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Texte Schriften Ausgewählt, eingeleitet und kommentiert von Bruno Kern von Marx, Karl (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.12.2015
  • Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
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Texte Schriften

Wem gehört eigentlich Karl Marx? Wahrscheinlich verhält es sich hier nicht viel anders als im Fall der Bibel: Auch sie ist nicht einfach der Alleinbesitz gläubiger Juden und Christen, sondern ein Menschheitserbe, aus dessen Reichtum alle, gerade auch die Nichtglaubenden, schöpfen können. Karl Marx reiht sich ein in die Schar humanistischer, in der Tradition der Aufklärung stehender Denker und ist - wie in anderer Hinsicht Sigmund Freud - einer der großen 'Meister des Verdachts'. Viele seiner Einsichten sind heute Allgemeingut geworden. Die vorliegende Auswahl aus seinem Werk hat kanonischen Anspruch. Leser und Leserinnen dieses Buches sollen die Gewähr haben, dass sie mit dieser Zusammenstellung von Texten das Wesentliche von Marx in Händen halten.

Karl Marx wurde am 5. Mai 1818 in Trier geboren und starb am 14. März 1883 in London. Er war Philosoph, Nationalökonom und Journalist deutscher Herkunft (er nahm später die britische Staatsbürgerschaft an). Geboren als drittes von neun Kindern des Rechtsanwalt Heinrich Marx und der Hausfrau Henriette Marx. Er besucht das Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums und studiert danach Rechtswissenschaft an der Universität Bonn. Er wechselt mit der Zustimmung seines Vaters das Studienfach (Philosophie an der Universität Berlin) und promoviert über die griechische Naturphilosophie. In diese Zeit fallen seine ersten literarischen Arbeiten. Er arbeitet als Redakteur der 'Rheinischen Zeitung ' in Köln. Ab 1943 lebt er mit seiner Frau in Paris und beginnt ökonomische Studien. Die Freundschaft und Kollaboration mit Friedrich Engels, dem er 1842 erstamsl begegnet war, vertieft sich. Er wird aus Frankreich ausgewiesen und zieht nach Brüssel. In Deutschland wird ihm wegen der 'Deutsch-Französischen Jahrbücher' ein Hochverratsprozess gemacht. 1847 gründet er mit Friedrich Engels den 'Deutschen Arbeiterverein'. 1847 Verfassung des 'Kommunistischen Manifest' 1849 nach Zwischenstationen neues Exil in England. 1861 begegnet er Ferdinand Lassalle in Berlin.1864Gründung der 'Internationalen Arbeiter-Assoziation' bzw. der 'Ersten Internationale'.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 14.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843805100
    Verlag: Edition Erdmann in der marixverlag GmbH
    Größe: 1184 kBytes
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Texte Schriften

I. "EINES IST SICHER: ICH BIN KEIN MARXIST"

Kleiner Leitfaden für die Marx-Lektüre

Wem gehört eigentlich Karl Marx? Meines Erachtens verhält es sich hier nicht viel anders als im Fall der Bibel: Auch sie ist nicht einfach der Alleinbesitz gläubiger Juden und Christen, sondern ein Menschheitserbe, aus dessen Reichtum alle, gerade auch die Nichtglaubenden, schöpfen sollten. Karl Marx reiht sich ein in die Schar von humanistischen, in der Tradition der Aufklärung stehenden Denkern und ist - wie in anderer Hinsicht Sigmund Freud - einer der großen "Meister des Verdachts" des 19. und 20. Jahrhunderts. Viele seiner Einsichten sind heute Allgemeingut geworden. Ihn allein denen zu überlassen, die sich explizit auf ihn berufen und sich mit dem Etikett "marxistisch" schmücken hieße in vielen Fällen, die sprichwörtlichen Perlen vor die Säue zu werfen.

Ein fatales Missverständnis besteht in der Annahme, Marx habe ein in sich geschlossenes Theoriegebäude, "den Marxismus", hinterlassen. Gerade die chronologische Anordnung der Marx'schen Texte im vorliegenden Lesebuch macht die Entwicklung seines Denkens nachvollziehbar und lässt zahlreiche Selbstkorrekturen erkennen. Marx hat darüber hinaus Probleme aufgeworfen, auf die er selbst keine schlüssige Antwort fand, er war mit manchen "Lösungen" selbst nicht zufrieden und hat sie immer wieder hinterfragt - eine intellektuelle Redlichkeit, die man seinen Epigonen nur wünschen möchte. Zu entscheidenden Punkten hat Marx keine detaillierten Antworten ausgearbeitet, sondern es bei eher vagen Andeutungen und groben Hinweisen belassen. Das ist nicht immer als Unzulänglichkeit zu werten, sondern oftmals in der Sache selbst begründet: Gerade auf dem Boden seines Geschichtsverständnisses wäre es selbstwidersprüchlich, wenn er einen lebendigen historischen Prozess in auf dem Reißbrett entworfenen Modellen vorweggenommen hätte. So findet sich im gesamten Marx'schen Werk zu seinen Vorstellungen von einer sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft nicht mehr als ein Wetterleuchten am utopischen Horizont, und der revolutionäre Übergang von der kapitalistischen zur kommunistischen Gesellschaft wird nur an einigen Textstellen in wenigen, interpretationsbedürftigen und -fähigen Sätzen skizziert. Marx erspart uns also keineswegs die eigene "Anstrengung des Begriffs" und die eigene praktische Suchbewegung. Die vielen Fehlinterpretationen und Entstellungen, denen das Marx'sche Denken ausgesetzt war und von denen noch ausführlicher zu sprechen sein wird (S. 391-394), sind nicht in jedem Fall allein seinen Epigonen anzulasten, sondern finden durchaus auch Anhaltspunkte in ambivalenten Formulierungen und Positionen im Original.

Kein geschlossenes Theoriegebäude also einerseits - andererseits aber auch nicht die Beliebigkeit einer Kollektion von Theorieversatzstücken, aus der man sich nach Geschmack bedienen könnte. Auch das ist ein Vorteil der chronologischen Anordnung der Texte in diesem Buch: Sie macht entscheidende Kontinuitäten seines Denkens sichtbar, sich durchhaltende Grundpositionen und Grundmotive, die es eben nicht zulassen, dass man sich des Marx'schen Textkorpus nach Art eines Steinbruchs bedient. Zwei solcher Momente der Kontinuität seien hier exemplarisch benannt: Das ist zum einen sein "historischer Materialismus", der seit Anfang der Vierzigerjahre die erkenntnistheoretische Grundperspektive bildet und den er noch im Spätwerk bekräftigt und affirmiert (S. 135 ff., 227 ff.). Dass gerade dieser historische Materialismus vonseiten der Gegner und der Anhänger Karl Marx' so groben Entstellungen ausgesetzt war, ist besonders verhängnisvoll. Ein zweites Moment der Kontinuität von den Pariser Manuskripten bis zum Kapital bildet seine Fetischismusanalyse (S. 244 ff.).

Eine kurze biografische Skizze kann hier selbstverständlich keine Biografie 1 erse

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