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Avicenna von Strohmaier, Gotthard (eBook)

  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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Avicenna

Kaum ein anderer nicht-christlicher Denker des Mittelalters ist so sehr Teil der abendländischen Geistesgeschichte geworden wie der persische Muslim Avicenna (um 980-1037). Durch seine Vermittlung gelangten die Werke des Aristoteles wieder nach Westeuropa. Sein enzyklopädisches Hauptwerk 'Buch der Genesung der Seele' hatte prägenden Einfluß auf Albert den Großen und Thomas von Aquin. Gotthard Strohmaier schildert das abenteuerliche Leben Avicennas, gibt eine Einführung in sein Werk auf dem neuesten Stand der Forschung und skizziert Avicennas Bedeutung für das abendländische Denken. Prof. Dr. phil. Gotthard Strohmaier ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am 'Corpus Medicorum Graecorum' der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und Professor am Seminar für Semitistik und Arabistik der Freien Universität Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 184
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406716744
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Serie: Denker
    Größe: 3994 kBytes
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Avicenna

II. Ein programmatischer Briefwechsel

Avicennas Ruf als Gelehrter hatte sich früh über seine Heimatstadt hinaus verbreitet, und so erreichte ihn im Jahre 997 oder 998, so jedenfalls nach den Berechnungen Pavel G. Bulgakovs, ein Schreiben aus Kath, der damaligen choresmischen Hauptstadt, betreffend die Aristotelesschrift Über den Himmel und die Physikvorlesung. Die insgesamt achtzehn Fragen mitsamt den Antworten und Gegenantworten sind ein Panoptikum der verschiedensten Probleme und zugleich ein Zeugnis für die quicklebendige und alles andere als unkritische Rezeption der griechischen Wissenschaft. Absender war der schon erwähnte al-Biruni. Bemerkenswert ist, daß Avicenna bereits einen Schüler namens al-Ma'sumi hat, der die Aufgabe übernahm, al-Biruni noch einmal zu schreiben, weil dieser mit den herablassend formulierten Auskünften des Meisters nicht immer zufrieden war.

Abu r-Raihan Muhammad ibn Ahmad al-Biruni, den der Wissenschaftshistoriker George Sarton im Rang noch über Avicenna stellt, hat keinen Einfluß auf das Abendland ausgeübt und deshalb auch keinen lateinischen Namen verliehen bekommen. Nicht bereit, den spekulativen Höhenflügen der neuplatonischen Philosophie zu folgen, stand er mit seinen Ansätzen zu einer neuen Physik sowohl der neuzeitlichen Wissenschaft näher wie auch der muslimischen Orthodoxie. Wegen seiner skeptischen Haltung hat er wahrscheinlich seinen Beinamen al-Biruni bekommen, der bisher nicht befriedigend gedeutet wurde. Biruniyun hießen mit zugehöriger Pluralendung die Pyrrhoneer, die Anhänger des radikalen griechischen Skeptikers Pyrrhon (um 360 - um 270 v. Chr.). Der polemisch veranlagte Arzt Galen, dessen Werke übersetzt vorlagen, verwendete den Namen fast als ein Schimpfwort, und dieser ist wahrscheinlich al-Biruni unter nicht mehr bekannten Umständen als Beiname angehängt worden.

Wir haben in dem Briefwechsel ein Beispiel für eine Kommunikation, wie sie sonst bei räumlicher Nähe mündlich erfolgt wäre. Obwohl schriftlich erhalten, handelt es sich dennoch nicht um einen platonischen Dialog, der von einem Autor stilisiert worden ist. Seine Echtheit zeigt sich auch darin, daß die Kontrahenten zuweilen aneinander vorbeireden. Im folgenden sei die bunte Reihenfolge der Fragen und Antworten in eine andere Ordnung gebracht, die ungefähr der aristotelischen Kosmologie entspricht.

In ihr sind die zwei schweren Elemente Erde und Wasser um den Mittelpunkt der Welt versammelt, wobei die schwerere Erde das Wasser nach oben drückt, das sie darum kugelförmig umgibt, freilich nicht gleichmäßig, denn die bewohnten Länder ragen daraus hervor, und daran knüpft al-Birunis vierte Frage zur Physikvorlesung an: "Warum ist ein Viertel der Erde der menschlichen Besiedelung gewürdigt worden, unter Ausschluß des anderen nördlichen Viertels und der beiden südlichen Viertel, die doch ebenso zu beurteilen sind wie die beiden nördlichen?" Nach der Auffassung der antiken Geographen ragt der eurasiatische Kontinent zusammen mit Afrika, dessen Ausdehnung nach Süden unklar war, als einzige Landmasse über die mit Wasser bedeckte Oberfläche der Erdkugel heraus. Ihn meint er mit dem einen der nördlichen Viertel. Der junge Avicenna zeigt sich hier überfordert. Er sieht den Grund für die ungleiche Verteilung einmal in der Existenz der Meere, was auf eine Tautologie hinausläuft, und in extremen klimatischen Bedingungen, z.B. der Hitze, die nach seiner Meinung durch eine lange Sonnenscheindauer an den Polen verursacht wird, was falsch ist und nicht zum Thema gehört. Al-Biruni hält ihm entgegen, daß die Polarnacht ebenso lange dauert und empfiehlt ihm, seine Gedanken durch Zeichnungen zu verdeutlichen. Später hat al-Biruni in seiner Geodäsie das teilweise Herausragen des Erdreichs ganz schlicht und im Geiste des Korans mit der göttlichen Fürsorge erklärt, die für den Menschen eine feste Heimstatt schaffen wollte. Bei Avicen

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