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Würden SIE den dicken Mann töten? Das Trolley-Problem und was uns Ihre Antwort über Richtig und Falsch verrät von Edmonds, David (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.10.2015
  • Verlag: Reclam Verlag
eBook (ePUB)
17,99 €
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Würden SIE den dicken Mann töten?

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Eine führerlose Straßenbahn rast auf fünf an die Gleise gekettete Menschen zu. Diese werden sterben, wenn die Bahn nicht aufgehalten wird. Sie stehen auf einer Brücke, neben Ihnen ein dicker Mann. Wenn Sie ihn auf die Gleise schubsen, wird er sterben, die Straßenbahn jedoch aufgehalten und die fünf anderen Menschen gerettet werden. Wie würden Sie entscheiden? Das Straßenbahndilemma ist ein ebenso unangenehmes wie augenöffnendes Gedankenexperiment, dem David Edmonds in bewährter Manier spannend und allgemeinverständlich zu Leibe rückt. Es bereitet nicht nur Philosophen Kopfzerbrechen, es hat sehr viel zu tun mit unserem eigenen Leben, denn es geht um fundamentale Wert-Fragen, Fragen wie die, ob alle Menschen dieselbe medizinische Versorgung garantiert bekommen sollen oder welche Rechte vermeintlich unterentwickelte Länder uns gegenüber haben. Unsere Antworten auf diese Fragen zeigen, wie wir Werte setzen.

David Edmonds ist Mitbegründer der populären podcast-Serie "Philosophy Bites", Senior Research Associate am Uehiro Centre for Practical Ethics der Universität Oxford und erhielt viele Preise und Auszeichnungen für seine BBC-Sendungen über populäre philosophische Themen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 240
    Erscheinungsdatum: 07.10.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783159608266
    Verlag: Reclam Verlag
    Größe: 2456 kBytes
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Würden SIE den dicken Mann töten?

3. Kapitel Die Gründermütter

Ich erkenne die tragische Bedeutung der Atombombe.

Präsident Harry S Truman, am 9. August 1945, dem Tag des Abwurfs der Atombombe "Fat Man" ["Fetter Mann"] über Nagasaki

Philippa (für ihre Freunde Pip) Foot, die für die Trolleyologie so etwas war wie George Stephenson für die Eisenbahn 1 , glaubte, dass es eine richtige (und logischerweise somit auch eine falsche) Antwort auf ihr Bahn-Dilemma gebe.

Foot wurde 1920 geboren, und ihre ethische Einstellung wurde, wie bei so vielen ihrer Zeitgenossen, durch die Gewalt im Zweiten Weltkrieg geprägt. Als sie jedoch 1947 begann, Philosophie an der Universität von Oxford zu lehren, stand die akademische Welt immer noch unter dem anhaltenden und aus ihrer Sicht schädlichen Einfluss des "Subjektivismus".

Der Subjektivismus behauptet, dass es keine moralischen Wahrheiten gibt. Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte er durch eine Gruppe von Mathematikern, Logikern und Philosophen aus der österreichischen Hauptstadt intellektuelles Gewicht bekommen. Sie waren bekannt geworden als der "Wiener Kreis". Der Wiener Kreis entwickelte den "logischen Positivismus", demzufolge eine Aussage, um sinnvoll zu sein, eine von zwei Kriterien erfüllen müsse: Entweder müsse sie aufgrund der Bedeutung ihrer Begriffe wahr (z. B. 2 + 2 = 4, oder: "Alle Züge sind Fahrzeuge") oder sie müsse im Prinzip durch Experimente überprüfbar sein (z. B. "Der Mond besteht aus grünem Käse", oder: "Da vorne liegen fünf an das Gleis gebundene Männer"). Alle anderen Aussagen seien buchstäblich sinnlos.

Zu diesen sinnlosen Aussagen würden auch schlichte moralische Behauptungen zählen, wie etwa: "Es war falsch von den Nazis, die Juden zu vergasen", oder: "Die Briten hatten das Recht, eine List anzuwenden, um die Flugbahn der Doodlebugs zu ändern". Wie es scheint, ist das eine seltsame Behauptung: Diese Aussagen klingen sinnvoll und zumindest die erstere scheint offensichtlich wahr zu sein. Sie sind nicht mit dem offensichtlich unsinnigen Wortsalat: "Flugbahn Doodlebugs List Briten ändern Recht hatten", vergleichbar. Wie also sollten wir ethische Aussagen deuten? Eine Antwort lieferte der englische Philosoph A. J. Ayer, der an Treffen des Wiener Kreises teilgenommen hatte. 2 Später sagte er über den logischen Positivismus, dass "der wichtigste [seiner] Fehler darin bestand, dass fast alles an ihm falsch war", 3 aber eine Zeitlang stand er ganz in seinem Bann. Ayer entwickelte das, was abwertend als "Buh-Hurra-Theorie" bezeichnet wird. 4 Behaupte ich: "Es war falsch von den Nazis, die Juden zu vergasen", lässt sich das am besten übersetzen mit: "Die Nazis vergasten die Juden, buh, pfeif!" Desgleichen lässt sich die Aussage: "Die Briten hatten das Recht, eine List anzuwenden, um die Flugbahn der Doodlebugs zu ändern", in etwa übersetzen mit: "Die Briten wendeten eine List an, um die Flugbahn der Doodlebugs zu ändern, hurra, hurra!"

Am Anfang von Philippa Foots Karriere wurde noch das ganze Ausmaß der Greuel, die während des Zweiten Weltkrieges in den Konzentrationslagern verübt worden waren, aufgedeckt, und ließen sie nicht los. Die Vorstellung, dass ethische Behauptungen auf Meinungen und persönliche Vorlieben, auf: "Ich billige", oder: "Ich missbillige", und: "Hurra-Buh!" reduziert werden könnten, war ihr ein Graus.

Foot distanzierte sich jedoch nicht nur radikal vom ethischen Emotivismus, sondern sie hatte auch nur wenig für einen anderen philosophischen Ansatz übrig, der in den 1950er und 1960er Jahren eine Weile die Disziplin in Oxford und darüber hinaus dominierte: die ordinary language philosophy [Philosophie der Alltagssprache]. Die Ordinary-Language-Bewegung glaubte, man müsse sich, bevor man philosophische Probleme lösen könne, zunächst mit den Feinheiten der Verwendung de

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