text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Angst vor der Wahrheit Ein Plädoyer gegen Relativismus und Konstruktivismus von Boghossian, Paul A. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.08.2013
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Angst vor der Wahrheit

Relativistische und konstruktivistische Wahrheits- und Erkenntnistheorien haben weite Teile der akademischen Welt erobert. Paul Boghossian diagnostiziert eine "Angst vor der Wahrheit", überprüft diese Sichtweisen und macht ihre fundamentalen Schwächen sichtbar. Dabei konzentriert er sich auf drei verschiedene Lesarten der Behauptung, Erkenntnis sei nur sozial konstruiert und Wahrheit lediglich relativ, und widerlegt sie allesamt. Demgegenüber plädiert er dafür, dass wir unserem gesunden Menschenverstand folgen sollten: Die Welt ist, wie sie ist, unabhängig von unseren Meinungen über sie. Warum objektive Erkenntnis möglich ist und eine Wahrheit jenseits sozialer oder kultureller Perspektiven existiert, zeigt Boghossian in diesem brillanten Buch.

Paul Boghossian ist seit 1994 Professor für Philosophie an der New York University und Direktor des New York Institute for Philosophy.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 164
    Erscheinungsdatum: 19.08.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518735022
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Fear of Knowledge. Against Relativism and Constructivism
    Größe: 1146 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Angst vor der Wahrheit

9 1. Einleitung

Gleichwertigkeit

Am 22. Oktober 1996 druckte die New York Times eine ungewöhnliche Titelgeschichte. Unter dem Titel "Indianische Kreationisten bremsen Archäologen aus" beschrieb sie einen Konflikt, der sich zwischen zwei Auffassungen über die Herkunft amerikanischer Ureinwohner ergab. Nach der umfassend bestätigten archäologischen Lehrmeinung kamen die ersten Menschen über Asien nach Amerika, als sie vor ungefähr 10 000 Jahren die Beringstraße überquerten. Im Gegensatz dazu besagen einige Schöpfungsmythen amerikanischer Ureinwohner, dass die indigenen Völker auf dem amerikanischen Doppelkontinent leben, seit ihre Vorfahren aus einer unterirdischen Geisterwelt an die Erdoberfläche gestiegen sind. In den Worten von Sebastian LeBeau, einem Vertreter der Cheyenne River Sioux, eines Stamms der Lakota, ansässig in Eagle Butte, South Dakota:

Wir wissen, woher wir kommen. Wir sind die Nachfahren der Büffelleute. Sie kamen aus dem Inneren der Erde, nachdem übernatürliche Geister diese Welt für die Menschheit vorbereitet hatten. Wenn Nichtindianer glauben wollen, sie stammten von einem Affen ab, sei's drum. Mir sind noch keine fünf Lakotas begegnet, die an die Wissenschaft und die Evolution glauben.

Die Times merkte an, dass viele Archäologen, hin und her gerissen zwischen ihrer Verpflichtung auf wissenschaftliche Methoden und ihrer Wertschätzung der indigenen Kultur, "in die Nähe eines postmodernen Relativismus gerieten, in dem die Wissenschaft nur ein weiteres Meinungssystem darstellt". Roger Anyon, ein britischer Archäologe, der für die Zuñ;i arbeitete, wurde folgendermaßen zitiert:

Die Wissenschaft ist nur eine von vielen Weisen, die Welt zu verstehen. [Das Weltbild der Zuñ;i] hat den gleichen Wert wie die archäologische Sichtweise der Prähistorie.

Ein weiterer Archäologe, Dr. Larry Zimmerman von der Universität Iowa, wurde zitiert mit einem Appell für eine

10 andere Art von Wissenschaft, zwischen den Grenzen westlichen und indianischen Wissens.

Dr. Zimmerman fügte hinzu:

Ich persönlich lehne es ab, die Wissenschaft als ein privilegiertes Weltverständnis zu betrachten.

So faszinierend diese Bemerkungen auch sind, sie wären nur von beiläufigem Interesse, gäbe es nicht den enormen Einfluss der allgemeinen philosophischen Haltung, für die sie stehen. Besonders innerhalb der Fachwelt, aber zu einem unvermeidlichen Teil auch außerhalb von ihr, hat die Idee tiefe Wurzeln geschlagen, dass die Wissenschaft nur eine von "vielen gleichwertigen Weisen ist, die Welt zu verstehen". In großen Teilen der Geistes- und Sozialwissenschaften hat diese Art des "postmodernen Relativismus" von Wissensansprüchen den Status einer Orthodoxie erlangt. Ich bezeichne sie (so neutral wie möglich) als

Gleichwertigkeitsdoktrin :

Es gibt viele grundverschiedene Weisen, die Welt zu verstehen, die aber von "gleichem Wert" sind und unter denen die Wissenschaft nur eine ist.

Hier sind einige repräsentative Beispiele von Wissenschaftlern, die der Gleichwertigkeitsdoktrin grundsätzlich beipflichten:

Wenn wir den konventionellen und artefaktischen Status unserer Wissensformen erkennen, versetzen wir uns selbst in die Lage, zu bemerken, dass wir selbst und nicht die Wirklichkeit verantwortlich sind für das, was wir wissen. [1]

Die Wissenschaft der Ersten Welt ist eine unter vielen. [2]

Für den Relativisten ist mit der Idee kein Sinn verbunden, dass es einige wirklich rationale Standards oder Meinungen gibt im Gegensatz zu nur 11 lokal akz

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen