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Mit Wittgenstein bei Kerzenschein Ein Lesebuch für Nachdenkliche

  • Erscheinungsdatum: 23.10.2020
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
8,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
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Mit Wittgenstein bei Kerzenschein

Ganz entspannt Gedanken lesen 'Im Denken gibt es eine Zeit des Pflügens und eine Zeit der Ernte', stellte Ludwig Wittgenstein fest. Die philosophischen Früchte dieser Arbeit sind bequem vom Lehnstuhl aus zu genießen. Konfuzius, Karl Jaspers, Simone de Beauvoir und andere reflektieren über die großen und kleineren Fragen des menschlichen Daseins, über Gott und die Welt, über Gewissheit und Erkenntnis, über die Macht der Sprache, aber auch über den Zweifel. Ihre Antworten bieten vielfältige Anregungen, die wichtigen Dinge des Lebens aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten.

Dr. Matthias Viertel, geb. 1952, studierte Evangelische Theologie, Philosophie und Musikwissenschaft. Als Pastor war er Referent der norddeutschen Kirchen beim NDR, viele Jahre Direktor der Evangelischen Akademie Hofgeismar, Leiter der Initiative Glaube und Bildung in Lübeck und Gemeindepastor in Kiel. Aus seiner Feder stammen zahlreiche Publikationen sowie Beiträge für verschiedene Rundfunksender.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 23.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423437875
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv Taschenbücher 34985
    Größe: 2085 kBytes
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Mit Wittgenstein bei Kerzenschein

Giordano Bruno
Dialog über die Unendlichkeit der Welt

ELPINO: Wie kann denn das Universum unendlich sein?

PHILOTHEO: Wie kann denn das Universum endlich sein?

ELPINO: Wollt Ihr behaupten, diese Unendlichkeit lasse sich beweisen?

PHILOTHEO: Wollt Ihr behaupten, diese Endlichkeit lasse sich beweisen?

FRACASTORIO: Ad rem, ad rem, si iuvat [zur Sache, zur Sache, wenn's gefällig ist], schon zu lange habt Ihr uns auf die Folter gespannt!

BURCHIO: Kommt bald zu ein paar Gründen, Philotheo, denn es wird mir ein Vergnügen sein, dieses Märchen, diese Ausgeburt der Phantasie anzuhören.

FRACASTORIO: Modestius [bescheidener], Burchio: Wie, wenn die Wahrheit dich am Ende überzeugen würde?

BURCHIO: Und wenn es auch wahr wäre, ich würde es doch nicht glauben; dieses Unendliche kann mein Kopf nicht fassen, noch kann mein Magen es verdauen - obwohl es mir sozusagen gelegen käme, wenn es so wäre, wie Philotheo sagt; denn falls ich je das Mißgeschick hätte, aus dieser Welt hinauszufallen, geriete ich doch immer an irgendeinen Ort.

ELPINO: Eins ist gewiß, Philotheo: Wenn wir die Sinne zu Richtern machen, oder wenn wir ihnen auch nur die Vorrangstellung einräumen, welche ihnen dafür gebührt, daß alle Kenntnis in ihnen ihren Ursprung hat, dann werden wir es vielleicht schwierig finden, eher auf das zu schließen, was du sagst, als auf das Gegenteil. Beginnt nun, wenn es Euch recht ist, mich zu belehren.

PHILOTHEO: Es gibt keinen Sinn, der das Unendliche sieht, es gibt keinen Sinn, von dem diese Schlußfolgerung verlangt würde; denn das Unendliche kann nicht Gegenstand der Sinne sein; und daher ist, wer es mittels der Sinne zu erkennen verlangt, wie einer, der die Substanz und die Essenz mit Augen sehen will; und wer etwa deshalb ihre Existenz abstritte, weil sie nicht fühlbar oder sichtbar sei, käme dahin, sein eigenes Sein und Wesen zu leugnen. Es muß daher bei der Befragung der Sinne als Zeugen eine bestimmte Form eingehalten werden: Wir schenken ihnen nur bei wahrnehmbaren Dingen Gehör, und auch da nicht ohne den Verdacht, ob sie nicht im Verein mit der Vernunft zu ihrem Urteil kommen. Dem Intellekt kommt es zu, Rechenschaft zu geben über abwesende Dinge, die durch zeitlichen Abstand und räumliche Entfernung von uns getrennt sind. Und es ist uns in diesem Fall vollkommen genug, und wir haben ein hinreichendes Zeugnis durch die Sinne, da sie nämlich nicht in der Lage sind, uns zu widersprechen, und außerdem ihre Schwäche und Unzulänglichkeit durch den Anschein der Endlichkeit zeigen und eingestehen, den sie durch den Horizont hervorrufen, an dessen Hervorbringung schon zu sehen ist, wie unbeständig sie sind. Da wir nun aus Erfahrung wissen, daß die Sinne uns über die Oberfläche dieser Erdkugel täuschen, müssen wir ihnen um so mehr mit Vorsicht begegnen, was jene Begrenzung angeht, die sie uns im Sternengewölbe erblicken lassen.

ELPINO: Sagt: Wozu dienen uns dann die Sinne?

PHILOTHEO: Nur dazu, die Vernunft anzuregen, Klage zu erheben, und dazu, ein parteiisches Zeugnis abzulegen - nicht dazu, umfassend Zeugnis zu geben, und ebensowenig zum Urteilen und Verdammen. Denn wie vollkommen sie auch sein mögen, nie sind sie ohne irgendwelche Trübungen. Weshalb die Wahrheit zu einem geringen Teil von den Sinnen herkommt, wie von einem schwachen Ausgangspunkt, aber nicht in den Sinnen ist.

ELPINO: Wo denn also?

PHILOTHEO: Im wahrnehmbaren Gegenstand wie in einem Spiegel, in der Vernunft in der Weise der Argumentation und Rede, im Intellekt in der Weise der Voraussetzung oder Folge, im Geist in der eigentlichen und lebendigen Form.

ELPINO: Wohlan denn, bringt Eure Gründe vor.

PHILOTHEO: Da

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