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Das Bücherhaus Eine philosophische Liebesgeschichte von Kaag, John (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.10.2019
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Das Bücherhaus

"Dieses Buch kann Ihr Leben verändern!", Wall Street Journal. Als der junge Philosophieprofessor John Kaag im Hinterland von New Hampshire die vergessene Bibliothek von William Ernest Hocking, einem der letzten großen amerikanischen Denker entdeckt, traut er seinen Augen kaum. Unter den halb verfallenen und vermoderten Bänden findet er zahlreiche Schätze: handgeschriebene Notizen von Walt Whitman, annotierte Bücher aus dem Besitz von Robert Frost, zahllose Briefe von Pearl S. Buck - und sogar dutzende Erstausgaben der Werke europäischer Geistesgrößen. Er beschließt, die Bücher zu restaurieren und begibt sich damit auf eine intellektuelle Reise durch die Geistesgeschichte Amerikas und seiner europäischen Grundlagen. Bald schon merkt er, dass die großen, lebensbejahenden Ideen in diesen Büchern auch ganz praktisch zu Werkzeugen für das Umkrempeln seines eigenen Lebens verwendet werden können. Ganz besonders, als sich ihm eine brillante Kollegin anschließt und ihm bei der Arbeit am Bücherhaus hilft... Dieses faszinierende Buch beinhaltet sowohl eine profunde Ideengeschichte Nordamerikas, als auch die mitreißende wahre Geschichte hinter der Entdeckung einer verschollenen Bibliothek. Eine bestens lesbare Autobiografie, die sich um die großen Fragen des Lebens dreht: Liebe, Freiheit, und welche Rolle das Denken spielen kann, wenn man sich selbst neu erfinden möchte. John Kaag, Jahrgang 1981, ist Professor für Philosophie an der University of Massachusetts, Lowell. Er gilt als einer der spannendsten jungen Philosophen der USA und schreibt regelmäßig Artikel für Fachzeitschriften, aber auch für die "New York Times", "Harper's Magazine" und viele weitere Magazine und Zeitungen. "American Philosophy. A Love Story" wurde 2016 u.a. vom National Public Radio zum Besten Buch des Jahres gekürt. Er lebt mit seiner Familie in der Nähe von Boston.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 14.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641210397
    Verlag: btb
    Originaltitel: American Philosophy: A Love Story
    Größe: 3433 kBytes
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Das Bücherhaus

PROLOG: VIELLEICHT

Die Holden Chapel der Harvard Universität erschien mir immer als ein besonders passender Ort zum Sterben. Das kleine Backsteingebäude, das drittälteste der Universität, hat keine Fenster in der Fassade. Über seinem Eingang befinden sich vier steinerne Bukranien , Schmuckreliefs von Rinderschädeln mit Gehörn, von der Sorte, wie sie die Heiden einst an ihren Tempelfassaden anbrachten, um böse Geister fernzuhalten. Als William James am 15. April 1895 gebeten wurde, vor einem Publikum von jungen Männern in der Georgianischen Kapelle zu sprechen, war sie bereits mehr als hundertfünfzig Jahre alt, der passende Rahmen für den dreiundfünfzigjährigen amerikanischen Philosophen, um über die Frage nachzudenken, die er inzwischen für die tiefgründigste hielt: "Ist das Leben lebenswert?"

Sowohl mit dem Ort als auch mit der Frage wurde ich im Frühjahr 2008 immer vertrauter. Ich hatte Monate damit verbracht, Harvard auf der Suche nach den Ursprüngen der amerikanischen Philosophie zu durchstreifen. Ich war, ausgestattet mit einem Postdoktoranden-Stipendium der American Academy of Arts and Sciences, in Harvard - eine befristete Atempause von der anhaltenden Arbeitslosigkeit, die mir in den Augen meiner liebevollen, aber sehr praktisch veranlagten Familie nach dem Abschluss meiner Promotion in Philosophie sicher bevorstand -, und ich wollte diese unerwartete Gelegenheit, ihnen das Gegenteil zu beweisen, auf keinen Fall leichtfertig vergeben. Die Korridore in der Widener Library, nur ein paar Schritte von der Holden Chapel entfernt, sind insgesamt achtzig Kilometer lang. Im Herbst jenes Jahres legte ich die gesamte Strecke zurück. Als ich schließlich mit leeren Händen herauskam, trabte ich über den Yard zur Houghton Library, in der sich seltene Bücher und Manuskripte befinden, und durchforstete die persönlichen Unterlagen von Ralph Waldo Emerson und Charles Sanders Peirce. Immer noch nichts. Es war doch erst November, sagte ich mir: früh genug. Forschungsstipendien dienen der Forschung - und man forscht und forscht. Ich hockte mich in meine Arbeitskabine in der Widener Library und versuchte, mir das Manuskript aus den Rippen zu schneiden, das ich über die Verschmelzung des deutschen Idealismus des achtzehnten Jahrhunderts mit dem amerikanischen Pragmatismus schreiben sollte. Die Dinge gingen voran, wenn auch sehr langsam.

Aber dann, an einem Abend im Frühjahr 2008, gab ich auf. Die Forschungen aufzugeben hatte nichts mit dieser Arbeit selbst zu tun, sondern alles mit dem Gefühl, dass sie, wie alles andere in meinem Leben, wirklich keine Bedeutung hatten. Für den Rest dieses Jahres in Harvard mied ich gewissenhaft seine Bibliotheken. Ich mied meine Frau, meine Familie, meine Freunde. Wenn ich überhaupt den Campus betrat, dann nur, um zur Holden Chapel zu gehen. Ich ging an ihr vorbei, setzte mich neben sie, las, an sie gelehnt, aß in ihrer Nähe mein Mittagessen, schlüpfte hinein, wenn ich konnte - sie wurde zu meiner Obsession. William James hatte, soweit ich es sah, die einzige Frage gestellt, die überhaupt von Bedeutung war. Ist das Leben lebenswert? Ich konnte sie nicht abschütteln, und ich konnte sie nicht beantworten.

Jahrhundertelang hatten Philosophen und religiöse Denker, vom Rabbi Maimonides aus dem zwölften Jahrhundert bis zum Engländer John Locke aus dem siebzehnten Jahrhundert, ungerührt den Glauben zum Ausdruck gebracht, dass das Leben, aus allen möglichen unwiderlegbaren Gründen, lebenswert sei. Im dreizehnten Jahrhundert hatte der Dominikanermönch Thomas von Aquin argumentiert, dass alle Wesen - ob nun Amöben oder menschliche Wesen - einen natürlichen Lebenszyklus besitzen, den ein höheres Wesen für sie vorgesehen hat. Keiner einzigen von Gottes Kreaturen stünde es zu, diesen zu unterbrechen. Immanuel Kants Argument, fünfhundert Jahre später, war weniger theologisch spekulativ. Vernunftwesen, sagte er, haben die Pflicht, ihre eigenen Vernunftkapazi

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