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Interpretation Vom Text zum Klang von Mantel, Gerhard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2015
  • Verlag: Schott Music
eBook (ePUB)
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Interpretation

Gerhard Mantel geht in diesem Buch der Frage nach, über welche Mittel und Werkzeuge ein Interpret verfügen sollte, um einen Notentext zu dem vom Komponisten intendierten geistig-emotionalen Erlebnis zu machen. Im gedruckten Werk ist die 'eigentliche Musik' bekanntlich noch nicht vorhanden. Welches aber sind die ästhetischen und gestalterischen Kriterien dafür, wie der Interpret mit dem Notentext umgehen kann oder muss, um ihn zu interpretieren und dem Hörer zu erklären? Die Klangvorstellung, die innere Vorwegnahme der musikalischen Wirkung, ist eine entscheidende Voraussetzung für eine Interpretation. Darüber hinaus ist es aber wichtig zu wissen, worauf diese Wirkung beruht und wie sie erzielt werden kann. Auf der Basis jahrzehntelanger Konzert- und Unterrichtserfahrung führt der Autor den Leser zu einer Einheit von Wissen, Planung, Intuition und Emotion und damit zu einer 'Interpretationstechnik', die für eine gelungene Interpretation unverzichtbar und in jeweils ganz persönlicher Form von jedem Musiker erreichbar ist.

Gerhard Mantel wurde 1930 in Karlsruhe geboren. Seine musikalische Ausbildung als Cellist erhielt er bei Professor August Eichhorn in Heidelberg. Später setzte er seine Studien in Paris bei Pierre Fournier, Paul Tortelier und André Navarra sowie bei Pablo Casals und Maurice Gendron fort. Bereits mit 21 Jahren wurde Gerhard Mantel Solocellist in Bergen (Norwegen), zwei Jahre später wurde er Solocellist beim WDR Symphonieorchester in Köln. Neben unzähligen Konzerten in aller Welt wirkte bei er bei mehr als 100 Hörfunk- und Fernsehproduktionen sowie zahlreichen Schallplattenaufnahmen mit. Professor Gerhard Mantel unterrichtet an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt am Main und erteilt Meisterkurse im In- und Ausland. Zudem ist er Ehrenpräsident der Deutschen Sektion der ESTA (European String Teachers' Association). Darüber hinaus gründete und leitet er das 'Forschungsinstitut für Instrumental- und Gesangspädagogik e.V.'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 264
    Erscheinungsdatum: 18.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783795786526
    Verlag: Schott Music
    Größe: 1377 kBytes
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Interpretation

I. Intuition

1. Begabung

Bei der Beurteilung von künstlerischen Leistungen, sei es in Wettbewerben, Konzerten oder Prüfungen, bei "Jugend Musiziert" oder im familiären Bereich, fällt früher oder später unweigerlich der Begriff der Begabung. So schwierig es ist, diesen Begriff überhaupt zu definieren - er wird oft in dem Sinne verwendet, dass jemand ohne nachzudenken, intuitiv schnell und anscheinend mühelos etwas erreicht, das einem anderen gar nicht oder nur mit großer Anstrengung gelingt. Begabung wird auch häufig als eine genetisch bedingte Eigenschaft verstanden.

Eines der unbestrittenen Ergebnisse der Begabungsforschung ist sicher dieses, dass Begabung sich aus einer Reihe von sehr verschiedenen Eigenschaften zusammensetzt. Fest steht auch, dass manche dieser Eigenschaften bei Musikern gar keine speziell musikalischen Eigenschaften sind. Z.B. geht es da um Neugier, Geduld, Zähigkeit und Hartnäckigkeit beim Verfolgen von Zielen, Ehrgeiz, sogar eine Portion Wille zur Selbstdarstellung kann hier eine Rolle spielen.

Oft wird mit dem Begriff Begabung die Vorstellung verbunden, dass der Erfolg sich mit wenig Anstrengung und wenig Bewusstheit, sozusagen als "Geschenk" einstellt. Der Begabte handelt unbewusst richtig, nach Gesetzen, die er nicht zu kennen braucht. Als beliebtes Beispiel wird gern eine Parallele zum Spracherwerb gezogen: Jedes Kind lernt "automatisch" seine Muttersprache mit allen Regeln dieser Sprache, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein, ohne diese Regeln definieren zu können.

Wie verhält es sich aber mit einer ganz anderen Erfahrung, die sich in dem Goethe-Wort "Genie ist Fleiß" niederschlägt? Eine ähnliche Einschätzung finden wir auch in den eingangs zitierten Zeilen Goethes. Die Bewertung einer Begabung wird im Allgemeinen dann besonders positiv ausfallen, wenn möglichst wenig anstrengende "Kopfarbeit" dahinter steckt, wofür in Musikerkreisen der Begriff des "Verkopften" kursiert. Man könnte also daraus folgern: Je weniger einer denkt, desto besser spielt er.

So kommt es, dass sich mancher angehende Musiker die bange Frage stellt, wie begabt er eigentlich ist und ob er an seiner - als vollkommen unveränderlich eingestuften - Begabung irgendetwas ändern, verbessern könnte.

Wenn Begabung als eine genetische Grundausstattung verstanden wird, die ja zweifellos jeder Mensch in sich trägt, dann ist eine solche Fragestellung sinnlos. Man kann ja auch sein Geburtsdatum, die Körpergröße, die Eltern und die angeborene Augenfarbe nicht ändern. Leitet man aber den Begriff "Begabung" vom Verb "begaben" (= mit etwas ausstatten, versehen) ab, dann ergibt sich ein Spielraum, innerhalb dessen man sich bis zu einem gewissen Grad selbst begaben oder begaben lassen kann.

Es stimmt, dass es immer wieder Menschen gegeben hat und gibt, die aus einer intuitiven Veranlagung heraus ästhetische Zusammenhänge erfassen und realisieren können. Es gibt Wunderkinder, die mit einem überdurchschnittlich guten Gefühl für ihr Instrument ausgestattet sind, mit einer körperlichen Beweglichkeit und mit einer Fähigkeit ihre musikalischen Vorstellungen umzusetzen, die man tatsächlich nur bewundern kann. Wir dürfen auch nicht vergessen, dass Wunderkinder in einer Phase ihres Lebens gefördert werden, in der rein biologische Reifungsprozesse und musikalische Lernprozesse noch aufs Engste miteinander verschmolzen sind. Diese Menschen stellen aber einen winzigen Prozentsatz all jener dar, die Musik zu ihrer Lebensgrundlage machen wollen - eine Handvoll Ausnahmeerscheinungen unter Hunderten und Tausenden von Musikstudenten, die eben keine Wunderkinder sind.

Offensichtlich gibt es unbewusst gelernte Verhaltensweisen, die bei manchen Menschen für das Beherrschen eines Instruments weitgehend ausreichen. So kommt es, dass Musiker mit beschränkter Fähigkeit zu "intellektueller" Begriffsbildung trotzdem intelligent Musik machen können, dass Streicher "sauber" spielen könn

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