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Der junge Habermas Eine ideengeschichtliche Untersuchung seines frühen Denkens 1952-1962 von Yos, Roman (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2019
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Der junge Habermas

Roman Yos' preisgekrönte Untersuchung über die Ursprünge eines der einflussreichsten Werke der jüngeren Geistesgeschichte zeigt auf originelle Weise, wie Jürgen Habermas seine bereits in jungen Jahren ausgeprägten philosophisch-politischen Denkmotive allmählich in die Bahnen eines tragfähigen Systems überführte. Diese Entwicklung lässt sich als ein Lernprozess begreifen, in dessen Verlauf konträre intellektuelle Einflüsse aufeinandertrafen und der aufwändigen Vermittlung bedurften. Yos rekonstruiert die spannungsreiche Entstehung von Habermas' Denken aus dem Zusammenhang frühester Schriften und gibt zugleich einen Einblick in deren zeit- und ideengeschichtliche Hintergründe. Roman Yos ist promovierter Philosoph und arbeitet gegenwärtig als Lektor in den Bereichen Philosophie und Sozialwissenschaften.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 600
    Erscheinungsdatum: 17.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518761946
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1957 kBytes
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Der junge Habermas

9 Einleitung

Jürgen Habermas eilt der Ruf eines Klassikers voraus - und dies schon seit geraumer Zeit. Längst genießt sein Werk weltweite Anerkennung und wird - wie es sich für einen Klassiker gehört - in beinahe jedem seiner Wirkungsbereiche kritisch diskutiert. Klassisch dürfte indessen auch die Rolle sein, die Habermas als politischer Intellektueller quasi in persona verkörpert und in der er abseits des Katheders gern polemischere Töne anschlägt. [1] Als kritischer Beobachter und Kommentator des politischen Zeitgeschehens betätigt sich Habermas seit mehr als einem halben Jahrhundert mit anhaltender Regelmäßigkeit. Dabei hat er zumeist Themen aufgegriffen, die in irgendeiner Weise die Mentalitätsgeschichte der Bundesrepublik und des wiedervereinigten Deutschlands berühren. Wann immer es um den Zustand nationaler Befindlichkeiten oder um die Gegenwart und Zukunft Europas schlecht bestellt schien, durfte man mit seiner öffentlichkeitswirksamen Wortmeldung rechnen. Und kaum ein anderer aus der Generation der sogenannten "45er" hat dabei so sehr auf die Perspektive kritischer Distanz gesetzt. [2] Doch 10 unabhängig davon, wie man sich zum Anliegen seiner jeweiligen Interventionen auch stellen mag: Der Ausdruck vom "avantgardistischen Spürsinn für Relevanzen", den Habermas im Rahmen seiner eigenen Betrachtungen zur Figur des Intellektuellen geprägt hat, vermag seine eigene Rolle durchaus treffsicher zu bezeichnen. [3] Dass es demokratischen Fortschritt nur unter der Bedingung öffentlich austragbarer Diskussionen über die Belange von Politik und Kultur geben könne, hat Habermas immer auch mit Tuchfühlung zur Tagespolitik geltend zu machen versucht. Dies gilt im Besonderen für die Auseinandersetzung um vergangenheitspolitische Themen. Dass Habermas sich mit der Forderung, derartige Kontroversen öffentlich zu führen, vor allem im nationalen Kontext nicht nur Freunde gemacht hat, ist kein Geheimnis. Im Rückblick auf die zahlreichen Stationen seines Engagements als streitbarer Intellektueller sind die jeweiligen Gegnerschaften nur zu gut belegbar: so im Zuge seiner frühen Heidegger-Kritik oder angesichts der skeptischen Haltung zur 68er-Studenten-Revolte, ebenso im Umfeld der konservativen "Tendenzwende"-Politik oder im Zuge des Historikerstreits sowie ferner im Streit um die NATO -Bombardierung Ex-Jugoslawiens oder um das Berliner Holocaust-Mahnmal, um hier nur einige wenige dieser Stationen kurz ins Gedächtnis zu rufen. Vieles spricht dafür, dass Habermas jenes Bild des politischen Intellektuellen, das nun im Kielwasser einer im Wandel begriffenen Medienlandschaft allmählich verblasst, in entscheidender Weise mitzuprägen vermocht hat. [4] So wäre es denn auch mehr als fahrläs 11 sig, den Rahmen einer Intellektuellen-Geschichte der Bundesrepublik abzustecken, ohne auf Habermas als einen ihrer maßgeblichen Akteure Bezug zu nehmen. [5]

Nimmt man demgegenüber Habermas' vielschichtiges Werk und dessen in der Breite keineswegs leicht zu überblickende Rezeption in Augenschein, [6] so ergibt sich ein etwas anderes, für einen 12 Klassiker vergleichsweise schwer zu entzifferndes Bild, das sich auch in der Wirkung seiner zentralen Bücher spiegelt. Während sich sein frühestes Buch Strukturwandel der Öffentlichkeit , das im Laufe der Jahrzehnte zu einem Klassiker der Sozialwissenschaften geworden ist, anhaltender Nachfrage erfreut, scheint es um die Tiefenwirkung der Theorie des kommunikativen Handelns weitaus schlechter bestellt zu sein, als der in den sozialwissenschaftlichen Sprachhaushalt eingegangene Titel vermuten lässt. [7] Schon weil e

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