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Die Wirklichkeit des Geistes Studien zu Hegel von Quante, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.11.2011
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Die Wirklichkeit des Geistes

Die Philosophie des Geistes ist der bis heute am lebhaftesten diskutierte Teil des Hegelschen Systems. Das theoretische Potential ihrer Antworten auf die Herausforderungen der Moderne ist bei weitem nicht erschöpft. Michael Quante erläutert die Grundbegriffe und zentrale Thesen von Hegels Philosophie des Geistes auf dem Stand der aktuellen Diskussion in der europäischen und angloamerikanischen Philosophie. Der Schwerpunkt der Darstellung liegt auf der Phänomenologie des Geistes und den Grundlinien der Philosophie des Rechts. Hegel entwickelt hier zentrale Begriffe seiner praktischen Philosophie (z. B. Handlung, Person oder Wille) und er lotet, im Spannungsfeld von individueller Autonomie und sozialer Einbettung, die Möglichkeiten der Begründung ethischer Normen und sozialer Institutionen aus. Michael Quante ist Professor für Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Im Suhrkamp Verlag ist von ihm erschienen: Die Wirklichkeit des Geistes. Studien zu Hegel (stw 1939) und Personales Leben und menschlicher Tod (stw 1573). Außerdem hat er den Band Hegels Erbe (stw 1699) herausgegeben (zusammen mit Christoph Halbig und Ludwig Siep) und Karl Marx' Ökonomisch-philosophische Manuskripte (stb 15) kommentiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 356
    Erscheinungsdatum: 16.11.2011
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518769607
    Verlag: Suhrkamp
    Größe: 1285 kBytes
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Die Wirklichkeit des Geistes

19 1. Einleitung

Die Debatten in der politischen Philosophie und der Sozialphilosophie der letzten Jahrzehnte waren maßgeblich geprägt vom Gegensatz von Individualismus (Liberalismus) und Kommunitarismus. Der Individualismus ist die dominierende politische und Sozialphilosophie der Neuzeit. Seine Kernthese besagt, dass dem einzelnen menschlichen Individuum als rationalem Subjekt in ontologischer und evaluativer Hinsicht das Primat zuerkannt werden muss. Der Wert sozialer Institutionen leitet sich dieser Konzeption zufolge von den ethisch akzeptablen Ansprüchen rationaler Subjekte ab. Ein über die Erfüllung dieser individuellen Interessen und Bedürfnisse hinausgehender Wert wird sozialen Gebilden im Individualismus genauso wenig zuerkannt wie eine nicht auf menschliche Individuen beziehungsweise auf deren Handlungen reduzierbare Existenz. Die Vertreter des Kommunitarismus haben in den letzten drei Jahrzehnten versucht, eine Gegenposition zum Individualismus zu entwickeln. Ausgehend von der zunehmenden Entfremdung zwischen "atomisierten" und nur noch nach ihrem privaten Wohl strebenden Individuen und sozialen beziehungsweise politischen Gebilden betont der Kommunitarismus die ontologische Eigenständigkeit sozialer Institutionen und spricht diesen auch einen eigenen ethischen Wert zu. Anders als im Individualismus sind soziale Gebilde also weder bloße Instrumente individueller Interessenerfüllung noch ontologisch auf menschliche Individuen beziehungsweise deren Handeln reduzierbar – die Positionen reichen dabei von relativ schwachen Nichtreduzierbarkeitsannahmen bis hin zu starken Thesen des evaluativen Vorrangs sozialer Gebilde (zum Beispiel Familie, Glaubensgemeinschaften oder Staat) vor menschlichen Individuen.

Mit dieser Frontstellung und den darin entwickelten Alternativen steht die gegenwärtige Philosophie vor den gleichen Fragen und Problemen, die auch Hegel in seiner praktischen Philosophie vor mehr als zweihundert Jahren lösen wollte. Zentrales Ziel seiner gesamten praktischen Philosophie ist es, die Entfremdung der Individuen von ihrer Religion, ihren ethischen Traditionen und ihrer sozialen Realität mit philosophischen Mitteln zu begreifen und 20 durch eine geeignete Theorie sozialer Institutionen zu beheben. Sein philosophisches System ist insgesamt darauf angelegt, die alltägliche und die philosophische Skepsis gegenüber der Begründbarkeit von Wissensansprüchen im theoretischen wie im praktischen Bereich zu überwinden. Dazu ist es, und dies ist Hegels grundlegende Annahme, notwendig, die Dualismen zu überwinden, die sich in der Moderne sowohl im sozialen Leben als auch in der Philosophie zu Gegensätzen verfestigt haben. Für die soziale und politische Philosophie bedeutet dies, die Vernünftigkeit der bestehenden oder sich entwickelnden sozialen Institutionen mit philosophischen Mitteln einsichtig zu machen. Außerdem erfordert es, die unaufhebbare Spannung zwischen individuellen Interessen und sittlicher Gemeinschaft philosophisch zu analysieren sowie die sich daraus ergebenden normativen Spannungen und Konflikte zu begreifen und aufzulösen.

Für Hegels Denken im Bereich der praktischen Philosophie ist also eine Fragestellung charakteristisch, durch die sich auch die politische und Sozialphilosophie der Gegenwart charakterisieren lässt. Außerdem sind auch philosophiehistorisch zentrale Autoren der liberalistischen beziehungsweise individualistischen Tradition (zum Beispiel Hobbes, Locke oder Kant) für Hegel, genauso wie für die gegenwärtige Diskussion, Orientierungspunkte. Gleiches gilt für Aristoteles, der in der praktischen Philosophie sowohl für viele Kommunitaristen der Gegenwart (zum Beispiel Alasdair MacIntyre) als auch schon für Hegel ein entscheidendes Vorbild gewesen ist. O

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