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Der mündige Mensch Denkmodelle der Philosophie, Geschichte, Medizin und Rechtswissenschaft

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: WBG Academic
eBook (ePUB)
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Der mündige Mensch

Mündigkeit ist für demokratische, offene Gesellschaften ein entscheidender Begriff. Mündig soll der Bürger sein, um über alle Fragen frei und souverän diskutieren zu können. Aber ist er das immer? Und welche Rolle spielt die Mündigkeit außerhalb des politischen Raums? In der Ehe? Bei medizinischen Fragen? Bei wirtschaftlichen Problemen, z.B. Kaufentscheidungen? All dies wird hier interdisziplinär verhandelt, wobei sich die philosophische Konzeption der Mündigkeit wie ein roter Faden durch die Beiträge zieht. Ausgewiesene Fachleute stellen historische, medizinische, juristische und auch persönliche Blicke auf die Mündigkeit zusammen, die eine Annäherung an dieses wichtige Problem ermöglichen. Mit Beiträgen von Farideh Akashe-Böhme, Kai Buchholz, Gernot Böhme, Ute Gahlings, Andreas Gruschka, Thomas Hillenkamp, Wolf-Dieter Narr, Stefan Ruppert, Bernd Villhauer und Uwe Volkmann.

Prof. Dr. Gernot Böhme, geb. 1937, war am Institut für Philosophie der Universität Darmstadt tätig und ist einer der bekanntesten deutschen Philosophen. Zahlreiche Publikationen zu allen Bereichen des philosophischen Denkens. Prof. Dr. Gernot Böhme, geb. 1937, war am Institut für Philosophie der Universität Darmstadt tätig und ist einer der bekanntesten deutschen Philosophen. Zahlreiche Publikationen zu allen Bereichen des philosophischen Denkens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 158
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534703999
    Verlag: WBG Academic
    Größe: 1229 kBytes
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Der mündige Mensch

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Gernot Böhme
Einführung

Das Thema Der mündige Mensch enthält ein Paradox. Auf der einen Seite wird Mündigkeit quasi wie eine Naturgabe dem Menschen zugeschrieben, jedem Menschen, auf der anderen Seite wird dieses Attribut - oder ist es eine Kompetenz? - jedem Menschen eben zugeschrieben , d.h. von Rechts wegen verliehen. Und das jeweils in einem bestimmten Alter. Dabei wird zwischen Geschäftsmündigkeit, Religionsmündigkeit, Ehemündigkeit, Strafmündigkeit und politischer Mündigkeit unterschieden. Der Heranwachsende wird vom Gesetz jeweils von einem bestimmten Alter an mit einer bestimmten Mündigkeit ausgestattet. Dabei wird also unterstellt, dass der Einzelne Mündigkeit schrittweise mit dem Alter entwickelt, das heißt, und damit wird es ernst: er sollte in seiner Entwicklung jeweils zu einem bestimmten Datum so weit sein, dass er der zugeschriebene Mündigkeit auch entsprechen kann. Also: er sollte - in der BRD - im Alter von 14 Jahren in seinem moralischen und rechtlichen Bewusstsein, wie auch in seiner Fähigkeit aus Einsicht zu handeln, so weit sein, dass man ihm seine Taten schuldhaft zuweisen kann und er somit strafmündig ist (Hillenkamp). Oder er sollte im Alter von 18 Jahren in seiner persönlichen Reife und seinen Kompetenzen für andere zu sorgen so weit sein, dass er eine Ehe führen kann (Akashe-Böhme).

Mündigkeit, die zunächst wie ein stolzer Besitz des Menschen erscheint, die - nach Kant - mit seinem intelligiblen Charakter als Mensch mitgegeben ist, erweist sich also als eine gesellschaftliche Zumutung. Mündigkeit ist eine Norm, der der einzelne Mensch in seiner Entwicklung entsprechen muss, will er als vollwertiges Mitglied der Gesellschaft angesehen werden. Damit stellt sich die Frage wie - in den verschiedenen Dimensionen - Mündigkeit erworben werden kann, insbesondere, ob es eine Erziehung zur Mündigkeit gibt. Dass das genannte Paradox so aufgelöst werden kann und muss, wurde bereits von Immanuel Kant formuliert, wenn er in seiner Pädagogik sagt: "Der Mensch kann nur Mensch werden durch Erziehung". 1 Doch welches sind die Agenturen einer Erziehung zur Mündigkeit? Erzieht die Schule zur Mündigkeit? (Gruschka) Und kann man überhaupt diese Erziehung den Erziehungsinstitutionen - der Schule, der Familie - allein überlassen? Besteht nicht vielmehr die gesellschaftliche Zumutung der Mündigkeit darin, dass der Einzelne sich selbst um Mündigkeit bemühen muss? Wenn man noch hinzunimmt, dass der Aufstieg auf der Stufenleiter des Weges zur Mündigkeit keineswegs, wie es das Gesetz unterstellt, mit dem 18. Lebensjahr abgeschlossen ist, dann ist der Weg zur Mündigkeit als Programm der Selbstkultivierung auch eine Aufgabe des Institutes für Praxis der Philosophie e. V., IPPh . Und eben das wird dieses Buch zeigen, indem es Mündigkeit als Patientenmündigkeit und Konsumentenmündigkeit thematisiert (Böhme bzw. Buchholz). Gerade mit diesen Dimensionen von Mündigkeit wird die Kantische Forderung der Aufklärung nämlich als "Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit" 2 virulent. Denn als selbstverschuldet kann man Unmündigkeit ja erst in einem Stadium bezeichnen, in dem der Mensch eigentlich mündig sein sollte, also bei Erwachsenen. Es ist interessant, dass das deutsche Strafgesetzbuch ja bereits die Zumutung der Strafmündigkeit in Sinne einer Verpflichtung zur Selbstkultivierung auslegt - also keineswegs die Entwicklung des Einzelnen den Erziehungsinstanzen allein zuweist. Wenn beispielsweise eine Strafbarkeit wegen Verbotsirrtum (STGB
17) in Frage steht, so ist zusätzlich zu erwägen, ob der Täter diesen Verbotsirrtum hätte vermeiden können. Es wird dem Einzelnen also zugemutet, sich selbst darum zu kümmern, was Recht und was Unrecht ist. Wenn Kant Unmündigkeit als selbstverschuldet bezeichnet, so weist er damit für uns in erstaunlicher Weise auf das gegenwär

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