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Die Kunst, Recht zu behalten und Philosophische Beleidigungen von Schopenhauer, Arthur (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 27.07.2015
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
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Die Kunst, Recht zu behalten

Jemand sagte einmal: 'Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation.'. Das bedeutet wohl, dass der Umgang mit dem Schimpfwort, die Rhetorik und die Kunst des Streitens, in gewisser Weise zu den Kriegskünsten der modernen Zivilisation zählen. Leider lernen wir auch nur entweder viel zu spät oder zu selten, dass es nicht immer kühle Logik und Rationalität sind, die über den Ausgang einer Debatte oder eines Streits entscheiden. Arthur Schopenhauer lehrt uns in diesem kleinen, aber feinen Buch die schmutzigen - aber wohl notwendigen - Tricks und Kniffe der Streitkunst. Es gehört wohl zu den schmerzlichsten Erfahrungen im intellektuellen Leben, dass man einsehen muss, das Logik und kühle Rationalität allein wenig ausrichten. Immer wieder macht man die Erfahrung, dass nicht immer derjenige auch die Diskussion gewinnt, der die besten Argumente vorbringt. Manchmal muss man rhetorische Tricks und Kniffe anwenden, das Publikum auf seine Seite ziehen, seinen Gegenüber in Wut versetzen, abschweifen, vergessen machen, was eigentlich wichtig war, um in einer Diskussion die Oberhand zu behalten. Wer diese 'Waffen' nicht einsetzt, oder zumindest nichts von ihrer Existenz weiß, wird dort ins Hintertreffen geraten und seinen Standpunkt nicht verteidigen können, wo dieser vielleicht sogar der richtige oder bessere ist. Schopenhauers kleines, aber umso lehrreicheres Buch über die Kunst zu Streiten stellt hierzu eine unverzichtbare Hilfe und eines der wichtigsten Werke der philosophischen Rhetorik und Argumentationstheorie dar. Unterhaltsam und pointiert verrät uns der wohl streitlustigste und polemischste Denker der Philosophiegeschichte, wie man auch ohne gute Argumente als Sieger vom Platz geht. Vor allem sei dabei eine Sache nicht vergessen: Streiten kann und soll auch Spaß

ARTHUR SCHOPENHAUER wird 1788 in Danzig geboren. Eine Kaufmannslehre bricht er ab, um zunächst Naturwissenschaften, dann Philosophie zu studieren. Er promoviert 1813; fünf Jahre später, im Alter von nur 30 Jahren, veröffentlicht er sein Hauptwerk Die Welt als Wille und Vorstellung. 1820 beginnt er seine Dozententätigkeit in Berlin, muss diese jedoch bald wieder aufgeben. Es folgen Reisen nach Italien, eine über ein Jahr andauernde Krankheit und Aufenthalte in Berlin, bis er sich schließlich 1833 als Privatgelehrter in Frankfurt niederlässt. Von hier aus veröffentlicht er die beiden Preisschriften Über die Freiheit des menschlichen Willens und Über das Fundament der Moral unter dem gemeinsamen Titel Die beiden Grundprobleme der Ethik. Erst in seinen letzten Lebensjahren finden seine Werke wachsende Anerkennung. 1860 stirbt Schopenhauer an den Folgen einer Lungenentzündung.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 126
    Erscheinungsdatum: 27.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843804950
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 922kBytes
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Die Kunst, Recht zu behalten

Kunstgriff 1

Die Erweiterung

Die Erweiterung. Die Behauptung des Gegners über ihre natürliche Grenze hinausführen, sie möglichst allgemein deuten, in möglichst weitem Sinne nehmen und sie übertreiben; seine eigne dagegen in möglichst eingeschränktem Sinne, in möglichst enge Grenzen zusammenziehn: weil je allgemeiner eine Behauptung wird, desto mehreren Angriffen sie bloß steht. Das Gegenmittel ist die genaue Aufstellung des puncti [Streitpunkts] oder status controversiae [der Streitlage] .

Exempel 1. Ich sagte: "Die Engländer sind die erste Dramatische Nation." - Der Gegner wollte eine instantia versuchen und erwiderte: "Es wäre bekannt, daß sie in der Musik folglich auch in der Oper nichts leisten könnten." - Ich trieb ihn ab, durch die Erinnerung "daß Musik nicht unter dem Dramatischen begriffen sei; dies bezeichne bloß Tragödie und Komödie": was er sehr wohl wußte, und nur versuchte, meine Behauptung so zu verallgemeinern, daß sie alle Theatralischen Darstellungen, folglich die Oper, folglich die Musik begriffe, um mich dann sicher zu schlagen.

Man rette umgekehrt seine eigne Behauptung durch Verengerung derselben über die erste Absicht hinaus, wenn der gebrauchte Ausdruck es begünstigt.

Exempel 2. A sagt: "Der Friede von 1814 gab sogar allen Deutschen Hansestädten ihre Unabhängigkeit wieder." - B gibt die instantia in contrarium , daß Danzig die ihm von Bonaparte verliehene Unabhängigkeit durch jenen Frieden verloren. - A rettet sich so: "Ich sagte allen Deutschen Hansestädten: Danzig war eine Polnische Hansestadt."

(Diesen Kunstgriff lehrt schon Aristoteles Topik, VIII, 12, 11.)

Exempel 3. Lamarck (Philosophie zoologique) spricht den Polypen alle Empfindungen ab, weil sie keine Nerven haben. Nun aber ist es gewiß, daß sie wahrnehmen : denn sie gehn dem Lichte nach, indem sie sich künstlich von Zweig zu Zweig fortbewegen; - und sie haschen ihren Raub. Daher hat man angenommen, daß bei ihnen die Nervenmasse in der Masse des ganzen Körpers gleichmäßig verbreitet, gleichsam verschmolzen ist: denn sie haben offenbar Wahrnehmungen ohne gesonderte Sinnesorgane. Weil das dem Lamarck seine Annahme umstößt, argumentiert er dialektisch so: "Dann müßten alle Teile des Körpers der Polypen jeder Art der Empfindung fähig sein, und auch der Bewegung, des Willens, der Gedanken : Dann hätte der Polyp in jedem Punkt seines Körpers alle Organe des vollkommensten Tieres: jeder Punkt könnte sehn, riechen, schmecken, hören, usw., ja denken, urteilen, schließen: jede Partikel seines Körpers wäre ein vollkommnes Tier, und der Polyp selbst stände höher als der Mensch, da jedes Teilchen von ihm alle Fähigkeiten hätte, die der Mensch nur im Ganzen hat. - Es gäbe ferner keinen Grund, um was man vom Polypen behauptet, nicht auch auf die Monade , das unvollkommenste aller Wesen, auszudehnen, und endlich auch auf die Pflanzen, die doch auch leben, usw." - Durch Gebrauch solcher Dialektischen Kunstgriffe verrät ein Schriftsteller, daß er sich im Stillen bewußt ist, Unrecht zu haben. Weil man sagte: "ihr ganzer Leib hat Empfindung für das Licht, ist also nervenartig": macht er daraus, daß der ganze Leib denkt.
Kunstgriff 2

Homonymie

Die Homonymie benutzen, um die aufgestellte Behauptung auch auf das auszudehnen, was außer dem gleichen Wort wenig oder nichts mit der in Rede stehenden Sache gemein hat, dies dann lukulent [deutlich] widerlegen, und so sich das Ansehn geben, als habe man die Behauptung widerlegt.

Anmerkung. Synonyma sind zwei Worte für denselben Begriff: - Homonyma zwei Begriffe, die durch dasselbe Wort bezeichnet werd

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