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Wolfgang Amadeus Junior: Mozart Sohn sein von Laher, Ludwig (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.07.2014
  • Verlag: Haymon Verlag
eBook (ePUB)
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Wolfgang Amadeus Junior:

Selbst erklärte Musikfreunde verbinden mit dem Namen Wolfgang Amadeus Mozart ausschließlich den Vater. Dabei war auch einer der Söhne Mozarts ein bedeutender Komponist und zu seiner Zeit als Klaviervirtuose angesehen. Stets mit dem 'großen Mozart' verglichen, gab Wolfgang Amadeus junior, der nach der Geburt den Namen Franz Xaver erhalten hatte, zur Erinnerung an seinen früh verstorbenen Vater von Mutter Konstanze jedoch offiziell 'umgetauft' worden war, sowohl seine Konzerttätigkeit als auch den Versuch auf, als Komponist zu reüssieren. Er verließ Wien und wurde zum 'polnischen Mozart'. Heute kennt man seine Musik (in geringen Teilen) vor allem in Japan, dort wurden einige CDs produziert. In Europa ist W. A. Mozart Sohn so gut wie vergessen, obwohl seine Kammermusik, seine Symphonien, seine Klavierwerke und Lieder von hoher Qualität und stilistisch alles andere als epigonal sind. Ludwig Laher, geboren 1955 in Linz, studierte Germanistik, Anglistik und Klassische Philologie in Salzburg, Dr. phil.; lebt in St. Pantaleon (Oberösterreich). Er schreibt Prosa, Lyrik, Essays, Hörspiele, Drehbücher und Übersetzungen; dazu kommen wissenschaftliche Arbeiten. Mehrere Bücher, bei Haymon: Selbstakt vor der Staffelei. Erzählung (1998), Wolfgang Amadeus junior: Mozart Sohn sein. Roman (1999), Herzfleischentartung. Roman (2001), So also ist das / So That's What It's Like. Zweisprachige Anthologie (2002), Aufgeklappt. Roman (2003), Folgen. Roman (2005), Und nehmen was kommt. Roman (2007). Ixbeliebige Wahr-Zeichen? Über Schriftsteller-'Hausorthographien' und amtliche Regel-Werke (Studienverlag, 2008). Zuletzt: Einleben. Roman (2009) und Verfahren. Roman (2011, Longlist des Deutschen Buchpreises 2011). http://www.ludwig-laher.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 02.07.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709976982
    Verlag: Haymon Verlag
    Größe: 1370 kBytes
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Wolfgang Amadeus Junior:

Jedenfalls habe ich mein Mozartbuch niemals als
Biographie empfunden, denn die Absätze bezeichnen
weniger die Entwicklung des Themas als die verschiedenen
Sichten auf ein nicht erschöpfbares Phänomen .

Wolfgang Hildesheimer

Vielleicht ist Wolfgang Amadeus Mozart auch noch nicht ganz tot, als sein Schüler am Abend gegen neun den vergilbten Körper mühselig aus dem Bett zerrt und vorsichtig auf den Fußboden legt. Viel steht auf dem Spiel für den jungen Mann. Trifft der Wundarzt oder gar jemand vom Hotelpersonal den verstorbenen Komponisten im Bett an, muß es bezahlt werden. Streng sind die Bräuche, und Ernst Pauer hat nicht genug Geld.

Ein paar Monate früher fühlt sich der großherzoglich badische Münzmeister bemüßigt, zur Ehre des Vaters eine Medaille zu schaffen. Für ihren Erhalt bedankt sich der Sohn artig. Darin hat er Routine, seit Jahren schon wendet er einen Gutteil seiner Zeit auf, Auskünfte über den Vater zu erteilen und sich für allerlei Biedermeiermozartramsch zu bedanken. Auf der Devotionalie prangt, wenig überraschend, Mozarts Porträt. Ueber die Aehnlichkeit, kann ich leider aus eigener Erfahrung nicht urtheilen, da ich bey meines Vaters Tode, noch nicht fünf Monate zählte, glaube aber nach den vorhandenen Kupferstichen, daß Sie dieselbe ganz richtig aufgefaßt haben .

Hartnäckig hält sich das Gerücht, der Kleine sei gar kein echter Mozart. Musikhistoriker und Schriftsteller vergleichen akribisch die Daten der väterlichen Reisen mit dem Geburtsdatum des Sohnes, rechnen zurück und wollen sich nicht abfinden damit, daß ein Baby zuweilen auch schon nach achteinhalb Monaten da sein kann. Franz Xaver heißt das Kind zu allem Überfluß am Anfang, ein Dutzendname damals, aber ein solcher Franz Xaver geht bei Mozarts als Hausfreund aus und ein. Die umtriebigen Amateurkriminalisten sind Wolfgang und Konstanze dankbar für den Wink mit dem Zaunpfahl im Taufbuch.

Im böhmischen Karlovy Vary wird kurz vor 2000 der junge Mozart wieder einmal umgebettet. Er soll zurück, fast an die Stelle, wo er ursprünglich gelegen ist, in seinen Park. Diesmal sind neugierige Forscher mit von der Partie, um die günstige Gelegenheit beim Schopf zu packen. Es herrscht gespannte Erwartung, die Wissenschaftler sind auf echte Mozartknochen scharf. Ein allerletztes Mal soll der Sohn mit dem Vater verglichen werden, diesmal genetisch. Im fernen Salzburg liegt nämlich unter der Glasglocke seit urdenklichen Zeiten ein Schädel herum, von dem heißt es in Abständen, er sei der auf allen Mozartkugeln abgebildete. Computertomographische, forensische wie anatomische Untersuchungsreihen indes haben keinen wirklich stichhaltigen Beweis für seine Authentizität geliefert. Das schmerzt. Die österreichischen Forscher im ehemaligen Karlsbad klammern sich nun daran, daß sein Sohn tatsächlich sein Sohn ist. Und daß was übrig geblieben ist von ihm, freilich nur zum Zweck, den mutmaßlichen Vaterkopf endlich dingfest zu machen. Fehlanzeige. Ein paar Schaufeln Erde wandern symbolisch mit dem Grabmal an den neuen alten Ort, von Wolfgang junior selbst findet sich keine Spur mehr. Den ewigen Vergleichen dürfte er sich körperlich endgültig entzogen haben.

Der Vater, ein manischer Sprachspieler, nennt ihn Wowi, aber nicht oft. Vier Monate hat er noch zu leben nach der Geburt des Kindes, und die sind wie gewöhnlich ausgefüllt. Nach einer langen Durststrecke geht es endlich wieder aufwärts. Er arbeitet an der Zauberflöte, schließt sie noch im Sommer ab. Kaiser Leopold der Zweite wird in Prag zum böhmischen König gekrönt werden, Mozart komponiert dafür den Titus und soll ihn auch selbst dirigieren. Konstanze reist ihm nach und läßt den Säugling in Wien zurück, kommt heim, fährt sofort nach Baden zur Kur. Die Schulden sind zwar noch lange nicht getilgt, aber die Einnahmen scheinen vorläufig gesichert. Die Auftragsbücher

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