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Der Fürst von Machiavelli, Niccolò (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.04.2014
  • Verlag: Anaconda Verlag
eBook (ePUB)
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Der Fürst

Machiavellis 'Der Fürst' ist der berühmteste staatsphilosophische Traktat der Weltliteratur. Unter dem Begriff des Machiavellismus fasst man noch heute die Haltung skrupelloser Machtpolitik, einst wirkungsvoll kritisiert von Friedrich dem Großen in seinem 'Antimachiavell'. Schockiert und fasziniert hat durch die Jahrhunderte vor allem der schonungslos rationalistische Realismus, mit dem sich Machiavelli in seinen Analysen und Empfehlungen über bestehende Moralvorstellungen hinwegsetzt, sofern es dem höheren Ziel der Erhaltung des Staates dient. Sein Werk wurde mal als grundlegender Beitrag zur Fürstenerziehung, mal als Rechtfertigungstheorie tyrannischer Regentschaft, mal als Legitimierung der Staatsraison gedeutet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 160
    Erscheinungsdatum: 10.04.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783730690673
    Verlag: Anaconda Verlag
    Größe: 879 kBytes
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Der Fürst

3. Von vermischten Herrschaften

Aber die neuen Herrschaften sind ganz anderen Schwierigkeiten unterworfen. Und zwar erstens, wenn nicht das ganze Reich neu ist, sondern nur ein Teil davon und es also ein vermischtes Reich genannt werden könnte, so entstehen gewaltsame Veränderungen aus einer natürlicher Schwierigkeit, welche allen neuen Herrschaften gemein ist und daher rührt, dass die Menschen gern ihren Herrn verändern in der Hoffnung, dass es ihre Lage verbessern könne, und hierauf die Waffen ergreifen: Darin aber irren sie, denn sie erfahren bald, dass es schlimmer wird. Und das liegt wieder in der Natur der Dinge: Weil der neue Herr seine Untertanen mit Soldaten und auf manche andere Art niederzuhalten genötigt ist, bloß weil die Herrschaft neu ist. Du wirst also all diejenigen zu Feinden haben, die du durch die Eroberung selbst geschädigt hast, ohne diejenigen, durch deren Hilfe du Herr geworden bist, zu Freunden zu behalten, weil du sie nicht nach ihren Wünschen befriedigen kannst und auch keine kräftigen Heilmittel anwenden darfst wegen der Dankbarkeit, die du ihnen schuldig bist. Denn auch der Mächtigste bedarf der Begünstigung von Einheimischen, um in das Land einzudringen. Aus dieser Ursache hat Ludwig XII. von Frankreich Mailand so geschwind erobert – und so geschwind wieder verloren. Das erste Mal war die eigene Kraft des vertriebenen Herzogs Ludovico Sforza hinreichend, weil das Volk, das jenen eingeführt hatte und sich in seiner Hoffnung getäuscht fand, den Widerwillen gegen die neue Herrschaft nicht ertragen mochte. Es ist wahr, dass auf solche Weise zum zweiten Mal eroberte Länder nicht wieder so leicht verloren gehen, weil der Herr von der Rebellion Veranlassung nimmt, sich durch strenge Maßregeln zu sichern, Verbrecher zu strafen, Verdacht aufzuklären und an den schwachen Stellen Vorkehrungen zu treffen. Wenn es, um Mailand den Franzosen wieder zu entreißen, das erste Mal hinreichend war, dass Herzog Ludovico an der Mailänder Grenze Rumor anfing, so musste sich beim zweiten Mal die ganze Welt dagegen vereinigen, um die französischen Heere zu vernichten oder zu vertreiben. Die Ursachen sind oben angegeben. Dennoch verlor Frankreich das mailändische Gebiet zum zweiten Mal. Die allgemeinen Veranlassungen der ersten Begebenheit sind erzählt; es bleibt also noch übrig, die Ursachen der zweiten zu betrachten und die Mittel anzugeben, wie man sich in solcher Lage besser behaupten kann, als der König von Frankreich es getan hat. Ich sage also, dass solche Provinzen, welche erobert und mit den alten Staaten des Eroberers verbunden werden, entweder zu demselben Land gehören und dieselbe Sprache reden oder dies nicht tun. In dem ersten Fall ist es sehr leicht, sie festzuhalten, vorzüglich wenn sie nicht an Unabhängigkeit gewöhnt gewesen sind. Um sie mit Sicherheit zu beherrschen, ist es hinreichend, die Familie ihrer vorigen Beherrscher auszurotten; denn weil die Einwohner ihre alten Gewohnheiten und Verhältnisse beibehalten, auch übrigens gleiche Sitten mit ihren neuen Mituntertanen haben, so leben sie ruhig; wie man es in der Bretagne, der Gascogne und der Normandie gesehen hat, welche schon lange mit Frankreich verbunden sind. Wenngleich zwischen diesen Provinzen und dem übrigen Frankreich in der Sprache geringer Unterschied ist, so stimmen doch die Sitten überein und daher vertragen sie sich leicht miteinander. Wer solche Provinzen erobert hat und sie behalten will, muss auf zwei Dinge Rücksicht nehmen. Erstens: Die Familie der vorigen Regenten muss ausgelöscht werden. Zweitens: Die alten Gesetze und Verfassungen darf er nicht verändern. So werden alte und neue Staaten baldmöglichst zu einem Ganzen zusammenschmelzen. Aber wenn Provinzen eines Landes erobert werden, das an Spr

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