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Geschichte der Philosophie Bd. 11: Die Philosophie des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts 1: Pragmatismus und Analytische Philosophie von Basile, Pierfrancesco (eBook)

  • Verlag: Verlag C.H.Beck
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Geschichte der Philosophie Bd. 11: Die Philosophie des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts 1: Pragmatismus und Analytische Philosophie

Der Band bietet eine einführende und zugleich kritische Darstellung zweier der lebendigsten philosophischen Strömungen des letzten Jahrhunderts, vor allem in dessen erster Hälfte: der analytischen Philosophie und des amerikanischen Pragmatismus. In Teil I werden Autoren wie Bolzano, Brentano oder Mach besprochen, bei denen Ansätze der analytischen Denkweise zu erkennen sind. Dieser Teil stammt von Wolfgang Röd. Die beiden anderen Teile wurden von Pierfrancesco Basile verfaßt; sie behandeln den amerikanischen Pragmatismus (Teil II) und die analytische Tradition von Frege bis Quine (Teil III).

Pierfrancesco Basile, geb. in Bozen, studierte Philosophie in Bologna und den USA. Er ist Privatdozent am Institut für Philosophie an der Universität Bern. Wolfgang Röd war bis zu seiner Emeritierung Ordinarius für Philosophie am Philosophischen Institut der Universität Innsbruck und ist Herausgeber und Autor der bei C.H.Beck erscheinenden Reihe 'Geschichte der Philosophie'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 365
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406671630
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2881 kBytes
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Geschichte der Philosophie Bd. 11: Die Philosophie des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts 1: Pragmatismus und Analytische Philosophie

II. Franz Brentano

1. Leben und wichtigste Werke

Franz Brentano (geb. 1838 in Marienberg bei Boppard am Rhein) läßt sich keiner der großen Richtungen der damaligen Philosophie zuordnen. Seine philosophische Denkweise ist durch logische Schärfe und Respekt vor der Empirie bei gleichzeitiger Hinwendung zur Metaphysik gekennzeichnet. Daher steht seine Philosophie im Gegensatz sowohl zum kritischen und spekulativen Idealismus als auch zum zeitgenössischen Positivismus. Unter dem Einfluß seines Lehrers Trendelenburg (s. Bd. X, Kap. I, 4 c) setzte er sich mit der Aristotelischen Philosophie auseinander und widmete ihr seine ersten Veröffentlichungen, nämlich "Von der mannigfachen Bedeutung des Seienden bei Aristoteles" (1862, Dissertation) und "Die Psychologie des Aristoteles, insbesondere seine Lehre vom Nous poietikos" (1867).[ 1 ] Mit der letzteren Arbeit habilitierte er sich in Würzburg und wurde dort 1872 Professor. 1874 erschien die "Psychologie vom empirischen Standpunkt", die ungeachtet des Titels auch ein philosophisches Werk ist, wie denn Brentano Philosophie und Psychologie als zusammengehörig betrachtete. 1889 veröffentlichte er die Abhandlung "Vom Ursprung sittlicher Erkenntnis". Seine späteren philosophischen Auffassungen sind in einer Reihe von Schriften enthalten, die nicht mehr von ihm selbst, sondern von Anhängern seiner Philosophie herausgegeben wurden.[ 2 ]

Kurz vor dem Erscheinen der "Psychologie" war Brentano an die Universität Wien berufen worden, wo er als Lehrer großen Einfluß ausübte. Viele seiner Schüler schlugen die akademische Laufbahn ein und trugen zur Verbreitung seiner Philosophie, vor allem in der österreichisch-ungarischen Monarchie, bei. Er wirkte schulbildend (siehe unten) und bahnte den Weg zur Phänomenologie (s. Band XII).

Brentano war katholischer Priester, trat aber aus der Kirche aus, weil er gewissen Dogmen, vor allem dem Unfehlbarkeitsdogma, nicht zustimmen konnte.[ 3 ] Dennoch galt er in Österreich noch als Priester, weshalb er sich nicht verheiraten konnte. Um eine Ehe eingehen zu können, gab er die österreichische Staatsangehörigkeit auf und verlor damit die Professur (1880). Er lehrte mehrere Jahre als Privatdozent und verließ schließlich verbittert das Land. Seit 1895 lebte er in Italien, nach 1915 in der Schweiz; er starb 1917 in Zürich.
2. Erkenntnistheorie und Psychologie

Brentano entwarf eine Philosophie, in deren Mittelpunkt Erkenntnistheorie, Ontologie und Ethik stehen und die insofern "wissenschaftlich" ist, als sie auf einer "natürlichen" Methode beruht, das heißt nur Sätze zuläßt, die evident oder aus evidenten Sätzen abgeleitet, mindestens aber hinreichend wahrscheinlich sind. Seine Erkenntnistheorie ist empirisch, sofern sie auf Erfahrungsaussagen über psychische Phänomene beruht; sie ist nicht empiristisch, denn sie führt nicht zum Ausschluß metaphysischer Auffassungen.

Die Grundbegriffe der Philosophie sind nach Brentanos Überzeugung nur mit den Mitteln der Psychologie zu klären, allerdings einer Psychologie, die psychische Phänomene beschreibt und klassifiziert, ohne sie (zum Beispiel durch Zurückführung auf physiologische Zusammenhänge[ 4 ]) erklären zu wollen. Die deskriptive Psychologie knüpft an die innere Wahrnehmung an, die nach Brentano nicht in Zweifel gezogen werden kann; sie hat grundlegende Begriffe der Erkenntnistheorie, wie "Vorstellung", "Urteil", "Evidenz" usw., zu analysieren. Mit der psychologischen Fundierung der Philosophie soll ihr Anspruch auf Wissenschaftlichkeit gerechtfertigt werden.[

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