text.skipToContent text.skipToNavigation

Das Panoptikum von Bentham, Jeremy (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 07.02.2013
  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin Verlag
eBook (ePUB)
17,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Das Panoptikum

Überwachen und Strafen Im Panoptikum, Jeremy Benthams idealem Gefängnis- und Erziehungsbau, werden die Delinquenten permanenter Überwachung durch einen Aufseher unterzogen, der im Mittelpunkt eines kreisförmigen Gebäudes sitzt. Aber zu welchem Zweck? Michel Foucault interpretierte in seinem Werk Überwachen und Strafen (1975) Benthams Bau als Prototyp für die latente Perversion bürgerlicher Aufklärung, die Schizophrenie eines Liberalismus, der stets das Gute will und stets das Böse schafft. Aber stimmt das wirklich? Die erste deutsche Übersetzung von Panoptikum offenbart die Aktualität von Benthams Gedankenwelt. Als Begründer des Utilitarismus und Anhänger des Wirtschaftsliberalismus war er davon überzeugt, dass der Kapitalismus der wahre Schlüssel zum Glück des Menschen ist - und nichts anderes als den Weg zum Glück wollte er mit dem Panoptikum jedem Menschen ebnen. Ebook-Version ohne Interview mit Michel Foucault.

Jeremy Bentham (1748-1832) gilt als Begründer des klassischen Utilitarismus, Sozialreformer und Vordenker des modernen Wohlfahrtsstaats. Seiner Zeit weit voraus forderte er allgemeine Wahlen, das Frauenstimmrecht, die Abschaffung der Todesstrafe, Tierrechte, die Legalisierung der Homosexualität und die Pressefreiheit. Der Antimonarchist Bentham ist aber auch bekannt für seine scharfe Kritik an der französischen Menschenrechtserklärung, seinen radikalen Atheismus, sein Eintreten für Wucherzinsen und seine Argumente für den legitimen Einsatz der Folter.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 221
    Erscheinungsdatum: 07.02.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783882211139
    Verlag: Matthes & Seitz Berlin Verlag
    Serie: Batterien, NF Bd.14
    Originaltitel: Panopticon; or, The Inspection-House
    Größe: 1378 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Das Panoptikum

Diese Fenster der Aufseher-Loge öffnen sich zum Zwischenbereich hin in Form von Türen , und zwar an so vielen Stellen, wie man das für angebracht hält, um so rasch wie möglich in Kontakt mit einer der Zellen zu treten.

Nachts werfen kleine Lampen , unterstützt von Reflektoren, an der Außenseite eines jeden Fensters der Loge Licht in die gegenüberliegenden Zellen und sorgen so dafür, dass die Sicherheit vom Tage auch in der Nacht gewährleistet ist.

Um störende Ausübung von Stimmgewalt zu vermeiden, die andernfalls notwendig wäre, und um zu verhindern, dass die Häftlinge aus der Ferne mitbekommen, dass der Aufseher mit einem anderen Häftling beschäftigt ist, sollten schmale Zinnblechröhren von den Zellen über den Zwischenbereich hinweg zum jeweils gegenüberliegenden Fenster der Loge verlaufen. Durch eine solche Vorrichtung kann auch das geringste Flüstern auf der anderen Seite verstanden werden, besonders dann, wenn man sein Ohr nach Anweisung ordnungsgemäß an das Rohr hält.

Was die Unterweisung angeht, muss der Instrukteur in bestimmten Fällen, bei denen er weder dem Arbeitsprozess beiwohnen, noch dem Lernenden Abläufe direkt beispielhaft veranschaulichen kann, seine Position so oft wie möglich verändern, um sich verschiedenen Zöglingen zuzuwenden; dass er diese zu sich ruft, steht bei dieser Art von Gebäude nicht immer zu Gebote, etwa wenn es sich um Häftlinge handelt. Wann immer Anweisungen verbal und aus einem gewissen Abstand heraus zu tätigen sind, werden diese Röhren von Nutzen sein. Sie werden einerseits sicherstellen, dass der Instrukteur, ohne seine zentrale Position in der Loge verlassen zu müssen, seine Stimme nicht zu erheben braucht, um den Arbeitenden Anweisungen zu übermitteln. Andererseits verhindern sie auch, dass es zu einem Durcheinander kommt, wenn unterschiedliche Instrukteure oder Personen aus der Loge heraus gleichzeitig Zellen anrufen. Auch wenn dies auf den ersten Blick unbedeutend scheinen mag, so wird im Falle von Krankenanstalten die auf diese Weise sichergestellte Ruhe einen zusätzlichen Vorteil erwirken.

Eine Glocke , die ausschließlich dazu bestimmt ist, Alarm zu schlagen, ist in einem Glockenstuhl untergebracht, der das Gebäude krönt. Die Glocke kann mit einem Seil geläutet werden, das in die Aufseher-Loge herabhängt.

Am wirtschaftlichsten und wohl auch am praktischsten dürfte es sein, wenn man die Zellen und den vorgelagerten Bereich mittels der Abwärme aus den Kaminrohren heizt , welche die Anlage durchziehen, ähnlich wie dies auch bei Gewächshäusern gemacht wird. Der vollständige Verzicht auf eine Heizanlage würde sich, angesichts der bei uns in England herrschenden Wetterverhältnisse, verheerend auf die Gefangen auswirken 5 ; auf jeden Fall kann darauf nicht verzichtet werden, wenn Arbeiten im Sitzen verrichtet werden müssen. Die Kaminrohre und die dazugehörigen Öfen sollten sich allerdings nicht, wie das bei den Gewächshäusern der Fall ist, an der Außenseite des Gebäudes befinden, sondern innen untergebracht werden. Auf diese Weise würde der Wärmeverlust reduziert, und der Luftstrom, der dann von allen Seiten in die Zellen eindringt und den notwendigen Durchzug für das Feuer in den Feuerstellen sicherstellt, würde so auch als Lüftung dienen. Mehr dazu jedoch im Abschnitt über die Hospitäler.

BRIEF III.

UMFANG EINES EINZELGEBÄUDES.

Soviel also zu den wesentlichen Teilen des Konstruktionsprinzips. Sie werden jetzt vielleicht neugierig sein, zu erfahren, in welchem Maße ein Gebäude dieser Bauart ausgestaltet werden muss, besonders hinsichtlich der verschiedenen Zwecke, denen es dienen kann. Vertrauenswürdig kann dies nur von einem professionellen Architekten dargelegt werden. Haben Sie dennoch die Freundlichkeit, mir zu g

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen