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Platons 'Staat' von Kersting, Wolfgang (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.02.2012
  • Verlag: wbg Academic
eBook (ePUB)
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Platons 'Staat'

Mit diesem Buch liegt die erste vollständige Interpretation von Platons ?Staat? in deutscher Sprache vor. Sie verfolgt drei Ziele: Im Rahmen einer textgenauen Erschließung des Argumentationsverlaufs sucht sie die vorgetragenen Einzelargumente in klare Konturen zu fassen und kritisch zu diskutieren, denn weder Verehrung noch historischer Abstand sollten daran hindern, Platons Gedanken sorgfältig zu prüfen und zu würdigen. Neben der argumentationslogischen Analyse untersucht die Darstellung den kompositorischen Zusammenhang der Argumente und Lehrstücke sowie ihre literarische Fassung. Damit wird der Aufbau des Werks freigelegt, der Rhythmus der Gedankenführung bestimmt und die enge Verbindung zwischen Gedankenkunst und Sprachkunst bei Platon herausgestellt. Zur Texterschließung treten außerdem philosophiehistorische Vergleichsbetrachtungen, in denen die platonischen Überzeugungen den Positionen anderer Denker, wie z.B. Machiavelli, Hobbes oder Kant, gegenübergestellt werden. Dadurch werden die systematische Eigentümlichkeit und der philosophiegeschichtliche Ort von Platons ?Staat? genauer bestimmt. Wolfgang Kersting, geb. 1946, Professor für Philosophie an der Universität Kiel. Studium in Göttingen und Hannover, Lehrtätigkeit in Hannover, Göttingen, Marburg und München (am Geschwister-Scholl-Institut für Politikwissenschaft). Buchveröffentlichungen: Wohlgeordnete Freiheit. Immanuel Kants Rechts- und Staatsphilosophie (1984; erw. Taschenbuchauflage 1993); Niccolo Machiavelli. Leben - Werk - Wirkung (1988); Positionen der Philosophie der Gegenwart (3 Teile, 1989); Thomas Hobbes (1992); John Rawls (1993); Die politische Philosophie des Gesellschaftsvertrags (1994); Recht, Gerechtigkeit und demokratische Tugend (1997); Platons ?Staat? (1999).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 01.02.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783534712687
    Verlag: wbg Academic
    Größe: 1443 kBytes
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Platons 'Staat'

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Einleitung

"Das war die Lage der Dinge; und so sah es aus mit den Männern, die die Leitung des Gemeinwesens in ihren Händen hatten und die öffentlichen Angelegenheiten besorgten, und so stand es um die Gesetze und Sitten. Und je eingehender ich dies alles mit prüfendem Blick betrachtete und je mehr ich an Jahren heranreifte, desto schwieriger erschien mir, ein Gemeinwesen zu regieren. Denn einerseits, so sagte ich mir, ist es ohne Freunde und zuverlässige Anhänger nicht zu schaffen - die waren unter den alten Bekannten nicht ohne weiteres zu finden (denn unsere Stadt lebte nicht mehr nach den Sitten und Gewohnheiten der Väter), und andere, neue zu gewinnen, war allenfalls unter größten Schwierigkeiten möglich -, und andererseits nahm der Verfall der Sitten und die Mißachtung der Gesetze immer mehr überhand. War ich also anfänglich ganz erfüllt von dem Drang nach einem politischen Amt und staatsmännischer Betätigung, so wurde mir bei Betrachtung dieser Zustände und dieses wirren Durcheinanders der Dinge schließlich ganz schwindelig zumute. Dabei fuhr ich zwar fort darüber nachzudenken, wie sich in dieser Hinsicht und im gesamten politisch-staatlichen Leben überhaupt ein Umschwung zum Besseren finden ließe, für das eigene politische Handeln wollte ich aber auf einen günstigeren Zeitpunkt warten. Schließlich aber kam ich zu der Überzeugung, daß alle bestehenden Verfassungsordnungen samt und sonders politisch verwahrlost sind, da sich ihre Gesetzgebung in einem heillosen Zustand befindet und ohne eine ans Wunderbare grenzende Veranstaltung im Verein mit einem glücklichen Zufall nicht gebessert werden kann. Und so sah ich mich denn zurückgedrängt auf die Pflege der wahren Philosophie, zu deren Lob ich sagen muß, daß allein sie die Quelle der Erkenntnis dessen ist, was im öffentlichen Leben sowie auch für den einzelnen Menschen als wahrhaft gerecht gelten kann. Es wird also die Menschheit, so erkläre ich, nicht von ihrem Elend erlöst werden, bis entweder die Gemeinschaft der wahren und echten Philosophen zur Herrschaft im Gemeinwesen gelangt oder bis die Machthaber im Staate durch göttliche Fügung wahrhaft zu philosophieren sich entschließen" (Epistole Z 325 c - 326 b).

Diese Passage entstammt dem berühmten siebten der dreizehn hinterlassenen Briefe Platons. Er ist 354 geschrieben worden, nach der Ermordung Dions; Platon war damals über 70 Jahre alt. Er richtet sich an Anhänger und Freunde, die sein politisches Werk fortsetzen wollen. Platon berichtet in diesem Brief über sein politisches Leben, über seine ursprünglichen, der Familientradition folgenden politischen Karrierepläne, über seine politischen Erfahrungen in Athen, über die Entstehung seiner Überzeugung, daß eine verantwortungsvolle Leitung eines Gemeinwesens ohne eine philosophisch ausgewiesene Kenntnis der sozialen und der individuellen Gerechtigkeit nicht gelingen kann, und dann über seine Reisen nach Syrakus und seine Begegnungen mit Dion und Dionysos. Dion war der junge Schwager des Tyrannen, den Platon bei seinem ersten Besuch, wohl 388/87, kennengelernt hatte und nachhaltig für seine Philosophie und seine politischen Ideen begeistern konnte. Denn zwanzig Jahre später, nach dem Tode des Tyrannen, lud Dion Platon erneut nach Syrakus ein, um den gemeinsamen Versuch zu unternehmen, Dionysos II., den jungen Sohn und Nachfolger von Dionysos I., für eine politische Reform im Sinne Platons zu gewinnen. Das mißlang freilich gründlich; Dionysos II. erwies sich als Feind der Reform und der Reformer, er behandelte seinen Onkel Dion niederträchtig, beraubte ihn und jagte ihn aus der Stadt. Platon floh nach Athen zurück. Im Jahr darauf nun bekundete der Tyrann in einem Brief an den Philosophen einen Sinneswandel und Aufgeschlossenheit für die platonische Reform; und auch andere berichteten Platon von dem neu erweckten Interesse des Tyrannen an der Philosophie und den erstaunlichen Fortschritt

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