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Die Praxis des Vertrauens von Hartmann, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.08.2011
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die Praxis des Vertrauens

Vertrauen ist als Thema allgegenwärtig. Ob von Politikverdrossenheit, Bankenkrise oder Mißbrauchsskandalen die Rede ist - stets wird vorausgesetzt, daß Vertrauen eine zentrale Ressource sozialen Handelns ist, die nur schwer hergestellt, aber schnell zerstört werden kann. Aber was ist Vertrauen? Wie wird es geschaffen, wie zerstört? Wem sollten wir vertrauen, wem eher mit Mißtrauen begegnen? Martin Hartmann unternimmt in dieser profunden Studie den Versuch, Vertrauen sowohl begrifflich als auch historisch zu klären. Er veranschaulicht seine theoretischen Überlegungen immer wieder mit konkreten Beispielen aus Politik, Wirtschaft und Familie. Vertrauen, so zeigt er, reduziert nicht Komplexität, wie oft vermutet, es ist selbst ein hochkomplexes Phänomen, das deutlich macht, wie zerbrechlich und anspruchsvoll Prozesse der Vertrauensbildung sind. Martin Hartmann ist Professor für Philosophie am Philosophischen Seminar der Universität Luzern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 541
    Erscheinungsdatum: 02.08.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518762004
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1495 kBytes
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Die Praxis des Vertrauens

39 1. Begriffsanalyse

Ein Buch, das den Begriff des Vertrauens theoretisch erhellen will, hat verschiedene Optionen. Es kann, wie das häufig geschieht, den Begriff auf seine verschiedenen Bedeutungsschichten hin abklopfen, um diese so klar und eindeutig wie möglich auszubuchstabieren. Vor allem die Texte zum Vertrauen, die im weitesten Sinne der analytischen Philosophie zugehören, verfahren auf diese Weise. Sie legen sich den Begriff des Vertrauens vor und versuchen dann, seine wesentlichen – notwendigen und hinreichenden – semantischen oder grammatischen Eigenschaften zu benennen. Sie ergänzen diese sprachphilosophische Perspektive in der Regel durch die Angabe typischer Situationen des Vertrauens und meinen damit Situationen, auf die der Begriff des Vertrauens sinnvoll angewendet werden kann. Zur Klärung des Begriffs ist es dabei keineswegs nötig, dass die einer Situation zugehörigen Akteure selbst den Begriff des Vertrauens zu deren Beschreibung verwenden. Ja, es kann zur Grammatik des Vertrauens gehören, dass sich der Begriff nur dann sinnvoll auf eine Situation anwenden lässt, wenn sich die beteiligten Akteure nicht explizit darüber im Klaren sind, dass sie einander vertrauen. Das Vertrauen zeigt sich dem Betrachter, es hat offensichtliche praktische Implikationen, aber damit es leisten kann, was es leisten soll, dürfen die Akteure nicht darüber nachdenken, ob sie einander vertrauen oder nicht. Vertrauen, so könnte eine grammatische Lesart lauten, bedeutet gerade Freiheit von Reflexion, es bedeutet , dass wir nicht über die möglichen kooperativen Motive anderer nachdenken, dass wir diese Motive nicht kalkulieren oder berechnen. Eine solche Interpretation des Vertrauens impliziert naturgemäß, dass sich die volle Bedeutung des Vertrauens nur einer externen, unbeteiligten oder handlungsentlasteten Perspektive enthüllt.

Begriffsanalysen des Vertrauens haben gewiss ihre Vorteile. In dem Maße etwa, wie sie sich auf der Basis alltäglicher Begriffsverwendungen darum bemühen, Maßstäbe der richtigen Begriffsverwendung ausfindig zu machen, bleiben sie intersubjektiv überprüfbar und entgehen damit scheinbar vageren introspektiven Analysemethoden, die vorgeben, durch Beobachtung je eigener 40 Bewusstseinszustände Auskunft über ein Phänomen wie Vertrauen zu erhalten. Sie scheinen darüber hinaus ein größeres Gespür für die besondere Logik der untersuchten Begriffe zu haben. So wirkte es im Bereich der Analyse menschlicher Gefühle wie ein Befreiungsschlag, als Anthony Kenny in seinem berühmten Buch Action, Emotion and Will unmissverständlich erklärte, dass jedem Gefühl ein begrenzter Objektbereich entspricht und dass diese Begrenzung der Logik des jeweiligen Gefühlsbegriffs folgt. Wir sind nicht neidisch auf das, was wir selbst geleistet haben, sondern nur auf das, was andere geleistet haben. Gefühlsbegriffe sind intentional auf bestimmte Objekte gerichtet, auf andere aber nicht. Die formalen Objekte mentaler Einstellungen wiederum lassen sich explizit machen, lassen sich ausbuchstabieren und können so als Grundlage einzelner Gefühlseinstellungen behandelt werden. Wenn wir nicht glauben oder annehmen oder davon überzeugt sind, dass die Leistung A einem anderen zugerechnet werden muss, können wir auch nicht auf diese Leistung neidisch sein. Neid impliziert einen solchen Glauben. ?[20]

Befreiend wirkte diese Art der Analyse, weil sie Gefühle endlich den körperlichen Empfindungen entwand, denen sie lange Zeit, so jedenfalls die Wahrnehmung Kennys und anderer, zugeordnet waren. Wir haben Schmerzen im Knie, aber es sieht nicht so aus, als würde sich dieser Schmerz auf irg

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