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Homo sacer von Agamben, Giorgio (eBook)

  • Erschienen: 17.09.2012
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Homo sacer

Der homo sacer ist die Verkörperung einer archaischen römischen Rechtsfigur: Zwar durfte er straflos getötet, nicht aber geopfert werden, was auch seine Tötung sinnlos und ihn gleichsam unberührbar machte - woraus sich der Doppelsinn von sacer als ?verflucht? und ?geheiligt? ableitet. Giorgio Agamben stellt im Anschluß an Foucault und als philosophische Korrektur von dessen Konzept der Biopolitik die These auf, daß Biopolitik, indem sie den Menschen auf einen biologischen Nullwert zurückzuführen versucht, das nackte Leben zum eigentlichen Subjekt der Moderne macht. Ausgehend von Carl Schmitts Souveränitätskonzept, kommt Agamben zu einer Interpretation des Konzentrationslagers als "nomos der Moderne", wo Recht und Tat, Regel und Ausnahme, Leben und Tod ununterscheidbar werden. In den zwischen Leben und Tod siechenden Häftlingen, aber auch in den Flüchtlingen von heute sieht er massenhaft real gewordene Verkörperungen des homo sacer und des nackten Lebens. Die philosophische Begründung dessen, daß diese Möglichkeit keineswegs nur historisch ist, hat eine Diskussion entfacht, die weit über Italien und Europa hinausreicht.

Giorgio Agamben wurde 1942 in Rom geboren. Er studierte Jura, nebenbei auch Literatur und Philosophie. Der entscheidende Impuls für die Philosophie kam allerdings erst nach Abschluß des Jura-Studiums über zwei Seminare mit Martin Heidegger im Sommer 1966 und 1968. Neben Heidegger waren seitdem Michel Foucault, Hannah Arendt und Walter Benjamin wichtige Bezugspersonen in Agambens Denken.
Als Herausgeber der italienischen Ausgabe der Schriften Walter Benjamins fand Agamben eine Reihe von dessen verloren geglaubten Manuskripten wieder auf. Seit Ende der achtziger Jahre beschäftigt sich Agamben vor allem mit politischer Philosophie. Er lehrt zur Zeit Ästhetik und Philosophie an den Universitäten Venedig und Marcerata und hatte Gastprofessuren u.a. in Paris, Berkeley, Los Angeles, Irvine.

Produktinformationen

    Größe: 1251kBytes
    Herausgeber: Suhrkamp
    Untertitel: Die souveräne Macht und das nackte Leben
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 224
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783518784204
    Erschienen: 17.09.2012
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Homo sacer

Einleitung

Die Griechen kannten für das, was wir mit dem Begriff Leben ausdrücken, kein Einzelwort. Sie gebrauchten zwei Begriffe, die morphologisch und semantisch verschieden sind, auch wenn man sie auf eine gemeinsame Wurzel zurückführen kann: z?? meinte die einfache Tatsache des Lebens, die allen Lebewesen gemein ist (Tieren, Menschen und Göttern), bíos dagegen bezeichnete die Form oder Art und Weise des Lebens, die einem einzelnen oder einer Gruppe eigen ist. Wenn Platon im Philebos drei Lebensarten anführt und Aristoteles in der Nikomachischen Ethik das kontemplative Leben des Philosophen ( bíos the?r?tikó;s ) vom Leben der Lust und des Vergnügens ( bíos apolaustikó;s ) und vom politischen Leben ( bíos politikó;s ) unterscheidet, hätten sie niemals den Begriff z?? gebrauchen können (dem bezeichnenderweise im Griechischen die Pluralform fehlt); und zwar aus dem einfachen Grund, weil es beiden in keiner Weise um das natürliche Leben, sondern um ein qualifiziertes Leben, um eine besondere Lebensweise zu tun war. Aristoteles kann sehr wohl von einer z?? aríst? kaì aídios , einem höheren und ewigen Leben sprechen (Met. 1072 b, 28), aber nur, um die nicht banale Tatsache herauszustreichen, daß auch Gott ein Lebewesen ist (so wie er sich im selben Kontext des Begriffs z?? bedient, um in ebensowenig trivialer Weise den Akt des Denkens zu bestimmen); von einer z?? politik? der Athener Bürger zu sprechen hätte jedoch keinen Sinn ergeben. Nicht daß der Antike die Idee nicht vertraut gewesen wäre, daß das natürliche Leben, die einfache z?? als solche, an sich ein Gut sei; Aristoteles drückt dieses Bewußtsein in einem Abschnitt der Politik sogar mit unübertrefflicher Klarheit aus. Nachdem er daran erinnert hat, daß der Zweck des Gemeinwesens sei, dem Guten gemäß zu leben, sagt er:

"Und das [dem Guten gemäß zu leben] ist nun besonders das Ziel, sowohl für alle in Gemeinschaft als auch voneinander getrennt. Sie kommen aber auch bloß um des Lebens willen zusammen, und sie verfügen zusammen über eine politische Gemeinschaft. Vielleicht liegt nämlich schon ein Teil des Guten im Leben allein an sich [ katà tò; z??n autò; mó;non ]. Wenn die Beschwerlichkeiten des Lebens nicht zu sehr überhandnehmen [ katà tò;n bíon ], so ist es klar, daß viele Menschen in ihrem Verlangen nach Leben [ z?? ] reichlich Not ertragen, als gäbe es in diesem ein gewisses Glücksgefühl [ euh?mería : schöner Tag] und eine natürliche Annehmlichkeit." (Pol. 1278 b, 23-30)

In der antiken Welt ist das einfache natürliche Leben jedoch aus der pó;lis im eigentlichen Sinn ausgeschlossen und als rein reproduktives Leben strikt auf den Bereich des oîkos eingeschränkt (1252 a, 26-32). Am Anfang seiner Politik verwendet Aristoteles alle Sorgfalt darauf, den oikonó;mos (Kopf eines häuslichen Unternehmens) und den despó;tes (Familienoberhaupt), die sich um die Fortpflanzung und Erhaltung des Lebens kümmern, vom Politiker zu unterscheiden, und verspottet diejenigen, die glauben, es handle sich um einen quantitativen Unterschied und nicht um einen Unterschied in der Art. Und wo er den Zweck der Gemeinschaft bestimmt - eine Stelle (1252 b, 30), die für die abendländische Tradition kanonisch bleiben sollte - , tut er dies gerade, indem er die einfache Tatsache des Lebens ( tò; z??n ) gegen das politisch qualifizierte Leben abgrenzt (tò; eû z??n): ginomén?mèn oû

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