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Musik und Erinnern Festschrift für Cornelia Szabó-Knotik

  • Erscheinungsdatum: 07.01.2015
  • Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
eBook (PDF)
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Musik und Erinnern

Musikalische 'Erinnerungsorte' stellen die verbindende Klammer für sehr unterschiedliche Annäherungen an ein weites Themenfeld dar, welches von der Musikwissenschaftlerin Cornelia Szabó-Knotik in zahlreichen Fachpublikationen untersucht wurde. In Würdigung ihrer Leistungen im Sinne einer Ausweitung musikwissenschaftlicher Forschungszugänge behandeln die Beiträge sowohl musikgeschichtliche Fragestellungen im engeren Sinne, als auch die Rolle von Medien und Geschichtskonstruktionen in unterschiedlichen Kontexten.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 07.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783990121764
    Verlag: Hollitzer Wissenschaftsverlag
    Größe: 4636 kBytes
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Musik und Erinnern

M ATEJ S ANTI

WAGNER IN TRIEST. EINE TRANSLATORISCHE PERSPEKTIVE

EINLEITUNG

1975 erschien in Triest eine kurze Publikation mit dem Titel Trieste città musicalissima 1 . Der Autor, der Geiger Cesare Barison (1885-1974), widmete sich in der Schrift einer synthetischen Darstellung des Triester musikalischen Lebens des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, als die Stadt noch unter der Krone der Habsburger war.

Viel mehr als der Inhalt der Schrift selbst ist hier die Überschrift des kleinformatigen Buches ins Zentrum des Interesses zu rücken. Das in der Überschrift enthaltene Epitheton musicalissima weist nämlich eine kaum übersehbare Assonanz zum Adjektiv italianissima auf. Dieses Adjektiv wurde in das Motto " Trieste italianissima " 2 integriert, das seitens italienischer nationalistischer Kräfte nach dem Zerfall der Monarchie aus dem Titel " urbs fidelissima " 3 abgeleitet wurde. Somit suggeriert unterschwellig bereits der Titel der Publikation Barisons die Assoziation zweier Begriffe, die ohnehin als Paar auf eine lange Stereotyp-Tradition zurückblicken können: Die italianità wurde seit jeher mit musicalità in Verbindung gesetzt. Die Stadt Triest wird so nicht nur durch den Superlativ musicalissima als Musik-Stadt dargestellt, sondern auch als Stadt italienischer musikalischer Kultur codiert.

Als zentrale Referenzfigur wurde in den nationalistischen Diskurs Giuseppe Verdi miteinbezogen: Dem cantore del Risorgimento wurde bereits 1901, wenige Tage nach seinem Tode, das städtische Theater gewidmet. 4 Seine Figur und die Aufführungen seiner Werke wurden ab diesem Zeitpunkt einer Mythopoiesis unterworfen, durch die Triest als Teil des italienischen Nationalstaates stilisiert worden ist.

Dennoch drang in den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts auch das Werk Richard Wagners in den italienischsprachigen Kulturraum ein. Dem Streit zwischen italienischer und deutscher Oper zum Trotz wusste die Wagner'sche Ästhetik das italienische Publikum anzuziehen: Zuerst machten Transkriptionen seiner Werke seitens Instrumentalvirtuosen - vor allem Pianisten - auf ihn aufmerksam; es folgten Aufführungen seiner Opern, die sowohl in der italienischen Übersetzung als auch in der originalen deutschen Fassung präsentiert wurden. 5

Zum ersten Mal wurde Lohengrin in Bologna 1871 aufgeführt und kurz danach in Florenz, dennoch beide Male mit mäßigem Erfolg. 1873 wurde Lohengrin in der Mailänder Scala präsentiert; die Kritik seitens des Publikums war vernichtend. Eine der ersten Städte, in der das Wagner'sche Werk in der italienischen Übersetzung eindeutige Erfolge feierte, war die multikulturelle Hafenstadt Triest. 6

Angesichts der politischen Rezeption Verdis und des Umstandes, dass sich Triest als Hafenstadt der Habsburgermonarchie an der Grenze zwischen italienischen, slawischen und deutschen kulturellen Räumen befand, stellt sich die Frage der Rezeption bzw. der verschiedenen Rezeptionen, denen das Werk Wagners unterworfen worden war.

Als interessantes hermeneutisches Werkzeug erweist sich für dieses Unternehmen das Konzept der Translation, das im gegenwärtigen Diskurs innerhalb der Kulturwissenschaften an Relevanz gewonnen hat. Wenn sich ursprünglich das Konzept auf die " Übersetzung von und zwischen den Kulturen " 7 konzentriert, um mithilfe von Thematisierung des Übersetzungsprozesses selbst auf bis dato verborgene Einsichten zu kommen, wird hier das Konzept auf die musikalische Praxis des 19. und 20. Jahrhunderts übertragen; das Motto Kultur als Übersetzung wird in Musik als Übersetzung paraphrasiert. Als Übersetzung kann nämlich auch die Rezeption eines Werkes betrachtet werden, die sich in einem spezifischen sozialen bzw. politischen

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