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Denken und Selbstsein Vorlesungen über Subjektivität von Henrich, Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2016
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Denken und Selbstsein

Menschen haben ihr Leben aus dem Wissen von sich zu führen. Dieses Selbstbewußtsein im elementaren Sinne läßt sich auf keine andere Tatsache zurückführen. In ihm sind aber zahlreiche intelligente Leistungen wie in einem Zentralpunkt miteinander verflochten. Darum kann die Philosophie aus dem Selbstverhältnis eine Perspektive auf viele ihrer Grundprobleme gewinnen, wie Dieter Henrich in seinen Weimarer Vorlesungen deutlich macht. Im Selbstbewußtsein ist ein gegenläufiger Ausgriff einerseits auf Konzeptionen der Welt und andererseits auf eine Selbstinterpretation angelegt. Von dieser Grundlegung aus werden eine Begründung der Ethik sowie eine Verständigung über Subjektivität und Freiheit entwickelt. Geboren am 5. Januar 1927 in Marburg, studierte Dieter Henrich von 1946 bis 1950 in Marburg, Frankfurt und Heidelberg (u.a. bei Hans-Georg Gadamer) Philosophie. 1950 Dissertation: Die Grundlagen der Wissenschaftslehre Max Webers . Nach der Habilitation 1955/56 Lehrtätigkeiten als ordentlicher Professor in Berlin (ab 1960) und Heidelberg (ab 1965), Gastprofessuren in den USA ( Harvard, Columbia, University of Michigan, Yale); 1981 Berufung an die Ludwig-Maximilians-Universität in München, Ordinarius für Philosophie bis zur Emeritierung 1994. Seit 1997 Honorarprofessor an der Berliner Humboldt-Universität.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 383
    Erscheinungsdatum: 08.02.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518745441
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1351 kBytes
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Denken und Selbstsein

II. Person und Subjekt in der Dynamik des Lebens

1. Grund und Welt

In der vorausgehenden Vorlesung wurde erklärt, was in der Folge unter Subjektivität verstanden werden soll. Dabei war auszugehen von dem Wissen von sich, durch das ein Subjekt, was immer es weiter noch ausmacht, in seinem Kern zu charakterisieren ist. Es wurde gezeigt, welche Schwierigkeiten es macht, solches Wissen von sich, das doch außer Frage steht, zu begreifen. Sodann wurden in Beziehung auf dieses Subjekt drei Gedanken von einem Ganzen unterschieden: Die Welt, in der sich das alltägliche Leben vollzieht, und die Welt der physikalischen Grundwissenschaft beruhen auf Grundmustern, die miteinander unvereinbar sind, die aber gleichermaßen von der Verfassung des Subjektes her, dem diese Welten erschlossen sind, verständlich gemacht werden können. Ein Ganzes von völlig anderer Art wird dann zum Thema, wenn sich dies Subjekt selbst als inbegriffen in einem Zusammenhang versteht, aus dem heraus es sich selbst als begründet verstehen kann. Die Erschließungsrichtungen der natürlichen und der wissenschaftlichen Welt verlaufen gegenläufig zu der Erschließungsrichtung, in deren Bahn ein Ganzes gesucht wird und gedacht werden soll, dem das Subjekt als solches eingeschrieben werden kann. Diese Gegenläufigkeit lässt bereits absehen, in welcher Tiefe die weitere Schwierigkeit begründet ist, die Selbstverständigung des Menschen und sein Weltverstehen in eine Übereinstimmung miteinander gelangen zu lassen.

Die Erklärung dieser Spannung, die vom Subjekt als solchem ausgeht, setzt - anders als das Thema Welt und Pluralität der Welten - den spezifisch modernen Beginn des Philosophierens voraus. Aber die Kritik an der Rolle, welche dem Subjektbegriff im frühen modernen Denken zugewiesen war, ist doch gleichfalls charakteristisch für die Moderne in ihrer weiter entfalteten Gestalt. Darum war darzulegen, wie jener Einsatz beim Subjekt so ausgebildet werden kann, dass die Kritik am Subjektbegriff, die auch die Kritik Nietzsches gewesen ist, nicht einfach nur entfällt, sondern dass ihre Rolle im Ganzen der Selbstverständigung der Subjektivität verstanden und gerechtfertigt wird.

Um dies zu zeigen, haben wir unangemessene Voraussetzungen in der Beschreibung von Subjektivität kritisiert, die für die Subjektkritik maßgeblich geworden sind: Das Selbstbewusstsein ist zwar mit Gewissheit verbunden. Es kann kein Zweifel daran aufkommen, dass das Wissen, welches ich im Selbstbewusstsein habe, ein Wissen von mir ist (was immer das genau heißen mag). Ebenso ist dieses Wissen selbst keinem Zweifel ausgesetzt.

Davon ist aber die ganz andere These zu unterscheiden, dass ich dem, was ich bin, im Selbstbewusstsein in adäquater Evidenz begegne und dass ich folglich aus dem heraus, was mir im Selbstbewusstsein präsent ist, über das, was ich als Subjekt bin, einen definitiven Aufschluss zu gewinnen vermag. Stattdessen verhält es sich so, dass in dieser Gewissheit zugleich der Grund dafür liegt, dass das Subjekt kraft seines Wissens von sich auch für sich selbst in Frage steht, dass es also von Zweifeln, die es selbst betreffen, bedrängt wird.

Insoweit sich solche Fragen aus der rätselhaften Verfassung des Wissens von sich ergeben, kommen sie freilich nur in einem theoretischen Zusammenhang auf. Ihnen korrespondiert aber eine beunruhigte Nachfrage des Menschen nach sich selbst, die aus dem alltäglichen Leben ihre Dringlichkeit gewinnt. In ihr artikuliert sich die Unklarheit über den Ort und den Ursprung des je eigenen Lebens. Diese Nachfrage kommt aus dem Wissen von sich und betrifft es immer mit, insofern es für dies Leben ganz und gar charakteristisch ist, aus dem Wissen von sich geführt werden zu müssen. Das Wissen von sich ist eben nicht deshalb, weil es keinen dem Wissen selbst externen Gegenstand hat, einfach und leicht zu verstehen, sondern komplex und undurchsichtig.

Diese Wissensweise lässt sich nicht aus de

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