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Menschenwürde von Pfordten, Dietmar von der (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.03.2016
  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Menschenwürde

Die Griechen der Antike kannten den Begriff der "Würde" noch nicht. Und von der römischen "dignitas" bis zur ethischen, politischen und rechtlichen Entfaltung der Menschenwürde war es ein weiter Weg. In den klassischen Menschenrechtserklärungen des 18. und 19. Jahrhunderts war die Menschenwürde nicht enthalten. Erst im 20. Jahrhundert wurde sie im Recht verankert und zum obersten Gebot der Moral. Wieso taucht die Einsicht in die Würde so spät auf? Was ist die Menschenwürde überhaupt? Und wodurch wird sie verletzt? Dieses Buch wendet sich an jeden, der die Menschenwürde als zentralen Wert von Ethik, Recht und Staat besser verstehen will. Dietmar von der Pfordten ist Professor für Rechts- und Sozialphilosophie an der Georg-August-Universität Göttingen und Direktor der Abteilung für Rechts- und Sozialphilosophie. Bei C.H.Beck liegt von ihm vor: Rechtsethik (22011) und Rechtsphilosophie. Eine Einführung (C.H.Beck Wissen, 2013).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 128
    Erscheinungsdatum: 08.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406688386
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 2518 kBytes
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Menschenwürde

III. Auffassungen der Menschenwürde

Trotz des gefestigten Begriffsverständnisses und der klaren rechtlichen Regelung der Menschenwürde im Sinne der großen, kleinen, mittleren und ökonomischen Würde, finden sich vor allem in der Philosophie die unterschiedlichsten Vorschläge zu einer Interpretation des Begriffs der Menschenwürde. Manche versuchen, den Begriff zu reduzieren, nicht selten weil er zu ihrer reduktiven oder utilitaristischen bzw. konsequentialistischen Ethikvorstellung nicht passt. Die folgenden Interpretationen der Menschenwürde sind nach abnehmender Stärke bzw. zunehmend reduktivem Charakter geordnet.
1. Selbstbestimmung über die eigenen Belange

Ausgangspunkt der stärksten Interpretation ist der große Begriff der Menschenwürde, wie er seit zweitausend Jahren vor allem von Cicero, den christlichen Denkern und Kant entwickelt und durch die Charta und Allgemeine Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen sowie Art. 1 des deutschen Grundgesetzes und die EU-Charta statuiert ist, also der Begriff einer inneren, im Kern unveränderlichen, notwendigen und allgemeinen Eigenschaft des Menschen. Diese Eigenschaft wurde vor allem seit Kant von metaphysischen und religiösen Fundamenten gelöst und als Selbstbestimmung bzw. Autonomie des Menschen konkretisiert. Die weiterführende Frage lautet dann: Wie ist diese Menschenwürde als Selbstbestimmung genauer zu verstehen?

Einige neuere Autoren haben versucht, die innere Eigenschaft der großen Menschenwürde mit Hilfe des Begriffs der Freiheit zu konkretisieren, etwa als Willensfreiheit (Tiedemann, Menschenwürde als Rechtsbegriff, S. 253ff.) oder als innere Freiheit (Goos, Innere Freiheit, S. 95ff.). Die Interpretation als Freiheit ist sicherlich so weit zutreffend, als sich die Begriffe der Selbstbestimmung und der Freiheit in ihrer Bedeutung überlappen. Das ist allerdings nur teilweise der Fall. Worin liegt die Differenz? Der Begriff der Selbstbestimmung kann sich erstens auf die Entscheidungsfreiheit beschränken und hat zweitens auch eine praktisch-normative Bedeutung. Selbstbestimmung ist immer gegen Fremdbestimmung gerichtet, geschehe diese Fremdbestimmung durch andere, einen selbst oder einen Teil von einem selbst, etwa den eigenen Körper, z.B. im Fall der Folter. Der Begriff der Freiheit kann diese praktisch-normative Bedeutung des Begriffs der Selbstbestimmung annehmen und wird dann synonym mit dem Begriff der Selbstbestimmung. Der Begriff der Freiheit kann aber auch rein deskriptiv-theoretisch verstanden werden. Die normative Dimension ist also nicht notwendig für ihn. Was ist der Grund für diese Bedeutungsdifferenz zwischen den Begriffen der Freiheit und der Selbstbestimmung?

Der Begriff der Freiheit verweist - wie bereits Kant festgestellt hat - auf ein sehr grundlegendes Phänomen bzw. Faktum. Dieses Phänomen ist ohne Zweifel eine metaphysisch-ontologische Grundlage der Selbstbestimmung des Menschen und damit der großen Menschenwürde. Aber als metaphysisch-ontologische Grundlage umfasst das Faktum der Freiheit nicht die praktischnormative Dimension der Selbstbestimmung. Das bedeutet: Der Begriff der Selbstbestimmung und damit der großen Menschenwürde setzt zwar die Freiheit als Faktum zumindest in der minimalen Form der Entscheidungsfreiheit voraus. Er verknüpft dieses Faktum aber bereits mit einer Bewertung bzw. Verpflichtung. Diese normative Dimension wird ausgeblendet, wenn man die Menschenwürde als Willensfreiheit oder innere Freiheit charakterisiert. Der Versuch, den Begriff der Menschenwürde durch den Begriff der Freiheit zu explizieren, geht also vom Begriff der Selbstbestimmung quasi einen Begründungschritt zurück, statt einen Schritt vorwärts zu gehen. Er formuliert die faktische Grundlage der Selbstbestimmung, konkretisiert die Selbstbestimmung aber nicht. Im Übrigen kann der Versuch, die Menschenwürde als Freiheit zu verstehen, auch nicht erklären, warum man

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