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Eine Alte Dame Ging Hering Der zweite Büb Klütsch-Roman von Schwab, Rich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2016
  • Verlag: FUEGO
eBook (ePUB)
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Eine Alte Dame Ging Hering

Büb Klütsch ist Schlagzeuger. Rock'n'Roll-Schlagzeuger, aus Leidenschaft. Mindestens genau so gerne hängt er an Theken rum und trinkt Bier. Damit er sich beides leisten kann, steht er auch des öfteren hinter dem Tresen. Ein zwar buntes, aber im Grunde doch recht geruhsames Leben - würde er nicht immer wieder in irgendwelche dubiosen Abenteuer verwickelt. Im hier vorliegenden zweiten Band zieht es Büb an die Côte d'Azur, wo er als Straßenmusiker einen tollen Sommer zu erleben hofft. Das tut er dann auch - wären da nicht die Straßenmusikerkonkurrenz, lästige Millionenerben, die Unterwelt von St.Tropez - und die von Köln, deren Machenschaften bis ans schöne Mittelmeer reichen ... "... schärfer als die Songs von Tom Waits!", sagte Deutschlandfunk-Literaturredakteur Hajo Steinert zu "Eine Alte Dame Ging Hering". Rich Schwab, Musiker und Autor. Buchkürzer. Gelegenheitslektor. Kölner, Jahrgang 1949. Lebt mit der angetrauten Düsseldorferin auf neutralem, sehr ländlichem Gebiet am Niederrhein. Vorsichtshalber mit Hund. Rentner seit 2015. Kein Grund, hinterm Ofen zu sitzen und die Hände in den Schoß zu legen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 15.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862871889
    Verlag: FUEGO
    Größe: 2243 kBytes
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Eine Alte Dame Ging Hering

Prolog

Ach du Scheiße - jetzt lassen sie schon Gorillas diese Dinger fahren! Kein Wunder, dass so viel passiert! fuhr es mir durch den Kopf, als die Beifahrertür endlich aufschwang. Aber der Gorilla grinste das Grinsen eines kleinen Jungen, der gerade auf dem Schlafzimmerschrank die Schüssel mit den Marzipankartoffeln entdeckt und geräubert hat.

"Na los! Rein mit dir, Pilger!" Dabei ließ er den Tankwagen schon anrollen. Seine Augen machten mir ein bisschen Sorgen - die sahen unter den dichten, fast zusammenwachsenden Brauen eher so aus, als hätte er zwischen dem restlichen Marzipan ein paar Spinnen und Regenwürmer verbuddelt. Aber wer weiß, wann ich hier wieder weggekommen wäre - Pforzheim! -, also schwang ich mich hoch auf den Beifahrersitz und zog mit Mühe die schwere Tür hinter mir zu.

"So'n bisschen Gesellschaft kann nix schaden, wa'?" schrie er und knallte mir seine behaarte Pranke auf die Schulter, dass ich eine Delle in den Sitz drückte. Laut Jingle Bells brummend hängte er den Sechsunddreißigtonner hinter einen Reisebus.

Es war Heiligabend, wir schrieben das Jahr '79, ich hatte kein Gepäck, vielleicht noch zweihundert Ocken in der Tasche und ein gebrochenes Herz. Ein Jahr München hatte mich ziemlich geschafft, und ich wollte nur noch eins: Heim 'noh Kölle .

"Die denken, man wär' ganz alleine, wa'? Meinen, deswegen könnten sie einen fertigmachen, wa'?" Ich zuckte mit den Schultern. Er beugte sich zu mir rüber und brannte seinen Blick in meinen, als wollte er sich bis in die Tiefe meiner Seele durchfräsen. "Hostien! Hostien und Schläge! Und dann: Tabletten und Schläge! Und dann: Spritzen und Schläge!!" Der Tankwagen schlitterte zwischen Standspur und Mittelstreifen hin und her. Er achtete nicht darauf. "Und kalte Duschen! Ha ha! Die werden heut' nacht noch um kalte Duschen beten! Um eine Sintflut von kalten Duschen! Ha ha!"

Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass uns nur noch knapp drei Meter von dem Reisebus trennten. Ohne auch nur einen Blick in den Rückspiegel scherte er aus und fing auf der Überholspur an zu singen. Was heißt singen - ein zorniges Summen, immer lauter und zorniger werdend wie ein aufgescheuchter Wespenschwarm. Aber er intonierte gut - ich konnte ohne Mühe die Melodie von Macht hoch die Tür erkennen.

"Wieso trägst du als Tankwagenfahrer eigentlich 'ne Stuttgarter Straßenbahneruniform?" fragte ich ihn beiläufig. Er fuhr mit finsterer Miene zu mir herum, überrascht, dass plötzlich jemand neben ihm saß. Dann ein listiges Zwinkern.

"Ich bin denen abgehauen", kicherte er triumphierend, "und dann mit der Straßenbahn bis zur Endstation." Sein Gesicht verdunkelte sich wieder. "Der Fahrer war einer von denen. Und ich brauchte was zum Anziehen." Er ließ das Lenkrad los und breitete die Arme aus. "Und so einer frieret, denn teilet euer Gewand mit ihm! Auf dass das Himmelreich -" Er brach ab und in ein schallendes Gelächter aus. "Tankwagenfahrer! Ho ho!" Wieder knallte die Pranke auf meine halbtaube Schulter. "Ein Tankwagen -", wieder das verschmitzte Kleinjungengrinsen, "kam mir gerade recht. Genau richtig für mein Zeichen!" Und wieder breitete er seine Gorillaarme aus und reckte stolz den Kopf. "Ja! Ich werde ein Zeichen setzen! Ein flammendes Zeichen wird die Heilige Nacht erhellen wie der brennende Dornbusch! Und die werden zu Asche vergehen - hinweg mit ihnen! Und Gott wird das Zeichen sehen und sagen: Seht! Dies ist mein Sohn! Und an ihm habe ich mein Wohlgefallen!" Er sah mich mit erwartungsvoll leuchtenden Messdieneraugen an.

"Was hast du vor?" fragte ich und bemühte mich, Ehrfurcht in meine Stimme zu legen.

"In ihren Dom werde ich fahren! Mit diesem Flammenross werde ich in ihren hochmütigen, gotteslästerlichen Kölner Dom einfallen! Und sie werden alle da sein und ihre verlogene Christmette halten! Verlogen und vollgefressen und betrunken

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