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Die Philosophie des Singens

  • Verlag: mairisch Verlag
eBook (ePUB)
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Die Philosophie des Singens

Die Stimme ist unser ureigenes Instrument, und wir haben sie jederzeit bei uns. Sie steht im Zentrum einer Philosophie des Singens, wenn wir uns fragen: Was ist Singen überhaupt? Ist es künstlerischer Ausdruck, Spiegel der Seele oder ein politischer Akt? Was bedeuten cantabile, parlando oder die ganze Stimme, und was können wir für sie tun? Wie singen Tiere? Reicht der Gesang auch bis in die Stille? Welche Rolle spielt er in Nietzsches Philosophie? Und ist es ein Unterschied, gemeinsam im Kneipen- oder Kirchenchor zu singen oder alleine unter der Dusche? 21 Autor innen schreiben über philosophische, poetische und praktische Aspekte einer Kulturtechnik, die immer auch Teil unseres ganz natürlichen Ausdrucks ist. Seit dem Orpheus-Mythos hat das Singen die Philosophie und Literatur geprägt - und tut es noch heute. Herausgeberin und Autorin Bettina Hesse singt seit vielen Jahren. Und auch alle Autor innen, die in diesem Band zu Wort kommen, haben Spaß am Singen, als Philosoph innen und Literat innen, als Chorleiter innen und Sänger innen, mit Stimmperformance und Weltmusik, auf der Bühne, in der Natur, in der Liturgie oder Musiktherapie, selbst im Duett mit Bienen. Bettina Hesse lebt in Köln. Ihre Leidenschaft als Autorin, Herausgeberin und Dozentin gilt der Literatur, doch das Singen ist Lebenselixier, schon seit dem Philosophiestudium. Mit verschiedenen Ensembles, ihrem Jazzkammerchor oder Projektchören tritt sie regelmäßig auf. Als Stimmperformerin sucht sie - ähnlich wie beim Schreiben - nach allen Aspekten der Stimme, in der Gefühle und Geschichten mitklingen, kurz: nach der ganzen Stimme. Zu 'Die Philosophie des Singens' schreibt die Presse: 'Ein Mosaik, das zeigt, wie elementar und zentral Singen für unser Leben ist.' Dagmar Penzlin, NDR Kultur 'Der schön gestaltete Band ist eine gut gefüllte Fundgrube: So viele Töne, so viele Stimmen. Auch Orpheus, diese Wette sei gewagt, würde das Buch empfehlen.' Martin Oehlen, Bücheratlas 'Um die Stimme, das körpereigene Instrument, drehen sich viele der klugen und klangvollen Gedankenketten von 22 Autoren in diesem feinen Buch.' Barbara Weitzel, Welt am Sonntag 'Wir machen es unter der Dusche und in der Kirche; auch Tiere tun es: Wale, Fledermäuse und sogar Bienen. Die Rede ist natürlich vom Singen, dessen Kraft und Urgewalt sich nun ein reichhaltiges Sachbuch widmet. 'Die Philsophie des Singens' versammelt Beiträge von Komponisten und Musiktherapeuten, Sängern und Chorleitern. Heraus kommt ein Vielklang aus Literatur, Politik und Alltag. Sehr stimmig.' Stern 'Gesang bedeutet eine Vielfalt von Lauten. Die Philosophie des Singens zeigt das Singen als Erkenntnisform, in der großes Potenzial, aber auch die Gefahr der Manipulation steckt. Gesang ist politisch.' Christian Berndt, Deutschlandfunk Kultur

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783938539712
    Verlag: mairisch Verlag
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Die Philosophie des Singens

ATMEN MUSS ICH SOWIESO

Von Lisa Pottstock

Singen ist verwegen, an einem harmlosen Ort zeigt es sich gewaltig. Ich weiß davon, seitdem ich zum ersten Mal gesungen habe und mich dabei ein Schauder traf, der mir uneinholbar vorkam. Den Mund zu öffnen und einen Ton hinauszugeben, der dann unter keinen Umständen zurück in meine Kehle zu holen war, für immer herausgegeben, vielleicht von einem zum Hören bereiten Ohr empfangen und verarbeitet - das schien mir auf eine stille Weise ein radikaler Vorgang. Für radikal hielt ich die Entscheidungen des Lebens, die eigenen Entscheidungen, die mir noch weit entfernt und zukünftig waren. Das Radikale am Singen passierte seltsam still, ganz beiläufig war es zugegen in diesem Kinderchor, der doch vor allem das Vergnügen verhießen hatte. Vom Spaß hatten wir gehört, den das Singen machte, jungen und alten Menschen zugleich, und dass gemeinsames Singen etwas richtig Schönes sei. Radikal hörte sich das nicht an, eher nach allgemeiner Freundlichkeit.

Der Spaß hat sich auch sofort gezeigt. Freimütig hat er sich eingestellt und tut es seitdem, sobald ich auf Räume des Singens stoße. Darunter aber stürmte es. Hier ging es nicht mehr um ein harmloses Singvergnügen, das mir auch später noch oft wie ein Missverständnis vorkam. Während wir eifrig kleine Töne lernten, ging es darunter um nichts Geringeres als die eigene Existenz. Es ging um den eigenen Körper, der sich da nach außen gab und zur Verfügung stellte willen einer Erfahrung, die die mir vorhandenen Dimensionen überstieg. Sie hatte mit etwas zu tun, das nur in der Gegenwart geschehen konnte, mit einem Loslassen, das einen zugleich anfüllte. Sie war die Erfahrung einer sehr entschiedenen Kraft.

Mit Worten bin ich dem Singen nie wirklich nahegekommen. Ich beließ es bei dem Eindruck, über ein verwirrendes Quasi-Geheimwissen zu verfügen, das sich durch die Momente des Singens stetig erweiterte. In den Chören fand ich die still Mitwissenden. Ich entdeckte sämtliche YouTube-Videos von Nina Simone und die Musik von Johann Sebastian Bach. Ich fand Lieder vor, kastilische Volksweisen, sizilianische Passionsgesänge, den endlosen Kanon, das Lied am Berg. Mich erreichten sozusagen Indizien. Ich lernte die Philosophie kennen, dachte über Ästhetik nach, über das Politische, den Körper und den Geist, über Demokratie. Ich verbrachte viel Zeit mit gemeinsamem Singen, feierte Feste, die hauptsächlich aus Gesang bestanden, musizierte mit der Singkompanie Mayröcker im Theater und in der Kneipe, vor allem aber jede Woche in der gemeinsamen Probe. Ich versuchte auch, die Philosophie und das Singen miteinander zu verbinden, bisher kam ich darin nicht weiter, als ein Lied in den philosophischen Text hineinzusingen.

Die Philosophie des Singens, die ich machen will, geht also über diesen Text hinaus, hat zum Teil schon stattgefunden, wird sich zukünftig eventuell für eine Oper halten, in jedem Fall fühlt sie sich wohl im Chor. Hier nun soll sie sein: ein Text, geschriebenes Wort, ein Buch. Die Voraussetzung für diesen Text ist mein Verhältnis zum Singen. Dieses Verhältnis ist nicht wenig drastisch und so wird dies auch die Philosophie des Singens, die ich schreiben kann, nicht sein. Sie ist vielmehr die Suche nach einem Grund für diese Drastik und der Versuch, ihn in Worte gefasst zu verstehen.

Die Erfahrung des Singens ist eine körperliche Erfahrung, daher ist dieser Text ein Nachdenken über den singenden Körper. Der singende Körper ist mein Ausgangspunkt. Von dort aus will ich verstehen, was mir am Singen radikal vorkommt und was Singen heute bedeutet. Geleitet bin ich dabei vom Begriff des Performativen. Das Performative verstehe ich als philosophische, soziologische und kulturelle Entdeckung einer politischen Dimension des Körpers und seinen Möglichkeiten, zu erscheinen . Der Begriff des Performativen ist die Annahme, dass das Erscheinen oder Nicht-Erscheinen v

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