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Das Ich und die Dämonien von Schleich, Carl L. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.01.2016
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Das Ich und die Dämonien

Carl Ludwig Schleich (19.7.1859 - 7.3.1922) war ein deutscher Chirurg und Schriftsteller. Schleichs Werk "Das Ich und die Dämonien" wurde 1920 veröffentlicht.

Carl Ludwig Schleich (19.7.1859 - 7.3.1922) war ein deutscher Chirurg und Schriftsteller. Schleichs Werk "Das Ich und die Dämonien" wurde 1920 veröffentlicht.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 15.01.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739232188
    Verlag: Books on Demand
    Größe: 593kBytes
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Das Ich und die Dämonien

Individuum und Persönlichkeit

Ein fast noch größeres Geheimnis als das Ich umschwebt das Rätsel des Individuellen, d. h. der täglich durch Augenschein immer von neuem wirkenden, verblüffenden Erkenntnis, dass es eine Illusion, eine phantastische Lüge, eine derbe Vorspiegelung falscher Tatsachen zu sein scheint, wenn wir in der leidigen Mathematikstunde lernen mussten: a ist gleich a, oder: "Wenn zwei Dinge einem dritten gleichen, so sind sie auch untereinander gleich." Ja, wo in aller Welt sind denn diese drei gleichen Dinge unter Sternen, unter den Äpfeln, Bäumen, Blättern, Blüten, dem Milliardengekribbel und -gewimmel kleinster Tiere? Etwa unter den Menschen? Keiner sah noch völlig Gleiches, nur Ähnliches! Ist doch das Spiegelbild nicht mehr völlig gleich dem Beschauer, rechts und links sind optisch vertauscht, statt Form und Tiefe nur Fläche usw. Man sagt wohl "erstaunliche Ähnlichkeit", wie "aus dem Gesicht geschnitten" gliche eins dem andern; aber selbst die ähnlichsten kleinen Zwillinge haben noch Varianten genug, so dass sie sich mit blauem oder rötlichem Seidenbande nicht brauchten ihre Hälschen umwinden zu lassen, damit man eins vom andern unterscheide. Je mehr sie aus ihrer Kindheitsform heranwachsen zu kleinen Sonderwesen, desto mehr "individualisiert" sich die Form, und schließlich wird alles an ihnen "ganz anders". Erst große Übung im Formanschauen lässt scheinbare geringe individuelle Unterschiede als vollgültige Unterscheidungen gelten. Für uns Europäer sehen alle Chinesen gleich aus, einer wie der andre, namentlich in gleicher Tracht, und es gehört sehr viel Übung dazu, den einzelnen Lu-ten Togi von Fu-chen-Ho persönlich abzusondern, was den Detektivbeamten und Kriminalisten große Schwierigkeiten bereitet. Übrigens revanchieren sich die Chinesen und Japaner auch: wir sind für sie alle über einen (für sie verächtlichen) Leisten gearbeitet. Wer in einer geburtshilflichen Klinik tätig gewesen ist, weiß, muss, die kleinen, sich alle ähnlich sehenden Eintagswesen voneinander zu unterscheiden, und gewiss unverantwortliche Unterschiebungsversuche gelingen können, wenn auch freilich die jungen Mütter beim ersten Anblick ihrer Lieblinge so intensiv mit dem Herzen sehen, dass sie Tausende unverwischlicher Merkmale blitzartig in sich aufnehmen. Wenn also nichts im Leben, nicht ein Tröpfchen, nicht ein Sandkorn, völlig dem andern gleichen darf nach einer geheimnisvollen Bestimmung der Weltordnung, so können wir doch wenigstens die Basis der Ähnlichkeit, der Verwandtschaft, der Annäherung erkennen, gewissermaßen das geistige Gefüge, das Skelett, die Rotationsachse, den inneren Rhythmus, den Typus ähnlicher Dinge konstatieren, welche für alles Lebendige an die rhythmischen Schleifen des Zellkerninhalts, die Chromosomen gebunden sind.

Es ist eine grandiose Variationslust in der Natur am Werke gewesen und waltet immer weiter. Ein höchstes Künstlertum tritt in Erscheinung, ein artistischer Geist von beinahe unersättlicher Lust am Versuchen, Verwerfen, Umbiegen, Abändern, Bessermachen, Schönerwerdenlassen. Wenn meine enge Heimat Pommern allein zehntausend Arten Schmetterlinge aufweist, wenn die Knochenlehre 1200 Mechanismen der Gelenkverbindungen bisher (!) konstatieren konnte, wenn jedes Lebewesen zur Decke seines Hauttrikots eine andre Nuance eines Wachses erhalten hat, was eine Million chemischer Individualitäten bedeuten dürfte, wenn das Flug- und Tauchproblem in der Natur in tausend Möglichkeiten variiert wurde, so kann man wohl sagen: Hier ist ein großer Bastler am Werke, ein rastlos Spielender, ein vielleicht immer wieder über das Unerreichte wehmütig Lächelnder, wie es eben nur die größte Künstlerseele als ein Fluch der Unerfüllbarkeiten empfinden kann. Wie müht sich hier eine nimmermüde Schöpferhand um ganz handgreifliche Probleme durch tausend Zwischenstufen; muss nicht von kleinsten blauen Flügelfleckchen mit Silber, Gold und Alabaster gespart

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