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Philosophie des Geistes Grundwissen Philosophie von Sturma, Dieter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.03.2016
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
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Philosophie des Geistes

Was ist Bewusstsein? Im Zeitalter der Hirnforschung und Künstlichen Intelligenz entwickelt die Philosophie des Geistes neue Antworten auf die alte Frage nach dem Verhältnis von Bewusstsein und Körper. Klar und prägnant erläutert Dieter Sturma ihre Ansätze.

Dieter Sturma ist Professor für Philosophie an der Universität Bonn. Zahlreiche Bücher und Aufsätze zur philosophischen Anthropologie, Philosophie des Geistes und Ethik.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 139
    Erscheinungsdatum: 11.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159601137
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 562 kBytes
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Philosophie des Geistes

[14] Die Außenperspektive: Das psychophysische Problem

Erlebnisse und Ereignisse

Im systematischen Zentrum der Philosophie des Geistes steht das psychophysische Problem. Es äußert sich in der Schwierigkeit, das konkrete Verhältnis zwischen psychischen und physischen Zuständen auf theoretisch befriedigende Weise zu erfassen. Das psychophysische Problem hat im Laufe der Philosophiegeschichte unterschiedliche Ausprägungen erfahren, die sich im spannungsreichen Verhältnis zwischen Begriffen wie "Leib" und "Seele", "Körper" und "Bewusstsein", "physische Zustände" und "psychische Zustände" oder "Ereignis" und "Erlebnis" zeigen. Dabei ist der jeweilige semantische Zugriff für die spezifische Ausgestaltung des psychophysischen Problems von entscheidender Bedeutung. Die Begriffswahl präformiert den Gegenstandsbereich, indem sie andere semantische Optionen ausblendet und das thematische Spektrum verengt. Diese Einschränkungen können methodisch sinnvoll sein und müssen nicht von vornherein auf Eliminationen oder konstruktive Verstellungen des Phänomens menschlichen Bewusstseins hinauslaufen.

In der Geschichte der Philosophie des Geistes hat es immer wieder Grundbegriffe gegeben, die ihren Sinn und ihre Bedeutung verändert haben. Das gilt insbesondere für die Begriffe "Seele" und "Ich", die in der Perspektive moderner Methoden der Philosophie des Geistes nur noch in metaphorischer Hinsicht anwendbar sind. Der Nachweis, dass Grundbegriffe aus semantischen und methodischen Gründen nicht länger haltbar sind, löst nicht das psychophysische Problem als solches. Wer den Begriff der Seele nicht für theoriefähig hält, hat sich nicht mehr mit einem Leib-Seele-Problem zu [15] befassen, wohl aber noch das Verhältnis von Ereignissen und Erlebnissen zu klären. Ähnliches gilt für diejenigen, die eine klare Körper-Bewusstsein-Trennung nicht mehr akzeptieren wollen. Sie müssen zwar kein Körper-Bewusstsein-Problem mehr lösen, haben aber immer noch zu zeigen, wie Erlebnisse mit Ereignissen zusammenhängen. Schließlich müssen diejenigen, die glauben, es gebe gar kein psychophysisches Problem, erklären, wie es überhaupt möglich ist, dass einige materielle Entitäten sich bewusst auf andere materielle Entitäten beziehungsweise auf eine Gesamtheit von materiellen Entitäten beziehen. Selbst die Leugnung, dass es überhaupt psychische Phänomene gebe, die nicht ausschließlich physische Ereignisse seien, kann sich nur als psychischer Zustand vollziehen.

Einen frühen Ausdruck findet das psychophysische Problem im Leib-Seele-Problem der antiken und mittelalterlichen Philosophie. Die Frage nach dem Verhältnis von Leib und Seele berührt Sachverhalte, die auch noch in der neueren Philosophie des Geistes präsent sind. Das gilt vor allem für den Umgang mit den Unterschieden zwischen psychischen und physischen Zuständen.

Die antike Philosophie bietet unterschiedlichste Ansätze auf, um das Verhältnis von Seele und Leib philosophisch zu deuten. Während Platon (428/27-348/47 v. u. Z.) eine grundsätzliche Unabhängigkeit von Leib und Seele unterstellt, ist Aristoteles (384-322 v. u. Z.) darum bemüht, zwischen beiden Bestimmungen eine Beziehung herzustellen. Ihm gilt die Seele als Prinzip der Entfaltung eines lebendigen Körpers, die aufgrund ihrer Funktion an dessen Existenz gebunden bleibt. In dieser grundlegenden Bedeutung ist die Seele noch nicht Bewusstsein. Der aristotelische Ansatz hat zwar eine lange Wirkungsgeschichte, er hat sich jedoch nicht bis in die Hauptströmungen der gegenwärtigen Philosophie des Geistes durchgehalten.

Platon und Aristoteles werden gemeinhin als Vorläufer dualistischer und naturalistischer Theorien des Geistes [16] angesehen. Daneben finden sich in der Antike atomistische oder holistische Ausprägungen des Naturalismus. Leukipp (geboren ca. 480/70 v. u. Z.), Demokrit (ca. 460-370 v. u. Z.) und Epikur (341-271 v. u. Z.) gehen davon aus, dass sich die

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