text.skipToContent text.skipToNavigation

Geschichtsphilosophische Entwürfe des 19. und 20. Jahrhunderts: Erörterung, Vergleich und Kritik oder: Die Philosophie des Fortschritts von Marinsek, Ivo (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.10.2012
  • Verlag: GRIN Verlag
eBook (ePUB)
34,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Geschichtsphilosophische Entwürfe des 19. und 20. Jahrhunderts: Erörterung, Vergleich und Kritik

Diplomarbeit aus dem Jahr 2002 im Fachbereich Philosophie - Epochenübergreifende Abhandlungen, Note: 1,0, Karl-Franzens-Universität Graz (Philosophie), Sprache: Deutsch, Abstract: Die Diplomarbeit beginnt mit einer Darstellung der menschlichen Zugänge und Reaktionen zum Verlauf der Geschichte. Es wird ausführlich geschildert, wie die explizite Geschichtsphilosophie in der Zeit der Aufklärung begann und im 19. Jahrhundert mit den Systemen Hegels und Marxens ihren Höhepunkt erreichte. Auch auf das Geschichtsdenken des 20. Jahrhunderts wird eingegangen, z. B. auf Jaspers und Popper. Der Vergleich zwischen den geschichtsphilosophischen Entwürfen, die Kritik an ihnen und meine persönliche Stellungnahme im Geist des humanistischen Post-Histoire runden diese philosophiegeschichtliche und geschichtsphilosophische Darstellung ab.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 183
    Erscheinungsdatum: 15.10.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783656289029
    Verlag: GRIN Verlag
    Serie: Akademische Schriftenreihe Bd.V202500
    Größe: 2203kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Geschichtsphilosophische Entwürfe des 19. und 20. Jahrhunderts: Erörterung, Vergleich und Kritik

Einleitung und persönliche Stellungnahme :

Ich interessiere mich schon seit meiner Kindheit für die unzähligen Ereignisse, welche die Welt des Menschen in unserer Vergangenheit geformt haben. Die Geschichtsschreibung beschäftigt sich mit Detailfragen aller Art. Jeder Mensch bringt seine persönliche Betrachtungsweise in die Darstellung der Vergangenheit ein, jedem kommt etwas anderes besonders wichtig vor, kaum jemand ist vollkommen frei von ideologischen Vorannahmen.

Die Weltgeschichte ist aber nicht nur eine Aneinanderreihung von ästhetisch glänzenden Schöngeistern, die dem materiellen Universum eine neue Dimension hinzufügen, sondern auch ein Panoptikum der perversesten Schwerverbrecher, deren Schandtaten jeden vernunftbegabten Menschen erschaudern lassen. (1)

Die Geschichtsphilosophie, wie die Philosophie überhaupt, zählt zu den Dingen, die das Leben erst lebenswert machen. Es scheint eine anthropologische Grundtatsache zu sein, dass der Mensch sich mit der Kontingenz und Sinnlosigkeit seiner Umwelt nicht abfinden kann. (2) Es ist eine Lebensaufgabe, sich einen Platz und eine sinnvolle Beschäftigung in dieser Welt zu suchen und damit die Wirklichkeit zu bewältigen. (3) Der deutsche Existenzphilosoph Karl Jaspers behandelte in mehreren Aufsätzen die Frage, was uns zum Philosophieren bewegt. (4) Er geht von drei Hauptmotiven aus, die er als Staunen, Zweifel und Erschütterung des Menschen bezeichnet. Wenn wir beginnen, uns tiefere Gedanken über die Vergangenheit zu machen, haben wir genau dieselben Beweggründe. Die Neugier ist eine zutiefst menschliche Eigenschaft: Wir begeistern uns grundlos und ohne Berechnung für etwas, das wir wahrnehmen oder wahrzunehmen glauben; Wir interessieren uns für die nützlichsten und nutzlosesten Gegenstandsbereiche. Die Vergangenheit lässt uns nicht kalt, ja wir empfinden das Bedürfnis, sie aufzuarbeiten. Wir nutzen unsere Mußestunden, um unsere Neugier zu befriedigen. Der Zweifel befreit das menschliche Denken von den Ketten der Tradition. Wenn sich der gärende Zweifel zu einem radikal skeptischen Ansatz weiterentwickelt, bleiben auch unsere Hypothesen über die Vergangenheit nicht verschont. Wir zweifeln an der Richtigkeit der Überlieferung, wir zweifeln an der Angebrachtheit gewisser Interpretationen, wir erkennen, wie schwer es ist, den anderen zu verstehen. Kurzum unsere Schemata und Systeme der Vergangenheitsbetrachtung sind auf Sand gebaut, unsere Erklärungen scheitern an den Phänomenen. Die Skepsis ist zugleich Befreiung und Enttäuschung. Auch die persönliche Betroffenheit, das jaspersche Erschüttertsein, ist ein wichtiges Motiv des Geschichtsdenkens: Denn einerseits machen wir die Geschichte, andererseits ruft sie elementare Angst- und Schuldgefühle hervor. Die eigene Schwäche und Ohnmacht ist eine Grenzsituation, die den Geist stärken kann. Die eigene Macht führt uns leicht in Situationen, in welchen Machtmissbrauch eine verführerische Alternative zu verantwortungsbewusstem Handeln ist.

Wer historisch denkt, kann den Augenblick nicht so genießen, als ob er nie sterben würde. Wer historisch denkt, wird auf Schritt und Tritt an die Vergänglichkeit und an das radikal Böse im Menschen erinnert. Wie schon bemerkt, sind Schuld und Sinnlosigkeit ein Ansporn für unsere Deutungsversuche. Jedes Kind denkt historisch, sobald es das Heute vom Gestern unterscheiden kann. Gerade die Kinder werden jeden Tag mit den geschriebenen und ungeschriebenen Traditionen ihrer Kultur berieselt. Gerade die Kinder bemerken ja die Spannungen und Veränderungen, die sich in der Welt ihrer Eltern abspielen. Gerade die Kinder werden von Neugier und Zweifel angeregt, wenn sie beginnen, sich spielerisch die Welt anzueignen. (5)

Eine Voraussetzung des historischen Denkens ist die Fähigkeit, die Gegenstände als

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen

    ALDI life eBooks: Die perfekte App zum Lesen von eBooks.

    Hier finden Sie alle Ihre eBooks und viele praktische Lesefunktionen.