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Der Mensch ohne Inhalt von Agamben, Giorgio (eBook)

  • Erschienen: 12.03.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Der Mensch ohne Inhalt

In den späten sechziger Jahren nahm Giorgio Agamben an Martin Heideggers Seminaren im südfranzösischen Le Thor teil. Damals entstand auch sein erstes Buch L'uomo senza contenuto, das 1970 erstmals erschien. Selbstbewußt und radikal stürzt er sich auf klassische Positionen der Ästhetik, er konfrontiert Platon, Kant und Hegel mit Künstlern und Autoren der Klassischen Moderne. In einer Zeit, in der die Kunst nicht länger die Funktion hat, das Wesen der Wirklichkeit zur Erscheinung zu bringen, wird sie zu einer selbstzerstörerischen Kraft, der Künstler, so Agamben, zu einem "Menschen ohne Inhalt". Agambens erstes Buch liegt nun endlich auch auf Deutsch vor. "Agamben hat die verwaiste Stelle des Meisterdenkers eingenommen." Die Welt

Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken.
Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.

Produktinformationen

    Größe: 1375kBytes
    Herausgeber: Suhrkamp
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 160
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783518768501
    Ausgabe: Deutsche Erstausgabe
    Erschienen: 12.03.2012
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Der Mensch ohne Inhalt

§ 1 Was das Unheimlichste ist

In seiner dritten Abhandlung Zur Genealogie der Moral unterzieht Nietzsche Kants Definition des Schönen als interesseloses Wohlgefallen einer radikalen Kritik. Kant, schreibt er,


"gedachte der Kunst eine Ehre zu erweisen, als er unter den Prädikaten des Schönen diejenigen bevorzugte und in den Vordergrund stellte, welche die Ehre der Erkenntnis ausmachen: Unpersönlichkeit und Allgemeingültigkeit. Ob dies nicht in der Hauptsache ein Fehlgriff war, ist hier nicht am Orte zu verhandeln; was ich allein unterstreichen will, ist, dass Kant, gleich allen Philosophen, statt von den Erfahrungen des Künstlers (des Schaffenden) aus das ästhetische Problem zu visiren, allein vom "Zuschauer" aus über die Kunst und das Schöne nachgedacht und dabei unvermerkt den "Zuschauer" selber in den Begriff "schön" hinein bekommen hat. Wäre aber wenigstens nur dieser "Zuschauer" den Philosophen des Schönen ausreichend bekannt gewesen! – nämlich als eine grosse p e r s ö n l i c h e Thatsache und Erfahrung, als eine Fülle eigenster starker Erlebnisse, Begierden, Überraschungen, Entzückungen auf dem Gebiete des Schönen! Aber das Gegentheil war, wie ich fürchte, immer der Fall: und so bekommen wir denn von ihnen gleich von Anfang an Definitionen, in denen, wie in jener berühmten Definition, die Kant vom Schönen giebt, der Mangel an feinerer Selbst-Erfahrung in Gestalt eines dicken Wurms von Grundirrthum sitzt. "Schön ist, hat Kant gesagt, was o h n e I n t e r e s s e gefällt." Ohne Interesse! Man vergleiche mit dieser Definition jene andre, die ein wirklicher "Zuschauer" und Artist gemacht hat – Stendhal, der das Schöne einmal une promesse de bonheur nennt. Hier ist jedenfalls gerade Das a b g e l e h n t und ausgestrichen, was Kant allein am ästhetischen Zustand hervorhebt: le désintéressement. Wer hat Recht, Kant oder Stendhal? – Wenn freilich unsere Aesthetiker nicht müde werden, zu Gunsten Kant's in die Wagschale zu werfen, dass man unter dem Zauber der Schönheit s o g a r gewandlose weibliche Statuen "ohne Interesse" anschauen könne, so darf man wohl ein wenig auf ihre Unkosten lachen: – die Erfahrungen der K ü n s t l e r sind in Bezug auf diesen heiklen Punkt "interessanter", und Pygmalion war jedenfalls n i c h t nothwendig ein "unästhetischer Mensch"." 1



Die Erfahrung der Kunst, wie Nietzsche sie in diesen Worten beschreibt, hat nichts gemeinsam mit einer Ästhetik . Es geht in ihr vielmehr darum, den Begriff der "Schönheit" von der aisthēsis , der Sinnlichkeit des Betrachters, zu reinigen, um die Kunst aus dem Blickwinkel ihres Schöpfers zu betrachten. Diese Reinigung resultiert aus der Umkehrung dessen, was das Kunstwerk in der Perspektive der Tradition ist: An die Stelle der Dimension des Ästhetischen – der sinnlichen Aneignung des schönen Objekts durch den Betrachter – tritt die schöpferische Erfahrung des Künstlers, der im eigenen Werk une promesse de bonheur erkennt. Am äußersten Punkt ihres Schicksals – in der "Stunde des kürzeste

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