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Die formanalytische Klassentheorie von Karl Marx. Ein Beitrag zur 'neuen Marx-Lektüre' von Ellmers, Sven (eBook)

  • Verlag: UVRR Universitätsverlag Rhein-Ruhr
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Die formanalytische Klassentheorie von Karl Marx. Ein Beitrag zur 'neuen Marx-Lektüre'

Der Klassenbegriff bei Karl Marx wird heute als wirklichkeitsinadäquat abgelehnt. Dabei wird in der Rezeption seiner Schriften kaum zur Kenntnis genommen, dass Marx das Wort ‚Klasse' in unterschiedlichen Kontexten verwendet. Der von zahlreichen Soziologen proklamierte Abschied von der Marxschen Klassentheorie gründet überwiegend auf einer unzulässigen Einebnung der programmatischen Unterschiede von Form- und Sozialstrukturanalyse. Das vorliegende Buch zeigt, dass die Kritik der politischen Ökonomie als eine eigenständige Disziplin innerhalb der Sozial- und Ungleichheitsforschung zu gelten hat, die unvermindert Aktualität besitzt.

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 129
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783940251046
    Verlag: UVRR Universitätsverlag Rhein-Ruhr
    Größe: 1246 kBytes
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Die formanalytische Klassentheorie von Karl Marx. Ein Beitrag zur 'neuen Marx-Lektüre'

3. Die Semantik der Klassengesellschaft: Grundlage oder Kritik einer positiven Revolutionstheorie? (S. 59-60)

"Das Übel gedeiht hinter dem Ideal am besten." Karl Kraus

Die Ausführungen im ersten Kapitel dieser Arbeit haben gezeigt, dass eine Formanalyse aufgrund ihres besonderen Untersuchungsgegenstandes nur als Einheit von Objekt- und Erkenntniskritik durchzuführen ist. Die ökonomischen Objekte Ware und Geld wurden nicht nur auf historisch-soziale Praxisformen zurückgeführt, über die Struktur dieser Praxisformen konnte ferner aufgezeigt werden, weshalb das Alltagsverständnis den sozialen Ursprung dieser Objekte durch Mystifikationen und Naturalisierungen verkehrt: Da in der bürgerlichen Gesellschaft die Produktion nicht in freier Übereinkunft durch die Gesellschaftsmitglieder bewusst gesteuert, sondern durch die systematische Isolierung der Produzenten der kollektiven Kontrolle entzogen wird, muss sich der gesellschaftliche Zusammenhang gegenüber den "vereinzelten Einzelnen" (13/21) in Form von Ware und Geld als "stummer Zwang" (23/765) geltend machen. Das bürgerliche Subjekt muss Waren produzieren und gegen Geld eintauschen, um seine Bedürfnisse in den ihm vorausgesetzten Verhältnissen befriedigen zu können. Da die Verwandlung des Arbeitsprodukts in Ware und die Existenz des Geldes nicht seine willentliche Entscheidung sind, sondern als Sachzwänge auftretende Voraussetzungen seines Handelns darstellen, deutet es Ware und Geld auch nicht als Resultat seines eigenen sozialen Tuns, sondern als sachliche Eigenschaft. Es ist die in der privatarbeitsteiligen Verfasstheit implizierte Verselbstständigung der ökonomischen Formen gegenüber dem privatautonomen Subjekt, die zum Waren- und Geldfetisch führt. Mit dem Fortgang der begrifflichen Entwicklung – Übergang zum Kapital, Verwandlung des Werts der Arbeitskraft in Arbeitslohn – zeigt Marx noch auf der Ebene des unmittelbaren Produktionsprozesses, dass diese Verselbstständigung der ökonomisch-sozialen Objektwelt eine Gegenstandsauffassung induziert, die das hinter dem Kapital sich verbergende klassenförmige Ausbeutungsverhältnis als harmonische Ordnung erscheinen lässt. Die Mystifikation des Klassenverhältnisses (Kapitalfetisch) wird im Folgenden skizziert.

Die Logik der kapitalistischen Produktionsweise besteht nicht in der Interessenverwirklichung und Bedürfnisbefriedigung der Menschen, sondern in der Produktion einer möglichst großen Summe von Mehrwert.105 Der Kapitalist versucht diesen kategorischen Imperativ des Kapitals zu verwirklichen, indem er die Länge des Arbeitstages an dessen physische und moralische Grenze106 anzugleichen sucht. Dabei steht die Forderung des Kapitalisten, den Arbeitstag bis zum Äußersten auszudehnen, durchaus im Einklang mit den Gesetzen des Warentauschs: Mit dem Kauf der Ware Arbeitskraft zu ihrem Tageswert erwirbt der Kapitalist das Recht, die Arbeitskraft, wenn schon nicht einen vollständigen Tag, so doch den größtmöglichen Teil des Tags zu nutzen.107 Dem Anrecht des Kapitalisten, den Gebrauchswert der von ihm bezahlten Ware zu konsumieren, steht aber die gleichermaßen auf die Gesetze des Warentauschs sich gründende Forderung des Arbeiters entgegen, die Anwendung seiner Ware auf ein Maß zu beschränken, das deren Reproduktion auf gleichem Niveau garantiert.108 "Es findet hier also eine Antinomie statt, Recht wider Recht, beide gleichmäßig durch das Gesetz des Warentausches besiegelt. Zwischen gleichen Rechten entscheidet die Gewalt" (23/249).

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