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Der Läufer und der Wolf von Rowlands, Mark (eBook)

  • Verlag: Rogner & Bernhard
eBook (ePUB)
16,99 €
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Der Läufer und der Wolf

Mark Rowlands ist kein typischer Läufer. Der Philosophieprofessor kämpft mit leichtem Übergewicht und schlechter Kondition, er ist melancholisch und dem Alkohol nicht abgeneigt. Und trotz eines nicht auskurierten Muskelfaserrisses trainiert er für einen Marathon. Sein Begleiter ist ein Wolf, den er schon als Welpen zu sich genommen hat und der den Professor auf seinen täglichen Laufrunden auf allerlei ungewöhnliche Gedanken bringt: über die Liebe und den Tod, über Mensch und Tier, über den Sinn des Lebens. Mark Rowlands ist Professor für Philosophie an der Universität Miami. Er hat mehr als ein Dutzend Bücher veröffentlicht, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurde. Bei Rogner und Bernhard bereits erschienen sind "Der Leinwandphilosoph - Große Theorien von Aristoteles bis Schwarzenegger" und "Der Philosoph und der Wolf - Was ein wildes Tier uns lehrt".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954030491
    Verlag: Rogner & Bernhard
    Originaltitel: Running with the Pack
    Größe: 423 kBytes
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Der Läufer und der Wolf

Vorwort: Laufen und Erinnern

Was ist Laufen? Welchen Sinn oder welche Bedeutung hat es, wenn ein Mensch läuft - zur Erholung in seiner Freizeit, so wie es Millionen Menschen Tag für Tag tun? Man könnte meinen, die Antwort auf diese Frage hänge von dem betreffenden Menschen ab. Die Menschen laufen aus unterschiedlichen Gründen: Manche tun es, weil es ihnen Spaß macht, andere, weil sie sich dann gut fühlen oder weil Laufen sie gut aussehen lässt, weil es sie gesund erhält oder glücklich macht oder ihre Lebensgeister weckt. Manche laufen, weil sie Geselligkeit suchen, wieder andere, um sich vom Stress des Alltags zu erholen. Manchen geht es um die Herausforderung, den Vorstoß an die eigenen Grenzen, andere wiederum wollen herausfinden, wo ihre eigenen Grenzen im Vergleich zu den Grenzen anderer liegen. Offensichtlich unterscheidet sich die Bedeutung des Laufens von Mensch zu Mensch, weil diese Bedeutung letztlich davon abhängt, aus welchem Grund ein Mensch läuft.

Und dennoch ist heutzutage die Ansicht verbreitet, das Laufen habe nicht nur für den Einzelnen einen bestimmten Sinn, sondern sei für die Menschen insgesamt von Bedeutung. Diese Bedeutung, denken viele, hänge mit der Rolle zusammen, die das Laufen in unserer Evolutionsgeschichte gespielt hat, also bei dem Prozess, der uns - alle - zu dem gemacht hat, was wir heute sind. Manche glauben, und damit könnten sie recht haben, wir seien durch Jahrmillionen zufälliger Mutation und natürlicher Auslese dazu veranlagt, laufende Affen zu sein. Demnach hätten wir mit dem Laufen begonnen, um jagen zu können, damit wir uns von Tieren und nicht bloß von Pflanzen ernähren konnten. Und der daraus resultierende Anstieg des Proteinanteils unserer Ernährung habe dann zu der erheblichen Vergrößerung des menschlichen Gehirns beigetragen, zu der es in dieser Phase kam; so argumentieren Anthropologen wie etwa Richard Wrangham von der Harvard-Universität. Und wenn der Anstieg des Proteinanteils auch nicht die treibende Kraft bei dieser "Enzephalisierung" war, wäre sie ohne ihn jedenfalls nicht möglich gewesen. Mit anderen Worten: Durch das Laufen überwand der Mensch eine wesentliche Hürde in seiner Entwicklung als Spezies. Andere haben die These vertreten, dass es zwischen dem Laufen unserer Vorfahren und den beeindruckenden kognitiven Fähigkeiten des Menschen heutzutage einen noch engeren Zusammenhang gebe. Grundlage der Jagdstrategie unserer Vorfahren sei nicht Geschwindigkeit, sondern Ausdauer gewesen: die Fähigkeit, einem einzelnen Tier auf der Spur zu bleiben, selbst wenn es Mitglied einer großen Herde war, und dieses Tier Kilometer für Kilometer zu verfolgen, ihm nachzusetzen und es dadurch dazu zu zwingen, weiterzulaufen, bis es zuletzt an Überhitzung zugrunde ging und starb. So hat der Biologe Bernd Heinrich von der Universität Vermont die These aufgestellt, dass die Notwendigkeit, sich auf ein einzelnes Tier zu konzentrieren und alle übrigen zu ignorieren, in dieser Aufmerksamkeit nicht nachzulassen, auch wenn das Tier Richtung Horizont verschwand, und sie über Stunden oder gar Tage aufrechtzuerhalten, die Grundlage all unserer kognitiven Fähigkeiten gewesen ist.

Ich halte diese Geschichten - wie so viele der Geschichten, die wir über uns erzählen - für wichtig, allerdings nicht in erster Linie wegen ihrer Aussagen, sondern weil sie uns etwas zeigen. Damit will ich nicht behaupten, dass sie unbedingt falsch sein müssen. Ganz im Gegenteil denke ich, dass sie viel Wahres enthalten. Aber viel Wahres für die ganze Wahrheit zu halten kann manchmal gefährlicher sein als eine Lüge. Derartige evolutionäre Erklärungen der Bedeutung des Laufens suchen diese Bedeutung in dem N

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