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Wann ist Bildung gerecht? Ethische und theologische Beiträge im interdisziplinären Kontext

  • Erscheinungsdatum: 01.07.2008
  • Verlag: wbv Media
eBook (PDF)
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Wann ist Bildung gerecht?

Die Beiträge vermitteln einen Einblick in die interdisziplinären Forschungen von theologischen EthikerInnen, die sich mit Bildungsgerechtigkeit auseinandersetzen. Die Bedeutung von ethischer Bildung für die Qualität der Selbstbestimmung des Einzelnen und seine Teilnahme an gesellschaftlich-politischen Prozessen ist dabei ebenfalls relevant. Damit verknüpft ist auch die Frage, unter welchen Erfolgs- und Risikobedingungen heutige ethische Identitätsbildung steht.

Dieses Buch versammelt die wichtigsten Beiträge des Fachkongresses "Ethische Bildung in sich verändernder Gesellschaft" der Internationalen Vereinigung für Moraltheologie und Sozialethik aus dem Jahr 2007.

Der Autor

Hans Jürgen Münk lehrt am Institut für Sozialethik der Universität Luzern.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 344
    Erscheinungsdatum: 01.07.2008
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783763945894
    Verlag: wbv Media
    Serie: Forum Bildungsethik Bd.4
    Größe: 1222 kBytes
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Wann ist Bildung gerecht?

Konzeption einer kriminalpräventiven Ethik (S. 196-197)

Dieter Hermann

1. Einleitung, Fragestellung, Übersicht

Der Ruf nach einer allgemein akzeptierten Ethik erschallt immer dann besonders laut, wenn gesellschaftliche Probleme offensichtlich werden. Nimmt die Gewalt in einer Gesellschaft bedrohliche Züge an, werden spektakuläre Fälle von Korruption oder Bestechung bekannt oder korrespondieren Erfindungen und Entdeckungen wie Kernkraft und Genforschung mit einer Gefährdung von Mensch oder Natur, sollen Ethiken Abhilfe schaffen und eine regulative und korrektive Funktion übernehmen.

Dies scheint in fortgeschrittenen modernen Gesellschaften jedoch nur bedingt möglich zu sein, denn der soziale Wandel, den westliche Gesellschaften in der Nachkriegszeit erfahren haben, hat zu einem Bedeutungsverlust von Ethiken geführt. Insbesondere christliche Ethiken haben - möglicherweise durch den Missbrauch einer moralpädagogischen Funktionalisierung - das Stigma des Unzeitgemäßen und der Lustfeindlichkeit erhalten.

Die Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens werden von großen Teilen der Bevölkerung nicht mehr in Religionen, Weltanschauungen und Ideologien gesucht, Lust und Erlebnis sind für Viele zum Lebensinhalt geworden (Beck 1983 und 1986, Esser 1991 und Schulze 2005). Zudem haben die klassischen gesellschaftlichen Gruppen und Institutionen wie Kirchen und Parteien ihr integratives Potenzial weitgehend eingebüßt - und diese `Schattenseiten` der gesellschaftlichen Entwicklung sind mit Orientierungslosigkeit sowie einem Verlust von Sicherheiten im Hinblick auf Handlungswissen, Glauben und Normen verbunden (Heitmeyer 1995).

Die Präferenz einer rationalen Religionspraxis wurde zumindest partiell durch eine hedonistische Grundhaltung verdrängt, in der das Individuum möglichst ohne Berücksichtigung von Fremdinteressen seine Lebensführung bestimmen möchte und Ansichten von Moralunternehmern als Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen sieht. Folglich sind in fortgeschrittenen modernen Gesellschaften Ethikprobleme feststellbar, insbesondere ein Legitimations- und ein Implementationsproblem. Dies hat die Konsequenz, dass allgemein akzeptierte Ethiken immanent und rational begründet werden müssen, denn die Ratio ist auch in der fortgeschrittenen Moderne ein allgemein anerkanntes Handlungs- und Entscheidungskriterium.

Das Ziel des Beitrages ist die Konzeption einer rational begründeten kriminalpräventiven Ethik. Sie soll das Spektrum kriminalpräventiver Projekte (Rössner et al., 2002) durch eine nachhaltig wirkende Maßnahme erweitern. Die hier berücksichtigte Methode der Ethikkonzeption basiert auf der Verknüpfung von Empirie und Theorie. Jede Ethik basiert auf Werten. Mittels empirischer Analysen werden solche Wertorientierungen bestimmt, die einen günstigen Einfluss auf die Vermeidung kriminellen Handelns haben, und diese Werte sollen die Grundlage einer kriminalpräventiven Ethik bilden.

Zudem wird untersucht, wie sich diese Wertorientierungen auf ökonomisch wünschenswertes Verhalten auswirken, denn kaum ein Unternehmen oder eine Gesellschaft wird Wertorientierungen mit kriminalpräventivem Effekt als Leitwerte implementieren, wenn diese möglicherweise negative Effekte auf die ökonomische Situation haben. Eine solche Methode der Ethikkonstruktion muss folglich auf die Ergebnisse empirischer Untersuchungen zurückgreifen, in denen der Einfluss von Wertorientierungen auf positiv bewertete Handlungen und Einstellungen bestimmt wird. Methodisch gesehen werden die Folgen von Wertorientierungen und die Wirkungen einer Ethik untersucht, so wie dies Weber (1999) in `Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus` praktiziert hat. Die Logik der Ethikkonstruktion ist in Abb. 1 grafisch verdeutlicht.

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