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Perlen vor die Schweine Der dritte Büb Klütsch-Roman von Schwab, Rich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.04.2016
  • Verlag: FUEGO
eBook (ePUB)
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Perlen vor die Schweine

Eher nebenbei fällt im Prolog des zweiten Büb-Klütsch-Romans "Eine Alte Dame Ging Hering" dieser Satz über Kathrinchen, eine alte Freundin Bübs: "Wir konnten alle drei noch nicht wissen, dass dies ihr letzter Sommer sein würde ...' 'Ja, wie?', beschwerten sich daraufhin etliche Leser, die Kathrinchen schon in Band Eins, "Nie wieder Apfelkorn", ins Herz geschlossen hatten. 'Was ist denn mit der passiert?!?' Aufklärung tat not. Um das Geheimnis um Kathrinchens Tod zu lüften, gibt es nun, nur wegen dieses einen unbedachten Satzes, stattdessen als Band Drei "Perlen vor die Schweine", dessen Handlung zum Jahreswechsel 1980/81 spielt. Büb glaubt nicht, wie Polizei und Staatsanwaltschaft, an einen Drogenunfall oder gar Selbstmord Kathrinchens - er ist sicher, dass sie ermordet wurde. Nur, warum und von wem? Zwischen Studioterminen und Auftritten macht Rockschlagzeuger Büb sich auf, um Antworten zu finden. Die Suche führt ihn durch etliche Kneipen und die Halb- bis Unterwelt im Kölner Friesenviertel und durch Junkie-Absteigen bis an die Küste Hollands - und die Lösung des Falls überrascht nicht nur ihn ... und macht nicht mal ihn selbst glücklich ... Rich Schwab, Musiker und Autor. Buchkürzer. Gelegenheitslektor. Kölner, Jahrgang 1949. Lebt mit der angetrauten Düsseldorferin auf neutralem, sehr ländlichem Gebiet am Niederrhein. Vorsichtshalber mit Hund. Rentner seit 2015. Kein Grund, hinterm Ofen zu sitzen und die Hände in den Schoß zu legen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 206
    Erscheinungsdatum: 15.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783862871896
    Verlag: FUEGO
    Größe: 2164 kBytes
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Perlen vor die Schweine

4

Rabotti

Mann, hatte ich eine Woche hinter mir! Beim Pinkeln wäre ich fast vornüber gekippt. Meine Zunge schmeckte, als hätte ich die halbe Nacht am Abflussrohr eines Brauhauses geleckt. Und wahrscheinlich auch an dem bröckligen Mörtel drum herum - mein Gaumen war trocken wie Tante Friedas Sandkuchen. Nach einem ordentlichen Schwall kaltem Wasser fühlte es sich ein bisschen besser an, aber an dem Geschmack änderte das auch nichts.

Ich beguckte mir ein Weilchen das Gesicht in meinem Spiegel. Wir sahen aus wie ein und derselbe Typ, aber das waren wir auf keinen Fall. Beschlossen wir eben Kumpels zu werden und putzten uns gemeinsam die Zähne.

Was für 'ne beschissene Woche! , knurrte er blubbernd und schüttelte angeekelt den Kopf.

Autsch! Nich' so heftig! , erwiderte ich mit Schaum vorm Mund. Musste ihm freilich recht geben und versuchte, die letzten Tage zu rekapitulieren. Einfach kapitulieren, ohne Kontra, ohne Re, wär' auch nich' schlecht, dachte ich. Einfach wieder in die Kiste hauen, Decke über'n Kopp, Augen und Ohren zu, und warten, bis mehr als nur sechzig Prozent von einem meinen, wieder in die Gänge kommen zu müssen, es wagen zu können, sich der gierig quengelnden Welt da draußen zu stellen.

Wider besseres Wissen - war ja nicht der erste Versuch gewesen -, aber eben auch, weil ich, pleite wie lange nicht mehr, kaum eine Wahl hatte, war ich vorletztes Wochenende mit einer Snare, einem Bündel Knüppel und einem Satz eigener Becken im Gepäck nach Hinderup gereist - nach drei Stunden Zugfahrt Umsteigen in Osnabrück, eine halbe Stunde Bummelzug, in Espelkamp fast eine Stunde Warten auf einen Überlandbus, der mich nach einer weiteren halben Stunde in Brödershof hatte stehen lassen, von wo ich dann aus einer Telefonzelle Bescheid geben konnte, damit mich jemand abholen käme.

Ich war's ja nun wirklich gewohnt, über Land zu gurken, vor allem in Gefährten, die stinken, schaukeln und nicht gerade flott vorankommen, und auch auf dieser Fahrt hätte man schön seinen alten Ross McDonald lesen und sich mit Lew Archer amüsieren können, zwischendurch vielleicht ein bisschen Leute und Landschaft gucken - immerhin war die Deutsche Märchenstraße nicht weit - oder einfach nur vor sich hin dösen und über das komische Leben meditieren ...

Aber apropos Leute und komisches Leben - oder auch umgekehrt - leider stand da auf dem, was in Espelkamp als Marktplatz durchging, an der Bushaltestelle dieser Freak. Rabotti hatte ihm eine fürsorgliche Freundin in fettem Knatschrosa auf eine dunkelblaue Wollmütze gestickt. Karottenhosen an spindeldürren Beinen, aber schwere Malocherstiefel, ungefähr drei T-Shirts übereinander, das oberste eins von, ausgerechnet, Grobschnitt, und eine verwaschen grüne bayrische Trachtenjacke, von oben bis unten vollgepappt mit bunten Buttons à la Ich war bei Pink Pop!, Rock gegen Rechts, Legalize It! und so weiter. Das Beste war noch Atomkraft? Nein danke! , woraus jemand mit lila Filzstift Schwerkraft? Nein danke! gemacht hatte. Zwischen den Stiefeln klemmte eine verschlissene braune Aktentasche.

"Ey - ich kenn' dich irgendwo her, Ollen", sprach er mich an. Es gibt so Typen, da weißt du gleich, wenn du auch nur "Tach" sagst, hast du sie an der Backe. Also guckte ich bloß und zuckte mit einer Schulter. "Echt, ey! Ich hab' dich iiir-gend-wo ..."

Er zog ein Päckchen Drum aus einer Jackentasche. Diese Typen rauchen immer Drum . "'ne Kippe, Ollen?" Ich holte ein Päckchen von meinem eigenen Vorrat raus, hielt es hoch und schüttelte bedauernd den Kopf. Fehler . "Ey, wow! Is' dat denn? Türkenkost , ha ha! Kann ich ma' probier'n, ey?"

Diese Typen wollen immer probieren. Ich öffnete die Packung und hielt sie ihm unter die Nase. Innerlich soufflierte ich ihm seinen nächsten Satz - Oh,

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