben kann ich mich erst ab den Jahren 1948 / 49 . Damals bekam ich mein erstes Eis - ich schmecke es heute geradezu noch. Da kriegte das Kind für "fümpf Fennich" eine Kugel auf einer runden Pappe. Wenn das Kind die Pappe nicht richtig hielt, rutschte das Eis runter und lag im Dreck.

Seit dieser Zeit bin ich eissüchtig. Ich kann Berge davon vertilgen, und zwar in rekordverdächtigem Tempo. Wenn ich erst einmal damit anfange, höre ich so bald nicht wieder auf. Weil ich als kleiner Junge so dünn war, musste ich immer erst ein Stück Kuchen essen, bevor ich Eis durfte. Damals hatten meine Eltern noch keine Ahnung, wie viele Kalorien in so einer Portion Speiseeis stecken. Hätten sie mich doch lieber gleich Eis essen lassen - wir wären alle glücklicher gewesen.

Viel ist mir von Iserlohn nicht in Erinnerung geblieben. Es ist ja auch nicht gerade eine mus

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