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David Hume Der Philosoph und sein Zeitalter von Streminger, Gerhard (eBook)

  • Verlag: Verlag C.H.Beck
eBook (ePUB)
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David Hume

Zusammen mit John Locke und George Berkeley zählt David Hume (1711- 1776) zu den Hauptvertretern des englischen Empirismus. Mit seinem Plädoyer für eine "experimentelle", allein auf Beobachtung und Erfahrung gegründete Methode, mit seiner radikalen Kritik gängiger Meinungen und metaphysischer Spekulationen avancierte Hume zu einem der einflussreichsten Denker des 18. Jahrhunderts. Detailliert und anschaulich zeichnet Streminger in seiner großen Biographie, der einzigen umfassenden Darstellung in deutscher Sprache, Humes ereignisreichen Werdegang nach und entwirft zugleich das politische, gesellschaftliche und kulturelle Panorama einer ganzen Epoche: von Humes Kindheit im streng calvinistischen Süden Schottlands über seine Reisejahre und seine Tätigkeit als Bibliothekar in Edinburgh bis zu seinem Diplomatenleben in Paris, wo er mit den französischen Aufklärern um Diderot und d'Alembert in Kontakt kam. Streminger verknüpft die Lebenserzählung des schottischen Philosophen, Ökonomen und Historikers mit ebenso fundierten wie verständlichen Einführungen in sämtliche Schriften Humes und macht deutlich, warum seine Fragestellungen noch heute herausfordern. Ein besonderes Augenmerk gilt Humes weitreichender Religionskritik. Die kommentierte Erstübersetzung des Reisejournals von 1748, in dem Hume seine Gesandtschaftsreise durch die Niederlande, Deutschland, Österreich und Norditalien beschreibt, rundet dieses Standardwerk ab. "Ein packendes Buch" (Patrick Bahners, FAZ) "Streminger präsentiert Hume als einen Ahnherrn moderner Philosophie, der es nie ertragen hat, Denken und Leben zynisch auseinanderfallen zu lassen." (Kurt Oesterle, Süddeutsche Zeitung) Gerhard Streminger, geb. 1952, lehrte Philosophie an der Karl-Franzens-Universität in Graz und an der University of Minnesota in Minneapolis. Zu seinen Büchern zählen u. a. 'Adam Smith' (1989) sowie 'Gottes Güte und die Übel der Welt. Das Theodizeeproblem' (1992).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 797
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783406718595
    Verlag: Verlag C.H.Beck
    Größe: 7969 kBytes
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David Hume

PROLOG

Bleib' nüchtern und vergiss' nicht, skeptisch zu sein! [ 1 ]

David Hume war ein Mensch mit heftigen Affekten und ruhigen Gefühlen, und er besaß einen überaus kühnen Verstand. In seinem Jugendwerk, dem Treatise of Human Nature ,[ 2 ] analysierte er eine Reihe philosophischer Probleme mit einer Überzeugungskraft und Eleganz, die heute noch auf größtes Interesse stoßen: das Induktionsproblem, die Kausalanalyse, die Frage nach der Existenz einer Außenwelt und des Ichs, das Problem der Einbildungskraft, die Sein-Sollens-Dichotomie, die Verträglichkeit von Freiheit und Notwendigkeit sowie der Ursprung von Recht und Moral.

Hume folgte in der Ausarbeitung dieser Themen ohne Rücksicht auf religiöse Traditionen und Autoritäten allein der Logik seiner Gedanken; und diese führten ihn in seiner Erkenntnistheorie vom vergleichsweise idyllischen Hafen eines dogmatischen Empirismus in den Wirbelsturm eines universellen Zweifels. Nach Jahren einsamen Denkens über die Fragwürdigkeit des Gedachten hatte Hume den Boden unter den Füßen verloren. Zwar konnte er mühelos durchschauen, welch mangelhafte Ware Dogmatiker am Markt der Ideen feilboten, aber der Verstand vermochte keine Sicherheit mehr zu geben; nicht-intellektuelle, instinktive Antriebe mussten den jungen Philosophen aus einer lebensgefährlichen Krise retten.[ 3 ]

Nach dieser Erfahrung, die er im Schlusskapitel des ersten Buches des Treatise of Human Nature eindrucksvoll schildert, gab Hume eine spezifische Form des Skeptizismus auf und erlaubte seinem Bedürfnis nach Geselligkeit, sich zu entfalten. Hume wurde ein kontaktfreudiger Mensch, ehrlich, herzlich, freigebig und überaus humorvoll ohne jedes künstliche Getue. Hume, der unverheiratet geblieben war, liebte Gespräche mit Freunden, genoss das 'Fest der Vernunft' mit einigen Auserwählten - und solide Mahlzeiten. Nirgendwo sehen wir ihn auf sein überlegenes Genie pochen oder mit seinen Einsichten hausieren gehen. Hume war zufrieden, wenn er an seinen philosophischen Ideen arbeiten, am gesellschaftlichen Leben der Stadt, in der er gerade lebte, teilnehmen und darüber hinaus sich selbst und anderen Freude bereiten konnte. Mehrfach berichten Zeitgenossen voll Staunen, wie rasch intellektuelle Gegner ihre Vorurteile ihm gegenüber ablegten, sobald sie den Philosophen persönlich kennengelernt hatten. Humes Fähigkeit, auch über sich selbst, insbesondere über seine enorme Leibesfülle lachen zu können, ließ ihn leicht Freunde gewinnen; und die Tatsache, dass dem unbestechlichen Skeptiker im zwischenmenschlichen Kontakt praktisch jedes Misstrauen fehlte, machte ihn ausgesprochen liebenswert. Dieser Mangel an gesundem Misstrauen hatte allerdings auch seine Schattenseiten, wie in der berühmten Querele mit Jean-Jacques Rousseau besonders deutlich wurde. Im Vergleich zu seinen empiristischen Vorgängern war Hume ungleich moralischer als Francis Bacon, weitaus praktischer als George Berkeley und viel fröhlicher als John Locke. Nur Ungerechtigkeiten und die Arroganz von Fanatikern - vor allem dann, wenn sie sich mit dem Willen Gottes bestens vertraut wähnten -, vermochten ihn zeitlebens zu empören und kurzfristig auch zu verbittern.

Trotz seines ausgeprägten Sinns für Geselligkeit kehrte Hume immer wieder zu seinen Studien und der damit verbundenen Einsamkeit zurück. Nach der Veröffentlichung des Treatise of Human Nature , den Hume weitgehend in Frankreich, und zwar in Sichtweite jenes Jesuitenklosters geschrieben hatte, in dem René Descartes erzogen worden war, wandte er sich auch gedanklich praktischeren Dingen zu. Hume verfasste eine Reihe von Essays über politische, ökonomische, literarische und religionsphilosophische Themen, die seinen Ruhm als bedeutendster englischsprachiger Schriftsteller seiner Zeit begründeten. Hume verkörperte für viele das Ideal von Unabhängigkeit und Unparteilichkeit inmitten ideologischer Gehässigkeiten. D

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