text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die kürzeste Geschichte der Philosophie von Warburton, Nigel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.10.2014
  • Verlag: Atlantik Verlag
eBook (ePUB)
15,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die kürzeste Geschichte der Philosophie

Von Sokrates über Leibniz bis hin zu Wittgenstein. Die großen philosophischen Fragen schnell und verständlich erklärt. Gibt es einen Gott, und wenn ja, warum lässt er Unrecht zu? Ist uns ein freier Wille gegeben oder nicht? Und ist der Mensch von Natur aus gut oder schlecht? In vierzig Kapiteln fasst Nigel Warburton 2400 Jahre Philosophiegeschichte zusammen. Er erklärt kurz, prägnant und verständlich die wesentlichen Theorien und Ideen der großen Denker und lädt zum Nachdenken, Streiten und Fragen ein. Nigel Warburton ist Dozent an der Open University. Darüber hinaus bietet er einen Podcast an und betreibt eine philosophische Website. Er gibt außerdem Kurse über Kunst und Philosophie am Tate Modern Museum. Er hat zahlreiche einführende und weiterführende Werke zur Philosophie veröffentlicht

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 280
    Erscheinungsdatum: 08.10.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455180008
    Verlag: Atlantik Verlag
    Größe: 2062 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die kürzeste Geschichte der Philosophie

1 Der Mann, der Fragen stellte

Sokrates und Platon

V or etwa 2400 Jahren wurde in Athen ein Mann zum Tode verurteilt, weil er zu viele Fragen stellte. Natürlich gab es schon vor ihm Philosophen, aber mit Sokrates nahm die Philosophie ihren eigentlichen Anfang. Und so könnte man ihn als ihren Schutzpatron bezeichnen.

Sokrates war dick und hässlich und benahm sich sonderbar. Er passte so gar nicht zu der Vorstellung, die sich die Leute von einem Philosophen machten. Doch obwohl sein Äußeres wenig ansprechend war, besaß er großes Charisma und einen messerscharfen Verstand. In Athen waren sich alle einig, dass es noch nie solch einen Mann wie ihn gegeben hatte und vermutlich kein zweites Mal geben würde. Er war einzigartig, konnte den Leuten aber auch ungeheuer auf die Nerven gehen. Er betrachtete sich selbst als eine Stechfliege, deren Stich unangenehm ist, aber nicht ernsthaft Schaden zufügt. Diese Ansicht teilten allerdings nicht alle Bewohner Athens. Einige verehrten ihn, andere fanden, dass er gefährlichen Einfluss vor allem auf die jungen Leute ausübe.

Als junger Mann war er ein tapferer Soldat gewesen, der in den Peloponnesischen Kriegen gegen die Spartaner und ihre Verbündeten kämpfte. Später lungerte er gern am Marktplatz herum, hielt von Zeit zu Zeit Passanten an, denen er sonderbare Fragen stellte. Das war mehr oder weniger alles, womit er sich beschäftigte. Aber die Fragen, die er stellte, waren ziemlich ungewöhnlich. Sie schienen einfach zu sein, aber nur auf den ersten Blick.

Überliefert ist zum Beispiel sein Gespräch mit einem gewissen Euthydemos. Sokrates fragte ihn, ob es unmoralisch sei, hinterlistig zu sein. Natürlich, erwiderte Euthydemos. Er meinte, das sei doch offensichtlich. Aber was ist, fragte Sokrates, wenn dein Freund sich sehr niedergeschlagen fühlt und sich mit Selbstmordgedanken trägt und du ihm sein Messer stiehlst? Wäre das nicht eine hinterlistige Handlung? Natürlich wäre es das. Aber ist es nicht eher moralisch als unmoralisch, so zu handeln? Es ist eine gute Sache, keine schlechte - auch wenn es eine hinterlistige Handlung ist. Ja, erwidert Euthydemos, der inzwischen völlig verwirrt ist. Sokrates wählte also ein kluges Beispiel, um zu zeigen, dass Euthydemos' allgemeine Aussage, dass eine hinterlistige Handlung immer auch unmoralisch sei, nicht auf jede Situation anzuwenden ist. Das war Euthydemos vorher nicht klar gewesen.

Sokrates demonstrierte den Menschen auf dem Marktplatz immer wieder von neuem, dass das, was sie für selbstverständlich hielten, nicht so selbstverständlich ist. Mit einem Militärführer unterhielt er sich zum Beispiel einmal darüber, was "Mut" bedeutet. Ein Thema, bei dem sich der Militärführer gut auszukennen glaubte. Aber nach der Unterhaltung mit Sokrates war er völlig durcheinander. Die Erfahrung muss beunruhigend gewesen sein. Sokrates liebte es, die Menschen an die Grenzen dessen zu führen, was sie zu verstehen glaubten, und die Ansichten, auf denen sie ihr Leben aufbauten, infrage zu stellen. Eine Unterhaltung, die damit endete, dass alle erkannten, wie wenig sie wussten, wertete er als Erfolg. Er fand, es sei besser zu zweifeln, als weiterhin in dem Irrglauben zu leben, etwas zu verstehen, wenn dies keinesfalls so war.

Zu dieser Zeit wurden in Athen die Söhne der Reichen zu den Sophisten in die Schule geschickt. Die Sophisten waren kluge Lehrmeister, die ihre Schüler in die Kunst der Rede (der Rhetorik) einführten, wofür sie hohe Gebühren verlangten. Sokrates dagegen verlangte nie etwas für seine Unterweisungen. Er behauptete, er wisse selbst eigentlich gar nichts, wie konnte er sich da also als Lehrer aufführe

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen