text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Die Macht des Vierten Über eine Ordnung der europäischen Kultur

  • Erscheinungsdatum: 09.12.2013
  • Verlag: Felix Meiner Verlag
eBook (PDF)
21,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Die Macht des Vierten

In den neun Beiträgen dieses Bandes wird die Bedeutung der Denkfigur des Vierten in der Philosophie seit Platon bis Schopenhauer exemplarisch demonstriert, herausgestellt und reflektiert. / 1, 2, 3 / 4: Drei Dinge werden aufgeführt, aber ihr Grund oder Zweck, ihre dirigierende Einheit liegt im abschließenden Vierten. Diese von Homer bis Platon, von den Heiligen Königen bis zum Vierten Stand des Proletariats wirksame Gestaltung einer Vielheit als Einheit ist weder logisch noch mathematisch begründet und ist so der Selbstreflexion der europäischen Kultur fast gänzlich entgangen. Dennoch ist sie eine immer wiederkehrende Konstellation, die in der Dichtung, den Institutionen und der Bildkunst als schlüssige Komposition dient; sie formt den Inhalt und gehört zu ihm. In dem vorliegenden Band werden exemplarische Texte und Institutionen genannt und analysiert: Homer, besonders die Odyssee, und die Tragiker, Platon, Cusanus, Kant, Goethe, Hölderlin, Schelling, Schopenhauer; die Universität und andere Institutionen des Staats. Der Band soll die Aufmerksamkeit auf diese und verwandte Kompositionsformen richten. Sein Nutzen liegt außer in derjenigen für die historische Forschung in der Heuristik, und er macht durch die vielen Fälle auf neue, auch triviale Kompositionen z. B. in der Reklame bis hin zu den ?Golden Girls? aufmerksam. Inhalt: Andree Hahman: Wird mit der Vier alles gut? Platon über Gerechtigkeit und Einssein Rebecca Lämmle: Quartum datur: Das Satyrspiel in der tragischen Tetralogie Hans Gerhard Senger: Die Bedeutung des Quaternars bei Cusanus Harald Schwaetzer: 3,4,7 - Die Konzeption von Seele in der frühniederländischen Malerei Reinhard Brandt: Die vielfältige Verwendung der 1, 2, 3 / 4 - Konstellation in Kants Philosophie Ulrike Santozki: Die Macht des Vierten bei Johann Wolfgang von Goethe Johann Kreuzer: 'Wir sprachen nicht immer accordirend miteinander.

Reinhard Brandt, geboren 1937, Studium Latein, Griechisch und Philosophie (Staatsexamen) in Marburg, München und Paris. 1972 bis 2002 Professor für Philosophie in Marburg, viele Gastprofessuren. 2004 Christian-Wolff-Professor in Halle. Leiter der Marburger Arbeitsstelle zur Weiterführung der Akademie-Ausgabe von Kants Gesammelten Schriften. Mitglied der Wissenschaftlichen Gesellschaft der Universität Frankfurt und korr. Mitglied der Akademie zu Göttingen, im Sommer 2005 Gast im Wissenschaftskolleg zu Berlin. Bücher: Philosophie in Bildern. Von Giorgione bis Magritte (2000, 2002); Die Bestimmung des Menschen bei Kant (2007, 2009); Können Tiere denken? (2009); Immanuel Kant - Was bleibt? (2010); Wozu noch Universitäten? (2011).

Produktinformationen

    Format: PDF
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 09.12.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783787325153
    Verlag: Felix Meiner Verlag
    Größe: 3196kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Die Macht des Vierten

Die Beiträge

Andree Hahmann

Es ist auffallend, dass Platon den bestmöglichen Staat aus drei Ständen zusammensetzt. Jeder Stand hat seine besondere Tugend. Der Nährstand muss sich in der Selbstbeherrschung üben, der Wehrstand steht für Tapferkeit und die herrschenden Philosophen für die Weisheit. Neben den drei Tugenden widmet sich der platonische Staat einer vierten Tugend: der Gerechtigkeit. Ihr entspricht kein eigener Stand, sie stiftet dadurch, dass jeder das seine tut und erhält, die harmonische Ordnung der drei Stände. Diese Untersuchung fragt mit Thrasymachus, ob die Gerechtigkeit als vierte Tugend notwendig zum guten Leben ist oder, ob nicht auch der Ungerechte als vernünftig und wahrhaft gut gelten könne. Denn Platon selbst antizipiert zum Teil die kantische Beobachtung, dass die drei anderen Kardinaltugenden für sich genommen moralisch indifferent zu sein scheinen, sodass "Selbstbeherrschung und nüchterne Überlegung" (Kant, AA04: 394) den Verbrecher nur noch widerwärtiger machen. Zuerst wird betrachtet, was wahre Einheit für Platon bedeutet. Dann wird die Differenzierung der einzelnen Seelenteile erläutert und gezeigt, wie die drei Seelenteile zu dieser Einheit gelangen können, die als das Vierte oder eben die Gerechtigkeit aus ihnen erwächst. Schließlich wird angedeutet, dass die Vierheit auch den harmonischen Aufbau des Kosmos stiftet.

Rebecca Lämmle

An den Tragikerwettbewerben am bedeutendsten Dionysos-Fest in Athen, den sogenannten Großen Dionysien, führten die Tragiker im 5. vorchristlichen Jahrhundert und einige Jahrzehnte darüber hinaus ihre Stücke in Tetralogien von 3 Tragödien und einem Satyrspiel auf. Aufgrund ihrer Forschungen zum Satyrspiel, die den Befund erbracht haben, dass es sich dabei um ein Reflexionsinstrument handelt, mit dem die Tragiker ihr tragisches Schaffen der komischen und der 'dionysischen' Reflexion unterziehen, deutet Lämmle die tragische Tetralogie als eine Anverwandlung der Struktur 1, 2, 3 / 4. Zugleich argumentiert sie dafür, dass dieses Ordnungsmuster auch andere Elemente des attischen Theaterwesens strukturiere: das tragische Bühnenpersonal (getragen von drei Schauspielern und einem Chor) ebenso wie die Anlage der Festtage mit dramatischen Wettbewerben an den Großen Dionysien, bei denen ein Tag dem Agon der Komödiendichter, drei Tage dem Agon der Tragiker zugedacht waren.

Hans Gerhard Senger

Triadische Strukturen haben das griechische und lateinisch-christliche Denken in der Antike, im Mittelalter und darüber hinaus weithin bestimmt. Das trifft auch auf die Philosophie und Theologie des Nikolaus von Kues (1401-1464) zu. Im Rückgriff auf antike und patristische Anschauungen verbindet er in ihnen in spezieller Weise die christliche Trinitätslehre mit platonisch-neuplatonischen Philosophemen derart, daß die Welt als Abbild ihres trinitarisch gedeuteten Schöpfers selbst als durchgehend trinitarisch strukturiert gedeutet wird. - Mit seiner zweiten philosophischen Schrift De coniecturis durchbricht Cusanus einmal das in De docta ignorantia grundgelegte triadische Schema. Auf der Grundlage symbolischer Zahlenspekulationen entwickelt er, sich selbst korrigierend, mit einer quaternarisch bestimmten Erkenntnistheorie eine originelle, weitgehend quaternarisch bestimmte Kosmologie.

Harald Schwaetzer

In seinem Beitrag zeigt Harald Schwaetzer, wie die flämische Malerei, insbesondere diejenige Jan van Eycks, malerisch eine Idee von "Seele" ins Bild setzt, die auf der einen Seite historisch von einem Pythagoreismus, auf der anderen Seite aber vor allem von der Rheinischen Mystik her verstanden werden kann. Dabei geht es um die Wandlung von Seelenkräften, und zwar einer niederen und einer höheren Trias. In der Mitte dieser beiden Dreiheiten steht aber die Seele selbst als je vierte Position bzw. als Mitte zwischen zwei Dreiheiten. So ergibt sich eine Siebengliedrigkeit der menschlichen

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen