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Elemente einer realistischen Philosophie von Benoist, Jocelyn (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.11.2014
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Elemente einer realistischen Philosophie

Bei welchen Gelegenheiten und auf welche Weise sprechen wir heute von der "Realität"? Welche Rolle spielt diese Idee in unserem Denken und Leben? Jocelyn Benoist verbindet in seinem konzisen Buch meisterhaft Einsichten der Phänomenologie und der analytischen Philosophie und zeigt, dass das Konzept der Realität auch nach der Verabschiedung jeder essentialistischen Definition eine konstitutive Rolle für unser Denken spielt. In pointierten Studien untersucht er, wie der Realitätsbegriff in verschiedenen Bereichen - von der Philosophie des Geistes, der individuellen Intentionalität und der Wahrnehmung, bis hin zum Sozialen und Politischen - zur Anwendung kommt. Ein grundlegender Beitrag zur aktuellen Debatte um den "Neuen Realismus".

Jocelyn Benoist ist Professor für Philosophie an der Universität Paris 1 Panthéon-Sorbonne und Mitglied des Institut Universitaire de France.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 180
    Erscheinungsdatum: 10.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518736722
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Élements de philosophie réaliste
    Größe: 3036kBytes
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Elemente einer realistischen Philosophie

17 Erstes Kapitel
Die Repräsentation

Ein Allgemeinplatz der modernen Erkenntnistheorie war und ist zweifelsohne, dass wir niemals anders Zugang zu den Dingen haben als durch deren Repräsentation. Selbst jenseits des eigentlich philosophischen Fachbereichs findet man nicht selten am Anfang von kognitionswissenschaftlichen Darstellungen diese Art von Beteuerungen, die im Ton evidenter Selbstverständlichkeit vorgetragen werden.

In Wahrheit wirft eine solche Beteuerung bereits eine grundsätzliche Schwierigkeit auf: Sind "die Dinge" denn allesamt derart einheitlich beschaffen, dass man sinnvoll sagen kann, wir haben "Zugang" zu diesen oder nicht? Die Zugangsmetapher impliziert, dass es einen Weg gäbe, den man zurücklegen müsste, um bis zu den Dingen zu gelangen. Häufig jedoch triff es eher zu, dass sie auf uns zukommen. Und noch diese Umkehrung der Metapher teilt deren Begrenztheit. Sie setzt in der Tat immer noch einen zurückgelegten Weg dort voraus, wo es nach allgemeiner Regel überhaupt keinen Weg gibt. Denn im Grunde ist es eher wahr, dass wir die Dinge haben in dem Sinne, dass sie ganz einfach als Aufgabe da sind, etwas mit ihnen zu tun.

Freilich gibt es Fälle, bei welchen sich die Frage nach dem Zugang wirklich stellt; gewisse Dinge liegen in der Ferne oder sind versteckt, und es gibt einen Weg, den man zurücklegen muss, einen Aufwand, den man in dem einen oder anderen Sinn treiben muss, um sie aufzusuchen. Jedoch wo würde der Weg zurückgelegt, wenn nicht unmittelbar innerhalb der Dinge, mit welchen wir in Berührung sind und bei denen sich die Zugangsfrage gar nicht erst stellt? Die gewöhnliche Vorstellung, sich einen Weg zu be 18 stimmten herausgehobenen Dingen zu bahnen, wirft uns zurück mitten unter die Dinge und auf unsere Zugehörigkeit zu diesen.

So wird der Zugangsbegriff im modernen Repräsentationalismus aber nicht verwendet. Alles sieht ganz danach aus, als ob die Repräsentationen im Allgemeinen eine Art Puffer bildeten, durch welchen die Dinge von unserem Geist auf Abstand gehalten würden. Zugang zu den Dingen ist, so sagt man, nur vermittels Repräsentationen zu haben. Und man versteht darunter: durch die Repräsentationen hindurch , ganz gleich, ob man unter diesem Titel die "internen Gehalte" eines individuellen Bewusstseins oder die eines "Begriffsschemas" subsumiert, das eine Art kollektiven Geists konstituieren würde. Gewiss ist es kein Zufall, dass der Gebrauch von "Repräsentation" seine Wurzeln im modernen Internalismus hat, der übrigens noch gute Zeiten vor sich zu haben scheint, nachdem er gegen Ende des 20. Jahrhunderts durch eine gewisse vorherrschende Art, Kognitionswissenschaften zu betreiben, belebt worden ist. Zentral ist jedoch - und zwar ganz unabhängig davon, ob wir von einem "internen" Charakter des repräsentationalistischen Milieus ausgehen oder nicht -, dass der so gebrauchte Begriff von Innerlichkeit epistemologisch verstanden überhaupt nur Sinn ergibt, wenn die Repräsentationen wie eine Projektionsfläche zwischen uns und den Dingen stehen. Die Grundthese besteht darin, dass wir einen Bezug zu den Dingen nur knüpfen können, insofern diese repräsentiert werden.

Hier meldet sich ein erster Zweifel: dieser besagt, dass die repräsentierten Dinge und die Dinge zweierlei wären. Weit davon entfernt, dass das Repräsentieren der Dinge einen (vielleicht den?) Modus konstituieren würde, sich mit diesen ins Verhältnis zu setzen - wenn man, einmal mehr, zugesteht, dass es überhaupt sinnvoll sei, sich derart ins Verhältnis zu setzen -, gälte letztlich, dass uns die Repräsenta 19 tionen mit den repräsentierten Dingen und nicht mit den Dingen ins Verhältnis setzen würden.

Daraus erwächst ein zweiter Zweifel, dass es vielleicht jenseits von diesen "repräsentierten Dingen" schließlich überhaupt keine "Dinge" mehr gäbe, das heißt irgendetwas, worauf man sich de

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