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Theodor W. Adorno: Negative Dialektik von Adorno, Theodor W. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.10.2010
  • Verlag: De Gruyter Akademie Forschung
eBook (PDF)
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Theodor W. Adorno: Negative Dialektik

Axel Honneth, Christoph Menke (Hrsg.) Theodor W. Adorno: Negative Dialektik 2006. VI, 218 S. ISBN 978-3-05-003046-3 Klassiker Auslegen, Bd. 28
In einem Brief nennt Adorno die "Negative Dialektik" kurz nach ihrem Erscheinen unter seinen Schriften "das philosophische Hauptwerk, wenn ich so sagen darf". Dieser herausgehobenen Bedeutung, die das Werk für Adorno hatte, entspricht nicht nur die lange Zeit, die er mit der Abfassung des Buchs beschäftigt war, sondern auch die lange Geschichte, die ihre zentralen Motive in seinem Denken haben. Philosophische Begriffsklärung, die Arbeit an "Begriff und Kategorien" einer negativen Dialektik, versteht Adorno dabei als dialektischen Übergang in inhaltliches Denken – und so betreibt er sie auch hier. Das hat Konsequenzen für die Form des kooperativen Kommentars, der in diesem Band versucht wird. Adornos "Negative Dialektik" zu kommentieren, kann nur in dem Bewußtsein der unüberbrückbaren Kluft gelingen, die den Kommentar von diesem Text trennt. Aus dem Inhalt: 1. Axel Honneth/Christoph Menke: Zur Einführung 2. Axel Honneth: Einleitung. Zum Begriff der Philosophie 3. Dieter Thomä: Verhältnis zur Ontologie. Adornos Denken des Unbegrifflichen 4. Andrea Kern: Negative Dialektik - Begriff und Kategorien I. Wahrnehmung, Anschauung, Empfindung 5. Martin Seel: Negative Dialektik - Begriff und Kategorien II. Adornos Analyse des Gebrauchs von Begriffen 6. Jay Bernstein: Negative Dialektik - Begriff und Kategorien III. Adorno Zwischen Kant und Hegel 7. Klaus Günther: Modell 1. Freiheit - Zur Metakritik der praktischen Vernunft I. Dialektik der Aufklärung in der Idee der Freiheit 8. Christoph Menke: Modell 1. Freiheit - Zur Metakritik der praktischen Vernunft II. Kritik der "abstrakten Moralität" 9. Birgit Sandkaulen: Modell 2. Weltgeist und Naturgeschichte - Exkurs zu Adornos Geschichtsphilosophie mit und gegen Hegel 10. Albrecht Wellmer: Meditationen zur Metaphysik. Metaphysik "im Augenblick ihres Sturzes"

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 225
    Erscheinungsdatum: 01.10.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783050050201
    Verlag: De Gruyter Akademie Forschung
    Serie: Klassiker Auslegen Bd.28
    Größe: 1017 kBytes
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Theodor W. Adorno: Negative Dialektik

Christoph Menke
8. Modell 1: Freiheit. Zur Metakritik der praktischen Vernunft II (S. 151-152)

8.1 Zwei Thesen - Kritik der "abstrakten Moralität"

Das erste der drei "Modelle", die nach Adornos Hinweis in der Vorrede zur Negativen Dialektik "verdeutlichen sollen, was negative Dialektik sei, und diese, ihrem eigenen Begriff gemäß, ins reale Bereich hineintreiben", entfaltet im Medium einer kritischen Kantlektüre die Grundfigur einer "Dialektik der Freiheit" (10, dazu ausführlich oben, Kapitel 7). Diese Dialektik der Freiheit faßt Adorno am Ende dieses Modells in der folgenden "Aporie" zusammen: "Frei sind die Subjekte, nach Kantischem Modell, soweit, wie sie ihrer selbst bewußt, mit sich identisch sind, und in solcher Identität auch wieder unfrei, soweit sie deren Zwang unterstehen und ihn perpetuieren. Unfrei sind sie als nichtidentische, als diffuse Natur, und doch als solche frei, weil sie in den Regungen, die sie überwältigen – nichts anderes ist die Nichtidentität des Subjekts mit sich –, auch des Zwangscharakters der Identität ledig werden" (294). Im Anschluß daran erinnert Adorno noch einmal an die zwei moraltheoretischen Konsequenzen, die er zuvor aus der Exposition der grundlegenden Dialektik der Freiheit gezogen hat.

Die erste moraltheoretische Konsequenz lautet: "Alle Einzelnen sind in der vergesellschafteten Gesellschaft des Moralischen unfähig, das gesellschaftlich gefordert ist, wirklich jedoch nur in der befreiten Gesellschaft wäre. Gesellschaftliche Moral wäre einzig noch, einmal der schlechten Unendlichkeit, dem verruchten Tausch der Vergeltung sein Ende zu bereiten" (294). Der Aporie der Freiheit entspricht demnach die Diagnose einer aporetischen Lage der Moral: Moralisches Handeln ist ebenso dringend, wie "alle Einzelnen" seiner "unfähig" sind, und dies ist weder notwendig noch zufällig, sondern durch die Verfassung der bestehenden Gesellschaft hervorgebracht. – Die zweite moraltheoretische Konsequenz aus der Aporie der Freiheit, zugleich der Schlußsatz des ganzen Modells, besagt: "Dem Einzelnen indessen bleibt an Moralischem nicht mehr übrig, als wofür die Kantische Moraltheorie, welche den Tieren Neigung, keine Achtung konzediert [eine Anmerkung Adornos verweist hierfür auf Kant 1968b, 76 [A 135]], nur Verachtung hat: versuchen, so zu leben, daß man glauben darf, ein gutes Tier gewesen zu sein" (294). Aus der Aporie der Freiheit folgert Adorno damit eine alternative, wenn auch paradox anmutende Bestimmung des Subjekts moralischen Erkennens und Handelns: seine Bestimmung nicht als Instanz unparteilicher, reiner Vernunft, sondern als "Lebendiges" (255, vgl. 227), als ein "gutes Tier" (das es nach Kant aus begrifflichen Gründen nicht geben kann).

Damit sind die beiden zentralen Absichten von Adornos Moralphilosophie bezeichnet: Adornos Moralphilosophie unternimmt erstens eine Kritik derjenigen Gestalt von Moralität, die er mit Hegel "abstrakte Moralität" nennt (235). Damit meint Adorno, wie Hegel, die exemplarisch durch Kant artikulierte, aber nach Adornos Überzeugung in der Moderne, seit der Aufklärung und mit dem Kapitalismus, herrschend gewordene Moralkonzeption, die inhaltlich durch die Idee der Gleichheit und formal durch die Struktur von Gesetz und Gewissen bestimmt ist. Kritik der abstrakten Moralität heißt daher für Adorno zum einen: kritischer Aufweis der internen Spannungen und Widersprüche der Kantischen Moralphilosophie. Zugleich und darüber hinaus aber knüpft Adorno mit deren kritischer Untersuchung unmittelbar an eine Tradition der gesellschafts- un

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