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Objektivität durch Subjektivität oder umgekehrt ? Phänomenologischer Versuch einer dekonstruierten Erkenntnistheorie. von Schuett, Rolf Friedrich (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.04.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Objektivität durch Subjektivität oder umgekehrt ?

Diese Arbeit versucht, die klassische Disziplin der Erkenntnistheorie, welche heute in Wissenschaftstheorien aufzugehen droht, wiederzubeleben durch Rückgriff auf tiefenpsychologische Methoden und aphoristische "Gnome" (griechisch: "Erkenntnisvermögen") - die den philosophischen Mainstream unterirdisch begleiten - am phänomenologischen Leitfaden von Heidegger, Sartre und Conrad-Martius. Das Unbewusste gilt seit Freud als missing link zwischen Leib und Seele. Die Erkenntnisbedingungen und -widerstände kommen nicht nur aus Verstand und Gegenstand, sondern auch aus leiblich fundierten Triebkonstellationen. Dass die Erkenntnis- und Selbsterkenntnisleistungen des menschlichen Bewusstseins hinterrücks oft mitbestimmt oder sogar systematisch verzerrt werden durch abgewehrte Anteile unreflektierter Subjektivität, wäre für anthropologisch relevante Erkenntnistheorien endlich fruchtbar zu machen. Und Aphoristiker der europäischen Moralistik waren immer auch de(kon)struierende Ur-Analytiker des Unbewussten hinter rationalisierenden Bewusstseinsfassaden ihrer Epochen gewesen.

Studium der Literaturwissenschaft und Philosophie. Systemanalytiker in der Atom- und Raumfahrtindustrie.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 164
    Erscheinungsdatum: 05.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783741217807
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 329kBytes
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Objektivität durch Subjektivität oder umgekehrt ?

Einführung in die Problematik

Die Erkenntnistheorie sucht zu erkennen, wie das Subjekt sein Objekt erkennt, wie das Ich es schafft, aus seinem Bannkreis herauszukommen, um den Graben zu überwinden, der es von seinem Erkenntnisobjekt trennt. Wer von diesem Bild ausgeht, setzt zwei verschiedene, fix und fertige Substanzen voraus, die einander unvermittelt gegenüberstehen und dann irgendwie nachträglich eine Verbindung miteinander eingehen, die zur Erkenntnis führt. Die erkennende Substanz, das Subjekt, muß die Eigenschaft haben, die Kluft zur anderen Substanz zu überspringen, um am Ufer des Objekts landen zu können. Erst geht man von zwei getrennten und grundverschiedenen Dingen aus und versucht dann zu erklären, wie sie wieder miteinander zu vereinigen sind. Das Subjekt wird gewöhnlich mit einer Aktivität ausgestattet, die es ihm erlaubt, die Passivität des Objekts zu überrumpeln. Nicht zufällig wird das Erkennen als Ziel des Sehens gefaßt: Mein Blickstrahl trifft das Objekt wie der Jäger das Wild. Aber die Absicht des Sehenden ist nicht, seine Beute zu erlegen, sondern sich ein objektives Bild vom Objekt zu machen. Gehe ich aus mir heraus und an den Gegenstand heran, um mir einen Abdruck von ihm zu verschaffen, mit dem ich dann in mein subjektives Gehäuse zurückkehre? Zwar schaue ich das Objekt an, aber jeder weiß, daß dabei "eigentlich" das Objekt es ist, welches sich mir einprägt, wie der Stempel sich in die leere Wachstafel eindrückt. Ich muß meinen Blickstrahl auf das Objekt fallen lassen, damit der Lichtstrahl physikalisch in mein passives Auge fallen kann. Wenn wir nicht wie einige mittelalterliche Denker annehmen wollen, daß das Ding, weil es sich nicht selbst von der Stelle rühren kann, so etwas wie dünne Signalhäutchen unablässig aussendet, die sein Aussehen tragen und ins erkennende Auge fallen, muß der Prophet zum Berge kommen, der nicht zum Propheten kommt. Will sagen, der Erkennende muß sich in Bewegung setzen, um das zu Erkennende zu erreichen. Und das Ich muß dazu nicht erst seine Kapsel verlassen, sondern immer schon verlassen haben. Es darf nichts anderes sein als diese Selbstüberschreitung in Richtung auf seinen Gegenstand. Es muß nicht erst ein Drinnen verlassen, sondern draußen und außer sich erst eigentlich in sich und bei sich sein: Die Innenwelt des Erkennenden besteht aus dem Draußensein beim Objekt. Dazu müssen wir gerade nicht annehmen, daß das Subjekt sein Objekt nur erkennen könne, wenn beide von gleicher Seinsart sind, weil nur Gleiches Gleiches erfassen könne. Das Subjekt unterscheidet sich vorn Objekt grundsätzlich dadurch, daß es bei sich selbst gerade dann ist, wenn es draußen bei seinem Objekt ist und den Abgrund, der es davon trennt, immer schon hinter sich gelassen hat. So wird der Abstand des Subjekts vom Objekt die Distanz des Subjekts von sich selbst. Wenn ich meinen Gegenstand ansehe, bin ich nicht hier bei mir, sondern drüben bei ihm, und die Entfernung zwischen meinem Körper hier und meiner Anwesenheit dort beim Objekt, das bin ich, sofern ich mein Objekt erkenne, also seine Entfernung von mir ent-fernt habe. Die Existenzphilosophen haben diese Struktur des menschlichen Daseins herausgearbeitet, das "ek-sistiert", d.h. nicht einfach da ist wie das Objekt, sondern "heraus-steht" aus sich selbst und hin zum Objekt, das mir gegenübersteht.

Vorgebildet war dies bei Hegel, nach dem das Ich seine Grenzlinie gegen das Objekt nicht ziehen kann, ohne diese Grenze auch schon überschritten zu haben. Die Grenzlinie, an der das Subjekt endet, ist die Linie, an der das Objekt beginnt, und umgekehrt. Zwischen mir und dem Gegenstand liegt ein Abstand, eine Leere, ein Nichts, also nichts. Intentional bin ich hingespannt auf das, was ich nicht bin, und von dem her, was ich nicht bin, bin ich erst, was ich bin. Nur wer außer sich gerät, kommt zu sich, und wer ganz bei sich ist, ist auch schon außer sich beim Objekt. Die Immanenz des Subjekts ist ger

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