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Eine Theorie der globalen Verantwortung Was wir Menschen in extremer Armut schulden von Beck, Valentin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.07.2016
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Eine Theorie der globalen Verantwortung

Auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts lebt ein großer Teil der Menschheit in bitterer Armut. Daraus ergibt sich die brennende Frage, was die Bürger wohlhabender Länder extrem armen Menschen moralisch schulden. Valentin Beck beantwortet sie im Rahmen einer umfassenden Theorie der globalen Verantwortung. In seinem glänzend geschriebenen Buch behandelt er zentrale Fragen der Theorie globaler Gerechtigkeit, unterzieht unsere Verflechtung in globale soziale Strukturen einer detaillierten Analyse und wirft so ein neues Licht auf eine der größten moralischen Herausforderungen unserer Zeit. Wir müssen mit Blick auf den politischen und individuellen Umgang mit der Weltarmut umdenken, so lautet die zentrale Forderung dieser Studie.

Valentin Beck ist Wissenschaftlicher Assistent am Institut für Philosophie der Freien Universität Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 350
    Erscheinungsdatum: 11.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518744222
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1551kBytes
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Eine Theorie der globalen Verantwortung

33 II.
Der Begriff der Verantwortung und sein Stellenwert für die normative Betrachtung der Weltarmut

Der Begriff der Verantwortung ist in aller Munde. Doch eignet er sich auch als ein Grundbegriff für die theoretische Beschäftigung mit normativen Fragen? Und welche Rolle spielt er speziell für die normative Betrachtung der Weltarmut? In diesem Kapitel werde ich den Stellenwert darlegen, den der Verantwortungsbegriff für die normative Theoriebildung und insbesondere für die Analyse von Ländergrenzen überschreitenden moralischen Beziehungen besitzt. Es enthält eine dem Anspruch nach umfassende Begriffsanalyse, die diese Studie eröffnet, weil sie in ihre grundlegenden Kategorien einführt und dadurch den nachfolgenden Argumentationsgang plausibilisiert. Darüber hinaus ist diese Begriffsanalyse aber auch für die allgemeine Beschäftigung mit dem Verantwortungsbegriff relevant und kann deshalb auch separat gelesen werden.

Dieses Kapitel umfasst zwei aufeinander aufbauende Argumentationsschritte. Zunächst werde ich zentrale Aspekte von "Verantwortung" als eines Grundbegriffs des normativen Vokabulars unserer Zeit analysieren ( II .1). In einem zweiten Schritt soll dann der besondere Stellenwert dieses Begriffs für normative Urteile über die Weltarmut und besonders für die Bestimmung des moralischen Verhältnisses der Bürger wohlhabender Länder zu Menschen in extremer Armut deutlich gemacht werden ( II .2). Im Zuge des ersten Schrittes werde ich zunächst eine zentrale These dieses Buches erläutern, nämlich dass Relationen der Verantwortung auf bis zu acht verschiedene Dimensionen hin analysierbar sind ( II .1.1). Anschließend soll überblicksweise gezeigt werden, wie aufbauend auf diese Analyse ein breites Spektrum von Verantwortungsarten identifizierbar ist ( II .1.2). Schließlich untersuche ich Arten der Verantwortungszuschreibung , wobei ich zeige, dass insbesondere deskriptive von präskriptiven Zuschreibungen der Verantwortung unterschieden werden müssen ( II .1.3). Im Zuge des zweiten Beweisschrittes werde ich dann die gewonnene begriffliche Erkenntnis über Verantwortung für das Projekt der Entwicklung von systematisch begründe 34 ten normativen Urteilen über die Weltarmut nutzbar machen und darlegen, was deskriptive von präskriptiven Perspektiven auf die Weltarmut unterscheidet ( II .2.1). Abschließend zeige ich, warum der Verantwortungsbegriff als Leitbegriff für die Beantwortung der Frage, was die Bürger wohlhabender Länder den Menschen in extremer Armut moralisch schulden, besonders gut geeignet und dem Begriff der Pflicht vorzuziehen ist ( II .2.2).
II.1 Der Begriff der Verantwortung

Die Rede von Verantwortung erfreut sich heute in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen großer Beliebtheit. Im privaten Umgang, aber auch in Politik, Rechtswesen, Wirtschaft und Zivilgesellschaft wird der Verantwortungsbegriff oft und gerne verwendet, wenn auch bisweilen mit einer Unbestimmtheit, die problematisch ist und deren begriffliche Quellen uns später noch genauer interessieren müssen (siehe II .2.2). Man betrachte jedoch zunächst einige typische und noch unsystematische Verwendungen: ein Autofahrer wird für einen von ihm verursachten Unfall verantwortlich gemacht; eine Nichtregierungsorganisation wirft einem Unternehmen vor, eine Mitverantwortung für menschenverachtende Produktionsbedingungen in der Zulieferkette zu tragen; ein Finanzpolitiker rechtfertigt Kürzungen im Sozialwesen damit, dass Arbeitssuchende mehr "Eigenverantwortung" übernehmen sollen; ein Rettungsschwimmer wird vorausblickend verantwortlich dafür gemacht, Menschen an einem Strandabschnitt vor dem Ertrinken zu retten. Diese Reihe von Beispielen ist keineswegs schon repräsentativ für all die verschiedenen Arten von Verantwortung, die bei genauer Betrachtung identifiziert werden können (siehe

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