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Kabbelsee Mein Sommer mit Seume. von Wagner, Bernd O. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.12.2015
  • Verlag: Books on Demand
eBook (ePUB)
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Kabbelsee

Johann Gottfried Seume war wohl der politischste Schriftsteller seiner Zeit. Was er über die Menschen, ihr Denken und Handeln, ihre Moral und Herrschaftsmechanismen niederschrieb, gilt noch heutzutage bis ins verblüffende Detail. Man muss ihn wieder zu Wort kommen lassen. Das geschieht in diesem Buch. Seume trat im Jahre 1805 eine Reise an, die ihn zu Fuß, mit der Kutsche und dem Schiff nach St. Petersburg und Moskau, nach Helsinki, Stockholm und Kopenhagen führte. Seine kritische Haltung zu Ereignissen und Verhältnissen, die er in dem Buch 'Mein Sommer 1805' niederschrieb, verschaffte ihm den Hass der Herrschenden und das Lob der Denkenden. 210 Jahre später nimmt der Autor den Wanderer auf eine neue Reise mit, zitiert ihn an den Orten des Geschehens und stellt Seumes Ansichten den heutigen Umständen gegenüber. Nach diesem gemeinsamen Sommer steht fest, dass sich an den äußeren Gegebenheiten sehr viel, am Grundsätzlichen in den menschlichen Verhaltensweisen und Beziehungen sehr wenig geändert hat. Trotz dieses beunruhigenden Resumées ziehen sich Heiterkeit und Optimismus durch das Buch. Es motiviert den Leser, sich mit Seume und seinen Werken, aber auch mit der heutigen Zeit und mit den Schauplätzen der Handlung vertraut zu machen.

Bernd O. Wagner geboren 1949 in Erfurt, Abitur, Studium, Abschluss als Diplomingenieur für EDV. Seit 2014 im (Un-) Ruhestand, Hobby-Segler, Yachtmaster Offshore (Royal Yacht Association), Vorsitzender des Vereines "DAS JAGDHAUS" - Dorfentwicklungs- und Kulturverein Kössern / Förstgen e. V., verheiratet, Verfasser von Essays zur sächsischen Geschichte.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 200
    Erscheinungsdatum: 11.12.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783739265483
    Verlag: Books on Demand
    Serie: MeilenTräume .2
    Größe: 3873kBytes
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Kabbelsee

POLEN

Im polnischen Hinterpommern machen wir fest. Kolberg heißt der Hafen.

Die Einfahrt gibt sich wackelig. Die Persante ist nur ein kleiner Fluss, bringt aber einen bemerkenswerten Strom zustande. Was hier bei stark auflandigem Wind lostoben wird, lässt sich ausmalen. Das muss man nicht haben.

Komm, Johann Gottfried, gehe über, springe an Land und ziehe das Schiff fest an die Pier. Auch wenn es Dir widerstrebt.

Die Gesellschaft mochte doch aus meiner Wortfügung und der Art, sie zu sagen, schließen, daß ich nicht so ganz ein Burlak sein könnte.

Keine Bange, wer am Festmacher zieht, ist noch lange kein Treidler! Zudem gibt es an Bord eine Hierarchie, auch wenn man nur zu zweit ist. Skipper's Word Is Law. Und sprich mir nicht von Tyrannei. Auf See ist die Welt noch in Ordnung.

Die Gerechtigkeit bringt reine Ordnung, aber man möchte uns gar zu gern jede dumme Ordnung für Gerechtigkeit verkaufen.

Musst Du immer das letzte Wort haben?

Bei Deinem letzten Besuch gab es kein Polen mehr. Dreimal war es geteilt worden in Deiner Lebenszeit und zerfetzt zwischen Preußen, Österreich und Russland. Jedes Land, das sich verkleinert sieht oder die Staatlichkeit verliert, versinkt erst einmal in Apathie und Orientierungslosigkeit, sucht nach dem Selbst und nach Wegen, sich treu zu bleiben. Das kann lange dauern und Folgen haben.

Im Ernst glaube ich, daß jetzt eine Reise durch Polen mit Ehren für einen nicht kleinen Feldzug gelten kann. Die Bequemlichkeiten für Reisende haben besonders seit der letzten Staatsveränderung oder Staatsvernichtung noch beträchtlich abgenommen. Das scheint vielleicht unmöglich zu sein; aber es ist doch wahr. Ich kann die Vergleichung sehr wohl ziehen, da ich ehemals das Land unter Stanislaus Poniatowsky in verschiedenen Richtungen verschiedenemal durchreist bin.

Ich sah kürzlich Serbien und Makedonien, die Länder sind "Diminutivnatiönchen" - wie Du es nanntest - übrig geblieben oder abgerissen vor zwei Jahrzehnten vom einstmals stolzen Jugoslawien. Ein Feldzug war meine Reise wahrlich nicht, doch fand ich nur noch eine dünne Kruste der Zivilisation. Hoffnungslosigkeit, Verfall und Ruinen allerorten, nur in den winzigen Exklaven der großen Vermögen protzten Villen von erschreckender Geschmacklosigkeit, einem plötzlichen Reichtum entsprungen, dem Kultur fremd ist.

Der Staat sollte die Wohlhabenheit aller zu befördern suchen, befördert aber nur den Reichtum der einzelnen.

Auf dem Balkan sieht man das deutlich, woanders ist es wahrscheinlich besser getarnt.

Wir sind erstaunt, entsetzt, empört über die vielen Kosovaren, die jetzt zu uns kommen. Vor Jahren konnte Deutschland nicht drängend genug die Unabhängigkeit des Landstrichs fordern, die Loslösung von Serbien. Dabei wusste man schon vom Tun der UÇK, die sich als Befreier gerierte und Geld aus Drogen schöpfte. Doch Serbien ist der große Gegner, und der Feind meines Feindes ist mein Freund. Das Roosevelt-Wort vom Bastard, der unser Bastard ist, liegt auch heute ganz oben in der Werkzeugkiste der abendländischen Demokratie. Man hat das Gefühl, das Geschehen im Sarajevo von 1914 sei immer noch nicht verziehen. Dabei wurde die Stadt doch 80 Jahre später wohl genug gestraft. Kann man eine Stadt bestrafen? Und wofür? Stelle diese Frage in Rotterdam, in Coventry, in Hamburg und in Dresden.

Die Menschen, die jetzt aus den zusammenbrechenden Staaten zu uns fliehen, wissen sicher nicht um den Anteil der "westlichen Zivilisation" an ihrem Elend. Wissen wir darum?

Nun aber Polen. Nach Deiner Reise brauchte es noch 140 Jahre, um wieder Staat zu werden. Du warst ohnehin skeptisch und sehr deutlich in Deiner Meinung.

Die Polen hängen mit Schwärmerei an dem Andenken vergangener Zeiten und ergreifen jeden Schimmer zur Hoffnung einer Auferstehung ihres Vaterlandes.

Aber:

Wenn Polen w

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