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Markt und Moral Im Gespräch mit Peter Engelmann von Crouch, Colin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 02.02.2015
  • Verlag: Passagen Verlag
eBook (ePUB)
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Markt und Moral

In seinem Buch Jenseits des Neoliberalismus rechnete Colin Crouch unlängst mit der neoliberalen Wirtschaftspolitik ab und plädierte für mehr soziale Gerechtigkeit. In Markt und Moral spricht er sich nun klar für eine freie Marktwirtschaft aus, die durch staatliche und zivilgesellschaftliche Maßnahmen reguliert wird. Im Gespräch mit Peter Engelmann liefert Crouch eine Diagnose der gegenwärtigen politischen und sozioökonomischen Situation. Crouch zeigt auf, warum die Wahlfreiheit als Grundbedingung einer funktionierenden Marktwirtschaft immer an Regulierungsinstanzen gekoppelt sein muss, um Monopolisierungsprozessen entgegenzuwirken. Diskutiert werden auch potenzielle Akteure eines gesellschaftlichen Wandels. Warum setzt Crouch auf die Sozialdemokratie, um die Auswüchse neoliberaler Politik einzudämmen? Welche Rolle haben zivilgesellschaftliche Bewegungen, die, anders als Parteien, nicht demokratisch legitimiert sind? Welche Möglichkeiten der (nationalstaatlichen) Einflussnahme gibt es angesichts einer globalisierten Wirtschaft? Wie begegnet man dem demografischen Wandel und der Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen? Dabei geht Crouch auch auf die Rolle einzelner Staaten im globalen Kontext ein: die USA als Weltmacht, die nordeuropäischen Staaten, die für Crouch Modellcharakter haben, die asiatischen Länder, deren kapitalistisches Wirtschaftssystem nicht an eine demokratische Staatsform gekoppelt ist. Colin Crouch, britischer Soziologe und Politikwissenschaftler, ist emeritierter Professor für Governance and Public Management an der University of Warwick. Er wurde durch seine zeitdiagnostischen Arbeit zur Postdemokratie international bekannt und gilt als einer der profiliertesten Kritiker neoliberalen Denkens.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 136
    Erscheinungsdatum: 02.02.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783709250082
    Verlag: Passagen Verlag
    Serie: Passagen Gespräche Bd.2
    Größe: 899 kBytes
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Markt und Moral

Colin Crouch : Ich mache hier, ganz im Sinne einer Denkweise des 19. Jahrhunderts, eine Unterscheidung zwischen Demokratie und Liberalismus, was man heutzutage nicht mehr tut. Heute können Politiker oft nicht einmal mehr zwischen Demokratie und Kapitalismus unterscheiden, schon gar nicht zwischen Demokratie und Liberalismus, und sie würden sagen, Freiheit sei Demokratie. Aber die Denker des 19. Jahrhunderts sahen das anders und konnten Demokratie und Liberalismus durchaus auch als gegenseitige Bedrohungen verstehen. Im Liberalismus geht es um eine Gesellschaft, die dem Markt ähnelt, aber nicht den strengen Regeln eines Marktes unterworfen ist, eine Gesellschaft also, in der die Freiheit herrscht, sich zu organisieren, Kampagnen ins Leben zu rufen, sich in recht anarchischer Weise zu versammeln. Das ist Liberalismus und Pluralismus.

Peter Engelmann : Okay, und in welchem geschichtlichen Kontext verortest du das?

Colin Crouch : Ich würde sagen, das ist ein liberaler Pluralismus insbesondere der amerikanischen Art.

Peter Engelmann : Also wäre das eine Entwicklung der amerikanischen Demokratie.

Colin Crouch : Und der Pluralismus muss mit dem Liberalismus verbunden werden. Ich denke, man kann es liberalen Pluralismus oder pluralistischen Liberalismus nennen, ganz wie man will - es macht keinen Unterschied.

Peter Engelmann : In Europa gab es so eine Entwicklung nicht - anders als in Amerika.

Colin Crouch : Naja, es gab sie sogar zu allererst in Europa. Es begann in jenen Gesellschaften Europas - ich schätze, die niederländische war die wichtigste -, die im Laufe des 17. Jahrhunderts einen bestimmten Grad an religiöser Toleranz erreicht hatten. In England und in den Niederlanden, in der Schweiz, aber auch in Teilen Deutschlands lebten Katholiken, Lutheraner, Calvinisten und auch Menschen, die nicht gläubig waren.

Peter Engelmann : Also hat das gar nichts mit Demokratie zu tun.

Colin Crouch : Nein, es ist vordemokratisch. Es stellte sich dann das Problem, welche Grenzen bestimmten Verhaltensweisen gesetzt werden sollten, aber es fand in diesen Gesellschaften allgemeine Akzeptanz, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, seinen Glauben auszuüben. Dieser Gedanke ist uns erhalten geblieben und geht jetzt weit über den religiösen Bereich hinaus. Wenn du zum Beispiel eine Kampagne gegen die Ausbeutung chinesischer Arbeiter ins Leben rufen willst, sollte dir das selbstverständlich frei stehen. Diese Freiheit ist allerdings auch mit Problemen verbunden. Zum Beispiel gibt es keine Garantie, dass nicht immer die Mächtigsten und die Reichen am besten organisiert sind. Es gibt keine Möglichkeit sicherzustellen, dass jeder die Chance hat, seiner Stimme Gehör zu verleihen. Es ist eine substanzielle Freiheit. Demokratie unterscheidet sich meines Erachtens dadurch, dass sie formal egalitär sein muss. Auch wenn es nur eine formale Regel ist, die in der Praxis missbraucht wird, es gibt die Formalität der gleichberechtigten Stimme und der geregelten Wahlkämpfe, wie bei Sportveranstaltungen mit einem gewaltigen Regelwerk, um gleiche Voraussetzungen für einen fairen Wettbewerb zu garantieren. In der Realität gibt es keine substanzielle Gleichheit, auf rechtlicher Ebene aber schon. Und mir scheint es sehr wichtig, dies für die Rekrutierung des Regierungspersonals beizubehalten, da man sonst in eine Art Anarchie verfällt, was sehr schnell zu einer Diktatur führt. Eine gute Gesellschaft schafft es, diese zwei Aspekte zu vereinen: einen stark auf Regeln basierenden demokratischen Prozess und einen anarchistischeren liberalen.

Peter Engelmann : Liberalismus ist, wenn ich das richtig verstehe, eine ideologische Haltung oder Übereinkunft, Demokratie eine formale Struktur. Ist das der Untersc

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