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Wiedererinnerter Idealismus von Brandom, Robert B. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.02.2015
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
17,99 €
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Wiedererinnerter Idealismus

Was unterscheidet uns Menschen von anderen Lebewesen? Laut dem großen amerikanischen Philosophen Robert Brandom vor allem die Tatsache, dass wir in unserem Handeln und Urteilen Verpflichtungen eingehen und Verantwortung für das übernehmen, was wir tun und sagen. Wir leben in einem "Raum von Gründen", insofern wir unser Tun stets rechtfertigen müssen und solche Rechtfertigungen auch von anderen verlangen. Menschliches Leben ist somit durch und durch normativ. In "Wiedererinnerter Idealismus" zeigt Brandom, dass der Ursprung dieser Einsichten bereits in der Philosophie Kants und Hegels zu finden ist. Seine fesselnden Studien beweisen die Aktualität und Bedeutung ihres Denkens für das Verständnis unserer Lebensform.

Robert B. Brandom einer der maßgeblichen amerikanischen
Philosophen der Gegenwart, ist Professor für Philosophie an der University of Pittsburgh.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 377
    Erscheinungsdatum: 08.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518736821
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1392kBytes
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Wiedererinnerter Idealismus

2
Autonomie, Gemeinschaft, Freiheit

2.1 Einleitung

Das Thema meines ersten Kapitels war die bahnbrechende normative Konzeption von Intentionalität, die zum Kern der kantischen Überlegungen zum menschlichen Geist gehört. Kant fasst Urteilen und Wollen als etwas auf, durch das wir spezifische Formen von Verantwortung übernehmen. Zugleich versteht er das, was man in ihnen bejaht - mögliche Urteilsinhalte und praktische Maximen -, auf der Grundlage dessen, wozu man sich dadurch verpflichtet, das heißt derjenigen Form praktischer Verantwortung, welche man auf diese Weise übernimmt. Die praktische Tätigkeit, zu deren Vollzug wir uns im Urteilen und Handeln verpflichten, besteht darin, die neuen Verpflichtungen in ein vereinigtes Ganzes zu integrieren , das all die anderen, von einem selbst anerkannten Verpflichtungen umfasst. Ein vereinigtes Ganzes ist es kraft der rationalen Beziehungen zwischen seinen Teilen. Wir haben die Pflicht, materiale Unvereinbarkeiten, die wir zwischen unseren je eigenen Verpflichtungen entdecken, aufzulösen, indem wir einige der widerstreitenden Elemente verwerfen oder abändern - dies ist unser aller Pflicht zur Kritik . Zugleich haben wir die Pflicht, die inferentiellen Folgerungen aus unseren eigenen Verpflichtungen als Verpflichtungen anzuerkennen - dies ist unser aller Pflicht zur Erweiterung .

Solche integrativen Tätigkeiten zu vollziehen bedeutet, etwas zu einem Selbst oder Subjekt zu synthetisieren, das sich als verantwortlich erweist für die einzelnen Verpflichtungen, durch die es gegliedert ist. Kants Pragmatismus verpflichtet ihn grundlegend auf folgende Methode: Dasjenige, wofür man in diesem Sinne verantwortlich bzw. worauf man verpflichtet ist - die Inhalte der eigenen Urteils- und Willensakte -, muss von dem her verstanden werden, wozu diese Akte samt ihren Inhalten einen verantwortlich machen; und dies besteht darin, die so eingegangenen Verpflichtungen kritisch zu prüfen und zu erweitern. Die Voraussetzung einer solchen Strategie ist somit, dass diese Inhalte die Beziehungen materialer Unvereinbarkeit und inferentieller Folgerung bestimmen, in denen sie zueinander stehen. (Denn dies ist nötig, damit man überhaupt Konflikte auflösen und Folgerungen ziehen kann.) Diejenigen Regeln, die diese rationalen Beziehungen festlegen, sind die Begriffe , die man im Urteilen und Wollen anwendet, wobei wir diese Tätigkeiten als Akte des Bejahens spezifisch diskursiver (das heißt begrifflicher ) Inhalte auffassen können.

Wer zwei Verpflichtungen als material miteinander unvereinbar bzw. in einer Beziehung inferentieller Folgerung zueinander stehend betrachtet, betrachtet sie, wie gesehen, letztlich als etwas, das auf einen einzelnen Gegenstand referentiell Bezug nimmt bzw. ihn repräsentiert . In diesen Verpflichtungen werden dem Gegenstand Eigenschaften zugesprochen, die einander aus- oder einschließen, selbst also miteinander unvereinbar sind bzw. in einer Folgerungsbeziehung zueinander stehen. Daher liefert der synthetisch-integrative Prozess mit seinen Aspekten der kritischen und erweiternden Tätigkeit (von denen Hegel mit der für ihn charakteristischen Bildlichkeit als einem "Ausatmen und Einatmen" spricht, welches die rational-organische Ganzheit des diskursiven Subjekts erhält) die Grundlage für das Verständnis beider Pole des intentionalen Nexus - des Subjekts und des Gegenstands. Ein Subjekt ist das, was miteinander unvereinbare Verpflichtungen zurückweist, insofern es diese nicht bejahen soll ; und ein Gegenstand ist das, was unvereinbare Eigenschaften abweist, insofern er diese nicht aufweisen kann . (Subjekte haben die Pflicht , die Folgerungen aus ihren Verpflichtungen zu bejahen, Gegenstände hingegen weisen notwendig jene Eigenschaften auf, die aus

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