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Transnationale Philosophie Hannah Arendt und die Zirkulationen des Politischen von Maffeis, Stefania (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.12.2018
  • Verlag: Campus Verlag
eBook (PDF)
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Transnationale Philosophie

Hannah Arendt und ihre Schriften werden seit jeher als unkonventionell wahrgenommen, als disziplinär schwer einzuordnen. Sie haben breite Anerkennung in vielen verschiedenen Ländern erlangt und scheinen sämtliche fach- wie kulturspezifischen Grenzen zu überschreiten. Diese Studie reflektiert die materiellen Bedingungen jener Wahrnehmungen, ihre performativen Funktionen sowie ihre historischen Transformationen, die sie zwischen Deutschland und den USA von den 1940er-Jahren bis heute durchlaufen haben. Im Zentrum der Rekonstruktion stehen Arendts Begriff des Politischen und damit korrelierend sie selbst als öffentliche Figur. Beide Ideen werden als Subjekte und Ergebnisse der Interaktionsverhältnisse zwischen der Akteurin, ihren sozialen und epistemischen Kontexten sowie der Gemeinschaft ihrer Leserinnen und Lesern wie auch Konkurrentinnen und Konkurrenten betrachtet.

Stefania Maffeis, Dr. phil., ist Privatdozentin der Philosophie an der FU Berlin. Sie forscht und lehrt im Bereich der Praktischen Politischen Philosophie.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 542
    Erscheinungsdatum: 06.12.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783593440033
    Verlag: Campus Verlag
    Größe: 6362 kBytes
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Transnationale Philosophie

Einleitung 'Globalisierung' ist ein unscharfer Begriff. Er verweist auf den Umstand, dass in unserer Zeit jeder Mensch potenziell mit jedem anderen auf der Welt in Beziehung stehen könnte (und dies vielleicht - auch ohne dessen Absicht oder Wissen - schon längst tut). In seiner am weitesten gefassten Bedeutung steht der Begriff 'Globalisierung' demnach für alle Formen der Überschreitung von territorialen, nationalstaatlichen Grenzen und für die Interdependenz zwischen lokalen und weltweiten Phänomenen. So betrachtet gibt es die Globalisierung schon sehr lange. Denn bereits die Errichtung der europäischen Nationalstaaten oder die Durchsetzung des Kapitalismus als vorherrschende Produktionsweise im 18. und 19. Jahrhundert ist ohne eine intensive Vernetzung der verschiedenen Regionen der Welt kaum vorstellbar. Ohne die Konkurrenzverhältnisse zwischen den einzelnen Staaten, den Imperien und ihren Kolonien, ohne den Austausch zwischen Zonen des Überschusses an Kapital und Zonen des Überschusses an Ressourcen und unbeschäftigter Bevölkerung bei fehlender Industrialisierung wäre die Weltordnung heute eine andere. Auch gab es schon immer Migrationsbewegungen von einzelnen Menschen oder ganzen Zivilisationen auf der Suche nach Schutz, Arbeit und Glück über territoriale Grenzen hinaus. Die Bildung grenzüberschreitender kultureller und gesellschaftlicher Räume kann daher als Konstante des Menschseins gelten. Gleichwohl gibt es den Begriff der Globalisierung nicht schon seit Menschengedenken. In den letzten drei, vier Jahrzehnten hat die weltweite Vernetzung der Menschheit offenbar ein neues Niveau erreicht. Seit der historischen Zäsur 1989, mit der Verbreitung der kapitalistischen Produktionsweise in (fast) allen Ländern sowie der weltweiten Vernetzung und Beschleunigung von Kommunikations- und Produktionsprozessen, wurde jener Zustand erreicht, der heute mit 'Globalisierung' im engeren Sinn gemeint ist. Es handelt sich um eine neuartige Qualität des Zusammenhangs zwischen ökonomischen, rechtlichen und gesellschaftspolitischen Instanzen, die die Beziehungen zwischen den Nationalstaaten sowie zwischen den einzelnen Bürger innen und der Staatengemeinschaft regulieren. Ihre Legitimation beziehen diese Instanzen nicht mehr auf nationalstaatlicher Ebene, und ihre Souveränität bleibt für die einzelnen Länder und ihre Regierungen unantastbar. In der Folge ist in den letzten Jahrzehnten auch die Organisation, Regulierung und Bedeutung von globalen Ordnungen der Politik, der Ökonomie, des Rechtswesens und der Kultur ins Zentrum zahlreicher Studien zur Globalisierung aus unterschiedlichen Disziplinen der Gesellschaftswissenschaften gerückt. Kann aber auch von einer Globalisierung der Philosophie gesprochen werden? Und, wenn ja, wie könnte man sich dieser Entwicklung nähern, und warum wäre es wichtig, dies zu tun? Hierzu muss zunächst geklärt werden, was unter 'Philosophie' zu verstehen ist. Denn, ganz allgemein, als Übung im Denken verstanden, könnte man meinen, die Philosophie kenne keine territorialen Grenzen. Meine Auffassung von Philosophie sperrt sich jedoch gegen die Idee, dass es ein Denken gebe, das von den sozialen, (geo-)politischen und ökonomischen Gegebenheiten völlig unbeeinflusst ist. Vielmehr betrachte ich Philosophie als eine im Hier und Jetzt verankerte Institution, als spezifische kulturelle Produktionsweise, die in einer globalisierten Welt situiert ist und sich daher mit besonderen - territorialen wie symbolischen - Grenzen konfrontiert sieht. Die Philosophie steht in einem ganz bestimmten Verhältnis zu diesen Grenzen: sei es, dass immer wieder ein Kraftakt unternommen wird, um diese zu überschreiten, sei es, dass die Philosophie an der Ausgestaltung eben dieser Grenzen aktiv beteiligt ist. Ich bin daher der Meinung, dass die Beziehungen des Denkens zu den territorialen und sozialen Entitäten, innerhalb und jenseits derer es stattfindet, der Rede wert sind. Dieses Buch ist in diesem Sinn

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