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Kognition Grundwissen Philosophie von Walter, Sven (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 05.02.2014
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Kognition

Kognition, so die traditionelle Auffassung, ist derjenige Prozess, der zwischen Sinneseindrücken und Handlungen vermittelt. Diese Auffassung fand ihren paradigmatischen Ausdruck Mitte des 20. Jahrhunderts im Computermodell des Geistes. Seit etwa 1990 jedoch geht es der Kognitionswissenschaft nicht mehr nur um interne Prozesse, sondern sie richtet ihre Aufmerksamkeit vermehrt darauf, dass kognitive Prozesse wesentlich von unserem Körper sowie unserer Einbettung in und unserer Interaktion mit unserer natürlichen, technischen und sozialen Umwelt abhängen. Diesen Wandel stellt Sven Walter dar. Text aus der Reihe 'Grundwissen Philosophie' mit Seitenzählung der gedruckten Ausgabe.

Sven Walter, geboren 1974, ist Professor für Philosophie des Geistes am Institut für Kognitionswissenschaft der Universität Osnabrück. Buchveröffentlichungen u. a.: Handbuch Kognitionswissenschaft (Hg., zus. mit A. Stephan, 2013); The Oxford Handbook of Philosophy of Mind (Hg., zus. mit B. McLaughlin und A. Beckermann, 2011); Mentale Verursachung (2006).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 140
    Erscheinungsdatum: 05.02.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159604305
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 319 kBytes
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Kognition

[11] 1. Die traditionelle Auffassung von "Kognition"

Der Ausdruck "Kognition" hat keine klare Definition. Viele der in diesem Buch nachgezeichneten Kontroversen entstehen überhaupt nur deshalb, weil wir uns uneins darüber sind, was Kognition ist, wo in der Welt kognitive Prozesse ablaufen, wie kognitive Systeme strukturiert sind und was sie zu dem macht, was sie sind. Dieses Kapitel stellt das vor, was man die "traditionelle Auffassung von Kognition" nennen könnte. Es handelt sich dabei weniger um eine präzise Explikation des Kognitionsbegriffs als um eine Reihe historisch gewachsener und teils vager Abgrenzungen, die in nahezu keiner Hinsicht unumstritten sind. Die diversen Präzisierungsversuche, Einwände und Gegenentwürfe, zu denen diese traditionelle Auffassung geführt hat, sind Gegenstand der folgenden Kapitel.

Etymologisch geht der Ausdruck "Kognition" auf die lateinischen und griechischen Ausdrücke für erkennen, wahrnehmen oder wissen, "cognoscere" und "gignoskein", zurück. Vor diesem sprachgeschichtlichen Hintergrund wurde Kognition oft mit Emotion und Motivation kontrastiert. "Alle Seelenvermögen oder Fähigkeiten", so zum Beispiel schon Immanuel Kant 1790 in der Einleitung zur Kritik der Urteilskraft , "können auf die drei zurückgeführt werden, welche sich nicht ferner aus einem gemeinschaftlichen Grunde ableiten lassen: das Erkenntnisvermögen , das Gefühl der Lust und Unlust und das Begehrungsvermögen ". 1 Die Vermögenspsychologie des 19. Jahrhunderts griff diese Dreiteilung auf und identifizierte mit Erkenntnis, Gefühl und Wille schon jene geistigen Vermögen ( facultates mentales ), denen noch heute nachgesagt wird, zusammen die gesamte Bandbreite unseres geistigen Lebens abzudecken. 2 Kognitiv wären demnach also jene mentalen Phänomene, die nicht das Fühlen und Wollen, [12] sondern das Denken betreffen. Diese strikte Kontrastierung von Kognition mit Emotion und Motivation ist allerdings umstritten (s. Kap. 11). Vor allem aber sagt sie nichts darüber aus, was mit "Kognition" in diesem engen Sinne von "Denken" eigentlich gemeint ist.

Im Zusammenhang mit der Rede von Kognition wird Denken oft mit Problemlösen gleichgesetzt. Wir sind ständig mit Problemen unterschiedlichster Art konfrontiert, auf die wir angemessen und effizient reagieren müssen: Wir sehen, dass unser Gegner das Schachspiel mit einem Zug von e2 nach e4 eröffnet; wir haben gelernt, zuerst die Zentralbauern ins Spiel zu bringen, und planen, mit dem Springer das Zentrum zu sichern; wir erinnern uns, dass wir mit der Französischen Verteidigung schlechte Erfahrungen gemacht haben; wir wägen alternative Eröffnungen ab und entscheiden uns für Sizilianisch – wir ziehen von c7 nach c5. Oder: Wir sehen, dass es kurz nach sieben Uhr ist; da wir wissen, dass um acht die Gäste kommen, und wir die Menüfolge gut durchdacht haben, schließen wir, dass wir jetzt die Nachspeise kalt stellen und dann das Risotto aufsetzen sollten, damit wir, während es simmert, das Fleisch anbraten können – wir greifen zur Schüssel mit der Nachspeise, gehen zum Kühlschrank und bringen auf dem Rückweg den Reis mit. Episoden wie diese beginnen damit, dass Licht unterschiedlicher Wellenlänge auf unsere Netzhaut (Retina) trifft und auch andere Sinnesorgane stimuliert werden: Wir haben einen Sinneseindruck. Sie enden damit, dass sich unser Körper auf bestimmte Weise bewegt: Wir handeln. Traditionell wurden kognitive Prozesse als dasjenige angesehen, was zwis

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