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Geschichte Giafars des Barmeciden (Philosophischer Roman der Spätaufklärung) von Klinger, Friedrich Maximilian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.09.2015
  • Verlag: e-artnow
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Geschichte Giafars des Barmeciden (Philosophischer Roman der Spätaufklärung)

Dieses eBook: 'Geschichte Giafars des Barmeciden (Philosophischer Roman der Spätaufklärung)' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Friedrich Maximilian von Klinger (1752-1831), war ein deutscher Dichter und Dramatiker. Sein Drama Sturm und Drang wurde namensgebend für eine ganze literarische Strömung.In seinen Werken knüpfte er an dramaturgische Eigenheiten William Shakespeares und an philosophische Ansichten Jean-Jacques Rousseaus an. Sie beinhalten sowohl gesellschaftskritische als auch starke gefühlsorientierte Momente. Aus dem Buch: 'Damit hat es noch lange Zeit, und geschieht es einst, so wird es damit gehen, wie mit Allem, was die Menschen thun. Sei ruhig, mein Sohn, über diesen Punkt. Der Faden ist für die groben Sinne viel zu fein gesponnen, das Licht viel zu helle, als daß es die bloß an Helldunkel gewöhnten Augen der Menschen ertragen könnten. Und wagt sich einst dieser Denker hervor, so werden die Schüler meiner Weisheit ein solches Geschrei erheben, daß man die Stimme der Wahrheit nicht vernehmen wird. Meine Schüler, Leviathan, schreien für die Ehre, das Brod, das Handwerk, und ihre Zunft ist groß, wie du weißt. - Alles Das ist nur für die Hörsäle, allenfalls noch für die Wolkenritter, wie dein Barmende einer war.'

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 04.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9788026843955
    Verlag: e-artnow
    Größe: 765 kBytes
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Geschichte Giafars des Barmeciden (Philosophischer Roman der Spätaufklärung)

5.

Inhaltsverzeichnis
Giafar war nach und nach mit Ahmet so vertraut geworden, als es dessen Ernst und ihn durchdringender Blick erlauben wollten. Er fühlte seinen Verstand von ihm unterjocht, ohne daß es jetzt sein Herz beschwerte, dunkel ahnte er aus seinem Betragen, daß sein Schicksal durch ihn eine andere Wendung nehmen müßte, und erwartete den Augenblick mit Sehnsucht. Als sie eines Tages auf der Klippe saßen und das von den Trümmern der Verwüstung bedeckte Thal vor sich liegen sahen, sagte Giafar mit einem tiefen Seufzer:

Aber wozu dieser Sturm? Warum dieser Wolkenbruch?

Ahmet (kalt). Vielleicht um ein fern wohnend, aus Durst verschmachtend Volk zu tränken, einen Boden zu wässern und zu befruchten, dessen Quellen die Sonne vertrocknet hatte.

Giafar. Diese Antwort ist mir nicht neu, und das, was sie in sich faßt, hat mich nur zu oft empört. Mußte er Diese ersäufen, um Jene zu tränken? Hier Weiber zu Wittwen, Kinder zu Waisen machen, damit das Blut Jener gekühlt werde? Wird es ein Trost für diese Unglücklichen sein, daß nun Jene, die ihnen nichts sind und sein können, auf ihre Kosten gerettet worden?

Ahmet. Sie leiden, seufzen, vergessen und bauen wieder auf, was der Sturm zerstört hat; sie können die ewigen Gesetze der Nothwendigkeit nicht, denen sie unterworfen sind, empfangen das Gute aus den Händen der Natur ohne Dank und das Böse ohne Groll.

Giafar. Beim Propheten, auch ich habe das sogenannte Glück der thierischen Stumpfheit in Persien bemerkt, und wenn du damit die Grausamkeiten des Khalifen rechtfertigen willst, so muß es dir freilich unbedeutend scheinen, ob ein Wolkenbruch, der mit der Verwüstung einer Sündfluth herunterstürzt, dasjenige bewirkt, was ein wohlthätiger, unschädlicher Regen eben so wohl hätte thun können. Gehe nun hin, Mensch, und nenne die Natur deine Mutter! Ahmet. Hast du die Wasser gegen die Bedürfnisse der Erde abgewogen und weißt du bestimmt, ob ein sanfter Regen das bewirken konnte, was der Sturm bewirkte?

Giafar. Bei dem Gefühl des Menschen, es ist scheußlich zu denken, daß hier ein Erdstrich mit seinen Bewohnern aufgefressen werde, damit ein ferner, uns unbekannter blühe! Dies ist es, was ich empfinde und was meinen Verstand erdrückt. Wenigstens ist es dem Menschen zu verzeihen, wenn er gegen Den murret, den er sich so mächtig denken soll und den er gleichwohl handeln sieht, wie die beschränkten Sterblichen, die nicht selten gezwungen sind, ein vermeintes und zwar sehr kleines Gute durch ein großes Uebel für sich oder andre zu erkaufen.

Ahmet. So scheint es freilich.

Giafar. Scheint es nur? und dies wäre alles, was ein Mann wie du mir antworten könnte oder wollte? Gleichwohl weißt du, daß dem Menschen Alles nur Schein ist, daß er sich leider damit begnügen muß. - Wenn aber nun einer diesen Schein oder Schleier gewaltsam wegzureißen strebte, um zuzusehen, was er uns verbirgt? Und wenn er nun, indem er das trügerische Gewebe seines Scheinglücks zerstört, die Anordnungen eines Wesens mit zu frechem Blicke musterte, in dessen Macht es stand, unser Glück etwas fester zu gründen, und das sich uns ohne Zweideutigkeit enthüllen konnte!

Ahmet. Mit gleichem Rechte magst du hadern, daß dir die Materie des Lichts ein Geheimniß sei. Ziehe die Sonne dem Erdball näher, das wohlthätige Licht, das dich erwärmte, dir leuchtete und die Saat des Feldes zur Reife trieb, wird Gluth werden und dich und ihn zerschmelzen.

Giafar. Das Bild ist treffend, vielleicht schön; aber es läßt mich kalt, denn ich sehe dieses Thal vor mir.

Ahmet. Wie, und wenn dieses Wesen alles Dieses nun gethan hätte, was du forderst? Wenn es sich nun mir und dir und Jedem offenbart hätte, der mehr auf die innere Stimme, als auf die üppigen Verirrungen eines verdorbenen Verstandes hören will?

Giafar. Ahmet, der Verstand kann hier nicht entscheiden, das Gefühl, das diesen vergleichen lehrt und uns von unserem Elen

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